Vor zehn Tagen hatte Gerhard Janetzky, der Meeting-Direktor des Internationalen Stadionfestes (Istaf), bereits erklärt: „Wir werden Caster Semenya in Berlin sehen.“ Er bezog sich dabei vor allem auf das kommende Jahr. Vielleicht, so Janetzky, käme es sogar noch ganz kurz vor dem Istaf-Termin am 22. August zu einer Verpflichtung der 800-m-Weltmeisterin. Ihre Form müsse eben stimmen. Doch nun ging alles viel schneller: Am Freitag wurde die Verpflichtung der 19-jährigen Südafrikanerin gemeldet, um die es seit ihrem Erfolg im Berliner Olympiastadion im August 2009 so viel Trubel gegeben hatte.

Ein Rätselraten um ihr Geschlecht setzte damals ein. Es war davon die Rede, dass sie sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale besitzen würde. Immer mehr intime Details – wahr oder auch nicht – über den zunehmend verstörten Teenager wurden veröffentlicht. Die Sache wurde zum Politikum. Der südafrikanische Gesundheitsminister Makhenkesi Stofile verstieg sich sogar zur Aussage, es drohe ein „dritter Weltkrieg“.

Erst am 6. Juli gestattete der Weltverband IAAF ihr die Rückkehr – als Frau. Grundlage für die Entscheidung waren mehrere medizinische Gutachten. Zum Prozedere der Untersuchungen und zu genauen Ergebnissen schwieg der Verband. Ein Geheimnis blieb auch, warum die Bestimmung des Geschlechts bei Semenya so lange gedauert hat.

„Der Start in Berlin war Caster eine Herzensangelegenheit. Sie will nach ihrer elfmonatigen Sperre unbedingt in Berlin laufen, wo sie ihren bisher größten Erfolg hatte“, sagt ihr finnischer Manager Jukka Härkönen und kündigt an: „Im Olympiastadion will sie dann wieder Zeiten unter zwei Minuten laufen.“

Dass Semenya sportlich konkurrenzfähig sein müsste, galt Janetzky als wichtigstes Kriterium für eine Verpflichtung. „Wir tun ihr keinen Gefallen, wenn wir sie verheizen in einem Rennen, in dem die anderen sieben schneller sind“, hatte er im Interview mit Morgenpost Online erklärt, noch bevor Semenya am 15. Juli im finnischen Lappeenranta ihr Comeback gab. Inzwischen ist er sich sicher: „Sie hat sich schon kontinuierlich gesteigert, und wir glauben, dass sie noch stärker wird.“

Janetzky hat aus der Ferne natürlich genau beobachtet, was Semenya bisher geleistet hat: Im kleinen „Kimpinen-Stadion“ waren gut 4000 Zuschauer Zeuge, wie sie in 2:04,22 Sekunden gewann. „Ich bin erleichtert und zufrieden nach all dem, was ich durchgemacht habe“, erklärte sie. Drei Tage lief sie wieder in Finnland, siegte in Lapinlahti in 2:02,41 Sekunden.

Den WM-Titel gewann sie einst in 1:55,45 Sekunden. „Ich muss jetzt sehen, dass ich gute Rennen bestreite, um an meine früheren Leistungen anknüpfen zu können. Am besten beim Istaf, ich freue mich schon auf das tolle Stadion und das Berliner Publikum.“ Im Moment bereitet sich Caster Semenya in Südafrika auf ihre weiteren Starts vor. Wichtigstes Saisonziel ist die Teilnahme an den Commonwealthspielen im Oktober in Neu Delhi.