Ausgekontert, ausgetanzt - ausgeträumt: Nach der höchsten Pleite bei Olympischen Spielen müssen die deutschen Weltmeisterinnen ihre Hoffnungen auf die erste Goldmedaille für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) begraben. „Wir haben uns auskontern lassen, das war Blödheit. Es ist so bitter, jetzt keine Chance mehr auf Gold zu haben“, sagte Kapitän Birgit Prinz mit tränenerstickter Stimme nach dem 1:4 (1:1) im Halbfinale gegen Brasilien.

Prinz und ihre Mitspielerinnen lagen noch eine halbe Stunde nach der höchsten deutschen Länderspielpleite seit dem 1:4 am 19. Juli 2000 gegen Norwegen weinend auf dem Rasen. Trost fanden sie bei DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Seid ruhig traurig, ihr habt zu Recht verloren. Aber Kopf hoch: Im nächsten Spiel könnt ihr die Bronzemedaille holen“, sagte Zwanziger.


Zum dritten Mal in Folge ist die DFB-Elf in der olympischen Vorschlussrunde gescheitert, 2000 und 2004 versöhnte sich das Team mit Platz drei. Am Donnerstag ist Japan (2:4 gegen die USA) der Gegner, währen die Brasilianerinnen im Endspiel auf den zweimaligen Olympiasieger USA treffen. Fraglich bleibt, wie Trainerin Silvia Neid die Mannschaft nach der höchsten Niederlage bei einem Turnier seit 17 Jahren (0:4 bei der EM gegen Schweden), wieder aufbauen will. Zu deftig fiel nach gutem Start die Klatsche gegen Brasilien aus.

Zehnter Olympia-Treffer für Birgit Prinz


Prinz hatte Deutschland nach zehn Minuten mit ihrem zehnten Olympia-Treffer in Führung gebracht. Formiga glich kurz vor der Pause aus (43.) und gab so das Startsignal für die brasilianische Offensive. Cristiane (49./76.) und die Weltfußballerin Marta (53.) erledigten den Rest - freundlich unterstützt von deutschen Fehlern.

„Das war kein Zusammenbruch. Wir sind nur in Konter gelaufen“, versuchte Neid das Unfassbare zu erklären. Kritische Fragen nach der Abwehrleistung wischte sie barsch als „absurd“ weg. „Das 1:1 war ein Schlag für die Psyche, danach fiel es uns schwer, wieder aufzustehen“, sagte sie, und verstieg sich zu der Aussage: „Ich finde nicht, dass Brasilien eine tolle Leistung geboten hat.“

Am Ende vorgeführt

Tatsächlich hat die Selecao Feminina die deutsche Elf gegen Ende der Partie vorgeführt. Nach 972 Minuten ohne Gegentor riss dabei auch die Superserie von Torfrau Nadine Angerer, die erstmals bei einem großen Turnier bezwungen wurde.

Bei der WM 2007 hatte sie Brasiliens Stürmerinnen noch ebenso in den Wahnsinn getrieben wie beim 0:0 in der Vorrunde. Nun wurde sie von ihren Vorderleuten zum Teil im Stich gelassen. „Gegen Marta und Cristiane mit nur zwei, drei Spielerinnen zu verteidigen, ist sehr schwierig“, sagte sie.

26.976 Zuschauer im Shanghai-Stadion hatten jedoch auch einen guten Beginn der deutschen Elf gesehen. Nach dem Führungstor durch Prinz hatten Melanie Behringer und Anja Mittag das 2:0 auf dem Fuß. Das erlösende Tor fiel nicht, stattdessen „haben wir uns die Dinger selbst reingemacht“, wie Renate Lingor es treffend formulierte.

Am Ende mussten die deutschen Spielerinnen zusehen, wie der Gegner sie demütigte. Hier ein Haken, da ein Trick - Marta und Co. fingen an zu zaubern. Das setzte sich nach dem Spiel fort. Während Prinz in den Stadionkatakomben um Fassung rang, sangen und tanzten ihre Kontrahentinnen durch den Spielergang. Irgendwann hatte sich aber auch Prinz gefangen. „Wir wissen aus Erfahrung, dass Bronze auch Spaß macht“, sagte sie dann.

sid/jr