Die wegweisende Erkenntnis lieferte Mesut Özil. „Wir haben verdient gewonnen, und jetzt konzentrieren wir uns voll auf das Spiel gegen Aserbaidschan.“ Mehr als des Bremers Worte waren dem faden 2:0 der deutschen Nationalmannschaft im Test gegen Südafrika auch nicht hinzuzufügen. Pflicht erfüllt, und nun gilt das Hauptaugenmerk der WM-Qualifikation am Mittwoch gegen Aserbaidschan.

"Wir hatten viele gute Ansätze und einen viel besseren Spielfluss als zuletzt. Wir hatten einige junge Spieler dabei, insbesondere Mesut hat viel Kreativität ins Spiel gebracht. Er hat das Auge für den besser postierten Mitspieler und großes Potenzial“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Und sein Gegenüber Joel Santana meinte: „Es war ein sehr gutes Spiel. Die südafrikanische Mannschaft gegen eine Mannschaft, die zu den vier stärksten der Welt zu zählen ist. Die Begegnung hat uns das gebracht, was wir wollten: internationale Erfahrung. Wir haben uns weitestgehend auf Augenhöhe präsentiert.“

Dabei hatte zumindest Bundestrainer Joachim Löw schon vor dem Spiel für eine Überraschung gesorgt. Er bot nicht nur den 20-jährigen Özil erstmals von Beginn an auf, sondern beorderte auch dessen Bremer Vereinskollegen Marko Marin in die Startelf. Beide spielten im Mittelfeld an der Seite von Kapitän Michael Ballack, dem Leverkusener Simon Rolfes und Bastian Schweinsteiger, mit Mario Gomez agierte dafür zunächst nur ein Stürmer ganz vorn. Für jenes 4-2-3-1-System hatte sich Löw letztmals erfolgreich bei der EM 2008 im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) entschieden.

„Der Trainer wollte etwas verändern. Wir haben ein bisschen Abwechslung gebraucht, das hat ganz gut funktioniert. Mesut Özil hat hervorragend gespielt. Aber wir haben auch hinten gut gestanden, die Ordnung hat gestimmt, wir haben ruhiger gespielt und teilweise sehr gute Angriffszüge gezeigt“, stellte Kapitän Michael Ballack fest.

Bei der Neuauflage des Experiments begann sein Team auch am Samstag stark. Özil forderte immer wieder den Ball und hatte meist gute Ideen im Speilaufbau, auch Marin fand sich auf Anhieb gut zurecht und besaß mit einem Fernschuss die erste Chance. Allerdings war der Bielefelder Ersatzkeeper Rowen Fernandez im Tor der Südafrikaner auf dem Posten (4.).

Trotz der Überlegenheit sollte es so bis zur 35. Minute dauern, ehe Zählbares für die deutsche Elf heraussprang. Eine feine Kombination über Özil und Ballack schloss Gomez ab, wobei der 35-Millionen-Euro-Mann des FC Bayern München knapp im Abseits gestanden hatte. „Wir haben ein gutes Fußballspiel gesehen. Das war viel besserer Fußball als zuletzt, wir hatten mehr Chancen und haben zwei schöne Tore gemacht. Mesut Özil ist ein Spielertyp, den Deutschland lange nicht hatte“, stellte Gomez fest.

Nach dem Wechsel nutzte Löw die Testpartie, um weitere Erkenntnisse für die drei verbliebenen WM-Qualifikationsspiele zu gewinnen. In der Abwehr ersetzte Schalkes Heiko Westermann den Stuttgarter Serdar Tasci, Lukas Podolski (1. FC Köln) kam für Marin, und Münchens neuer Edelreservist Miroslav Klose löste Torschütze Gomez ab. Wesentlich besser wurde das Spiel aber nicht. Lediglich Ballack mit einem Kopfball an den Innenpfosten und Philipp Lahm mit einem Fernschuss über das Tor besaßen die Chance zum zweiten Tor.

Und so war es zunächst René Adler zu verdanken, dass wenigsten hinten die Null stand. Der Leverkusen Keeper, der schon in der ersten Hälfte mit einer starken Parade ein Eigentor von Arne Friedrich verhindert hatte, war gegen Katlego Mphela bravourös auf dem Posten und sammelte Pluspunkte im Kampf um die Nummer eins. „Meine eigene Leistung war sicher nicht so schlecht. Ich wollte in meinem Heimatstadion das Spiel genießen und jeden Moment aufsaugen. Ich bin nur noch froh“, sagte der Bayer-Torhüter.

Gute Chancen auf weitere Startelfeinsätze dürfte auch Özil besitzen. Der Bremer sorgte nach schönem Pass von Klose für das 2:0 (77.) und damit für etwas Genugtuung bei den Fans in der BayArena. „Ich wollte Gas geben, heute ist mir alles gelungen, ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Aber wir haben als Mannschaft sehr gut gespielt und verdient gewonnen“, so Özil.

Schon vor der Partie war der 35 Jahre alte Bernd Schneider in seiner Wahlheimat Leverkusen offiziell aus der Nationalmannschaft verabschiedet worden. „Er war nicht nur ein herausragender Fußballer, sondern auch menschlich ein Vorbild“, lobte Verbandspräsident Theo Zwanziger den in Jena geborenen Schneider.

Der 81-malige Nationalspieler, der aufgrund einer Rückenmarksverletzung im Juni seinen Rücktritt vom Profifußball bekannt geben musste, wird künftig sowohl bei Bayer Leverkusen als auch beim Deutschen Fußball-Bund in verschiedenen Bereichen hospitieren. Und vielleicht gibt er Bundestrainer Löw ja auch noch ein paar Tipps, wie am Mittwoch in Hannover Aserbaidschan zu bezwingen ist.