Nach dem in der Heimat euphorisch gefeierten WM-Paukenschlag gestattete Joachim Löw seinen „England- Helden“ nur eine kurze Feier. Schon nach dem Rückflug vom Achtelfinal-Ort Bloemfontein nach Pretoria ließ der Bundestrainer den Blick schon einmal auf die kommende schwere Aufgabe schweifen, die Argentinien heißt. Nach der Landung erfuhren die Spieler um den neuen „deutschen Müller“ vom Viertelfinal-Gegner, der ihnen am Samstag in Kapstadt gegenüberstehen wird.
„Argentinien ist eine Weltklassemannschaft. Erst England, jetzt Argentinien – wir haben ein hartes Programm“, erklärte Abwehrspieler Arne Friedrich, der auch gegen die Engländer seine starke WM-Form unterstrichen hatte. Vor allem in der kritischen Phase nach dem Anschluss und dem nicht gegebenen „Wembley-Tor“ der Engländer hatte das junge Team schon gegen die „Three Lions“ Kämpfer-Qualitäten bewiesen. Löw räumte zum Latten-Abpraller von Frank Lampard aber auch klar ein: „Ich habe im Fernsehen gesehen, dass der Ball hinter der Linie war. Das hätte man als Tor pfeifen müssen.“
„Es ist ein Gesamtbild, das wir hier abgeben, und ein Gesamterfolg. Und Jogi gibt die Richtung vor“, nannte Teammanager Oliver Bierhoff einen Hauptgrund für das große WM-Ausrufezeichen, das Löws „Boy Group“ gegen die am Ende zahnlosen „Three Lions“ gesetzt hatte. In der Defensive konzentrierter als in der Gruppenphase, offensiv mit großen Möglichkeiten – „die Mannschaft hat aus dem Ghana-Spiel gelernt. Nach vorne hat sie gegen die Engländer fast jede Möglichkeit genutzt“, erklärte der DFB-Chefcoach.
Die Spieler waren bei ihrer Rückkehr im Mannschafts-Hotel Velmore Grande vom Personal begeistert empfangen worden. Feuertonnen als Symbol des Glücks und riesige Bildschirme im Freien, auf denen die Tore von Thomas Müller (67., 70.), Lukas Podolski (32.) und Miroslav Klose (20.) immer und immer wieder gezeigt wurden, waren am Hoteleingang aufgebaut worden. Die Spieler genossen aber nur kurz bei Schnitzeln, einigen Gläsern Wein oder Bier ihren Triumph, ehe sie gegen Mitternacht todmüde ins Bett fielen, wie Kapitän Philipp Lahm sagte: „Wir wissen, dass mit dieser Mannschaft sehr viel möglich ist. Wir können Stiche nach vorne setzen.“
Doch Lahm wies bei allem Jubel und aller Begeisterung über die Generation der Özil, Müller und Khedira auch darauf hin, „dass die Mannschaft noch immer in der Entwicklung ist“. Von einer Favoritenrolle auf den WM-Titel wollte Löw auch deshalb noch nichts wissen.
„Wir werden jetzt gut regenerieren, gut schlafen, gut essen – und uns dann auf den nächsten Gegner vorbereiten“, fasste Lukas Podolski das Sofortprogramm nach der Viertelfinal-Qualifikation zusammen. Nach Nach einer leichten Trainingseinheit am Montagvormittag und einigen Regenerations-Maßnahmen am frühen Nachmittag hatten Philipp Lahm und Co. von 16.00 Uhr bis Dienstagabend um 23.00 Ausgang. Der Bundestrainer belohnte das Team damit für den grandiosen Sieg gegen England.
„Die Gegner werden nicht einfacher“, warnte derweil der Mann mit dem legendären deutschen Fußballer-Namen Müller. Gerd Müller hält als „Bomber der Nation“ mit 68 Treffern in 62 Länderspielen noch immer mit Abstand den DFB-Tore-Rekord. Der neue Müller sieht nach den kräfteraubenden 90 Minuten gegen England in der nun längeren Pause einen Vorteil: „Wir können jetzt fünf Tage regenerieren und uns super auf Argentinien vorbereiten.“
Schon jetzt hat es Bundestrainer Löw geschafft, aus einer Mischung aus turnierunerfahrenen und schon gestählten Spielern eine Einheit zu formen, der die Sympathien der Nation förmlich zufliegen. „Taktisch hervorragend, aggressiv, schnell nach vorn“, fasste Löw die deutschen Vorteile gegen England zusammen. „Ich spüre bei den Spielern die Überzeugung und den Mut.“
dpa/gm




































