Diesmal war alles ein paar Nummern kleiner. So war es jedenfalls geplant. Beim ersten Sieg von Britta Steffen über die 100 Meter Freistil wurde am Donnerstag im Freibad in Britz die Nacht zum Tag. Hunderte Freunde, Fans und Vereinskollegen versammelten sich zum Public-Viewing und verwandelten das Freibad in ein Tollhaus. "Das war einmalig", sagt Steffens Freund Oliver Wenzel, "es waren die 100 Meter, es war die Königsdisziplin. So etwas lässt sich nicht wiederholen".
So dachte Wenzel. Er wollte den Auftritt seiner Freundin über die 50 Meter deswegen ganz gemütlich bei sich zu Hause verfolgen. Sein Cousin kam zu Besuch, beide kochten und richteten sich auf eine lange Nacht vor dem Fernseher ein. Bis das Telefon klingelte und Wenzel von einem Vereinskollegen des SG Neukölln informiert wurde, dass nun doch eine neuerliche "Peking Night" im Freibad durchgeführt wird. Wenn auch diesmal auf Feuerwerk und alle möglichen Show-Einlagen verzichtet wurde. "80 Leute waren wir aber bestimmt", sagt Wenzel. Beim zweiten Sieg war die Begeisterung immer noch gewaltig, aber doch gebremst. "Es ist nicht so, dass ihre Erfolge schon Routine sind", sagt Wenzel, "aber das erste Mal lässt sich einfach nicht mehr steigern".
"Auf 85 Quadratmetern ist Platz genug für zwei"
Seit vier Jahren ist er mit Steffen liiert, vier Jahre lang verfolgte er wie sie den Traum von den Olympischen Spielen. Doch während seine bessere Hälfte in Peking zum Goldfisch wurde, scheiterte Wenzel im April in der nationalen Qualifikation
Seither konzentriert er sich auf seine Diplomarbeit, in der sich der Sportwissenschaftler mit der Optimierung des Sichtungssystems im Schwimmsport befasst.
Nach der Rückkehr seiner Freundin wird sich Wenzel daneben mit der Optimierung seiner Beziehung befassen. Bisher lebt das Paar in getrennten Wohnungen, nach Peking wird Wenzel seine Wohnung mit Steffen teilen. "Bei mir ist Platz genug für uns beide", sagt Wenzel, obwohl sich das Paar angesichts des auch materiellen Wertes der Olympiasiege wohl problemlos eine geräumigere Bleibe suchen könnte, als seine 85 Quadratmeter.
Doch Geld und Luxus sind für Steffen nur Nebenprodukte ihres Sports. "Sie schwimmt des Schwimmens wegen", sagt Wenzel. "Sie ist in einem guten Elternhaus bodenständig erzogen worden, ich glaube nicht, dass sie sich ändern wird, nur weil sie ein paar Euro mehr auf dem Konto hat."
Jetzt heißt es erstmal entspannen, Urlaub machen – und heiraten?
Überhaupt glaubt Wenzel nicht, dass sich das Leben seiner Freundin nun radikal ändern wird. Auch einen Rücktritt vom Schwimmen hält er für unwahrscheinlich. "Ich denke, dass sie weiter schwimmen wird", sagt er, "es kann nur sein, dass sich die Prioritäten ein wenig verschieben werden und sie für eine Weile mehr Zeit in ihr Studium investieren wird. Sie hat jetzt vier Jahre lang alles dem Schwimmen untergeordnet, jetzt wird sie abschalten, die vier Jahre Revue passieren lassen und einfach mal runterkommen".
Und mehr Zeit in die Beziehung investieren. Nach Olympia geht es für beide nach Mexiko. Eine Mischung aus Entspannung am Strand und dem Erkunden von Land und Leuten soll zum idealen Urlaub werden. Nicht ausgeschlossen ist, dass mit ihm dann doch eine wesentliche Änderung im Leben von Steffen einhergeht. "Geplant ist das nicht", sagt Wenzel und meint damit einen Heiratsantrag, "aber wenn, dann mache ich so etwas sowieso spontan".




