Jungs, die ihr da unten in Südafrika seid: Es ist wundervoll, was ihr für Deutschland derzeit vollbringt! Mit eurem beeindruckenden Spiel gegen England habt ihr nun garantiert auch die letzten Zweifler in den Bann gezogen.
Für mich hat es den Anschein, als glaubt jeder an den Titel. Das ist gut, denn nur durch außergewöhnliche Gedanken und Gefühle können außergewöhnliche Ergebnisse, Taten und Ziele erreicht werden.
Leute, freut euch über diese Mannschaft, träumt und feiert! Genießen wir diese Momente, die uns diese junge, aufstrebende Mannschaft beschert! Es sind Gefühle von Glückseligkeit. Es ist die Leichtigkeit des Seins, die dieses Team verkörpert. 23 Mann sind auf eine Reise gegangen, vor der sie niemand groß auf dem Zettel hatte. Sie aber beweisen uns nun, was für den möglich ist, der ?hart arbeitet und an sich glaubt.
In diesem Spiel hat Deutschland der Welt demonstriert, dass wir unseren Spielstil von Kampf auf Technik, Taktik und sehenswertes Kombinationsspiel umgestellt haben. Das Gute: Dabei ist die deutsche Grundtugend, der absolute Siegeswille, erhalten geblieben.
Die deutschen Nationalspieler, das wird bei dieser Weltmeisterschaft immer deutlicher, harmonieren gut. Sie verstehen es, auf dem Platz den Spielrhythmus zu bestimmen. Selbst in den wenigen guten und druckvollen Phasen der Engländer haben sich die deutschen Spieler nicht aus dem Konzept bringen lassen. Das deutsche Team demonstriert in eindrucksvoller Art und Weise, dass sich Individualität und Teamwork ideal ergänzen können. Natürlich braucht es auf dem Platz einen Spieler wie Mesut Özil, der aus dem Nichts heraus mal diesen einen genialen Pass schlägt. Aber ein Özil, das weiß auch er selbst, funktioniert nur gut, wenn er die Abnehmer für seine Ideen hat und die Unterstützung erhält.
In den entscheiden Situationen des Spiels war am Sonntag das größere Durchsetzungsvermögen bei den deutschen Spieler ganz klar zu erkennen. England hatte dem vor allen in der Anfangsphase des Spiels nichts entgegenzusetzen. Das nicht gegebene 2:2 ist aus Sicht der Engländer sicherlich bitter. Doch mögen sie es noch so oft in der Diskussion über Sieg oder Niederlage ansprechen: Über ihre derart schwache Leistung täuscht es nun mal nicht hinweg.
Der aberkannte Treffer war für mich ohnehin nicht die entscheidende Szene. Wir hätten auch so gewonnen. Entscheidend war, dass die Deutschen nicht nachgelassen und die Engländer zu Beginn der zweiten Hälfte in ihrer kurzen Druckphase die Balance verloren haben. Das hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw eiskalt ausgenutzt. Sie hat den Gegner klug und brillant ausgekontert.
Ich wüsste nicht, warum wir jetzt noch darüber diskutieren sollten, ob Joachim Löw nach der WM bleiben soll oder nicht. Er muss! Es ist sein Team, das ihm bedingungslos folgt. Joachim Löw hat es geschafft, die Ausfälle optimal zu kompensieren. Er hat Männer, die wenig Spielpraxis oder keine gute Saison hatten, zu ihrer alten Stärke und Qualität geführt. Joachim Löw hat nie geklagt, sondern immer konstrukt?v im Sinne des Mannschaftserfolges gehandelt. Es war für mich als Kollege beeindruckend zu sehen, wie gut er das Team auf das Duell mit England vorbereitet hatte.
Seit Sonntagabend wird er bereits dabei sein, dies auch mit Blick auf Argentinien zu tun. Im März haben wir uns freundschaftlich mit den Südamerikanern duelliert und bekamen von ihnen aufgezeigt, wo es bei uns noch hapert. Doch seither ist Zeit vergangen, so dass ich glaube, dass Deutschland am Samstag durchaus eine Siegchance hat. Aber es wird nicht leicht, denn in Milito, Messi, Tevez, Higuain und Palermo kommt Argentinien mit dem Besten, was es derzeit weltweit vorn in der Offensive gibt.
Es wird aus unserer Sicht zwar wichtig sein, ein gutes Abwehrverhalten zu haben. Dennoch sollten wir wieder versuchen, zu agieren und das Spiel zu kontrollieren. Denn wer bei der WM genau hingeschaut hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Argentinien hinten anfällig und selten gut sortiert ist.




