Morgenpost Online: Herr Kornett, es heißt, der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) habe die Analyse des WM-Debakels beendet. Was glauben Sie, ist dabei herausgekommen?

Detlef Kornett: In letzter Zeit herrschte beim DEB diesbezüglich hektische Betriebsamkeit. Doch ich glaube nicht, dass eine Analyse in diesem kleinen Kreis zu etwas führt. Der Kreis muss erweitert und objektiviert werden. Darauf haben sich die DEL-Klubs verständigt.

Morgenpost Online: Wie meinen Sie das?

Detlef Kornett: Zuletzt war die Nationalmannschaft in einer absteigenden Entwicklung begriffen. Wir als DEL stehen da ein bisschen außen vor. Bei uns gibt es die besondere Situation, dass die Nationalmannschaft vom Verband komplett gesteuert wird – ohne großartige Mitwirkung der Liga. Dessen sind wir müde.

Morgenpost Online: Was bedeutet das genau?

Detlef Kornett: Wir möchten die Zusammenarbeit auf eine neue Entwicklungsstufe heben. Das ist ein ganz normaler Schritt. Schließlich stellen wir den professionellen Rahmen dafür, dass es Nationalspieler gibt. Wir schaffen die Bedingungen, also sollte uns das auch die Legitimation geben, mitreden zu dürfen.

Morgenpost Online: Wo will die Liga im Detail mitreden?

Detlef Kornett: Bislang haben wir fast keinen Einfluss auf alles, was das Nationalteam betrifft. Deshalb haben wir ein Konzept erstellt, dem Verband werden wir dies bei einem Treffen Ende Juni vorstellen. Im Wesentlichen geht es darum, Einfluss auf die sportliche Leitung beim DEB nehmen zu können. Aber wir möchten auch bei der Vermarktung und Außendarstellung der Nationalmannschaft viel stärker eingebunden werden.

Morgenpost Online: Wo sehen Sie diesbezüglich die Defizite beim DEB?

Detlef Kornett: Der Verband hat eine ehrenamtliche Struktur, wie sie sich im deutschen Sport typischerweise findet. Sport ist eine öffentliche Aufgabe, deshalb ist es wichtig, dass es so etwas gibt. Aber man muss das eine vom anderen trennen. Um auf der höchsten Ebene erfolgreich zu arbeiten, braucht man Know how. Der DEB zeichnete sich in der Vergangenheit durch eine große personelle Kontinuität aus. Unter normalen Umständen ist das gut. Aber wenn sich der Erfolg nicht einstellt, muss man das auch mal in Frage stellen dürfen.

Morgenpost Online: Woran scheiterte eine engere Zusammenarbeit in der Vergangenheit?

Detlef Kornett: Daran, dass sich der Verband auf die Position zurückzieht, dass er allein vom Weltverband die Legitimation besitzt, die Nationalmannschaft zu unterhalten. Verbunden mit der Argumentation, dass die DEL ohne einen Kooperationsvertrag eine wilde Liga wäre. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Vertrages ist übrigens eine erhebliche Zahlung der DEL an den Verband.

Morgenpost Online: Dafür gibt es dann stets dieselben Reflexe. Spielt das Nationalteam schlecht, hat die Liga zu wenig getan für den Sport?

Detlef Kornett: Dabei reduzieren wir seit Jahren freiwillig die Ausländer in der DEL. Aber in der Regionalliga wird die Quote aufgehoben, in der Oberliga, die als dritte Liga eigentlich für die Ausbildung da sein sollte, spielen etliche alternde Profis und Ausländer. Das ist extrem kontraproduktiv zu dem, was wir tun.

Morgenpost Online: Lange Zeit kämpfte die Liga gegen ein schlechtes Image. Inzwischen wird das Nationalteam zu einem Imageproblem für das Eishockey.

Detlef Kornett: Mitte der 90er Jahre stand die Liga in keinem guten Licht da. Doch insbesondere die letzten fünf Jahre waren eine Zeit der Ruhe und der Konsolidierung. Das hat, mit wenigen Ausnahmen, gut funktioniert. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir sagen: Wir haben unser Feld gut bestellt und müssen nun auch den Rand einbeziehen. Das wird ein bisschen Staub aufwirbeln.

Morgenpost Online: Beim DEB heißt es schon, dass man sich die Hoheit über die Nationalmannschaft nicht nehmen lassen werde. Dort gibt es Verlustängste. Wie betrachten Sie das?

Detlef Kornett: Ich befürchte, dass die Diskussion in diese Richtung gelenkt werden soll. Aber die Frage ist doch: Kann man mit der bestehenden Struktur professionell erfolgreich arbeiten? Ich glaube nicht. Zumal das Umfeld im Sport zunehmend härter umkämpft ist. Der Fußball wächst stetig und der Rest muss sich um das streiten, was übrig bleibt. Für die Liga ist dies das tägliche Brot, dort um Rat zu fragen, wäre ein normaler Weg.

Morgenpost Online: Der jetzige Weg führte dagegen zu einer handfesten Krise der Nationalteams. Die unteren Jahrgänge sind abgestiegen aus der A-Gruppe.

Detlef Kornett: Umso mehr sollte man überprüfen, ob die Arbeit hier noch auf der Höhe dessen ist, was international taktisch und konzeptionell geleistet wird.

Morgenpost Online: Den DEB zu einem Umdenken zu bewegen dürfte aber schwer werden?

Detlef Kornett: Wenn sich der Verband auf seine formale Position zurückzieht und seine Berechtigung, das Nationalteam zu verwalten, nur daraus zieht, dass er da ist, wäre eine vernünftige Lösung schwierig zu finden. Ich glaube aber, dass diesbezüglich ein Umdenken im DEB-Präsidium stattfindet.

Morgenpost Online: Für die Heim-WM im nächsten Jahr dürfte es ohnehin zu spät sein, noch einen Effekt zu erzielen. Welchen Zeitrahmen peilen Sie an?

Der Vertrag zwischen Verband und Liga läuft bis nach der WM. Spätestens danach kann es nicht mehr so weitergehen wie bisher.

Morgenpost Online: Was, wenn der DEB sich gegen die Vorschläge der DEL sträubt?

Dann wird es zu einer Konfrontation kommen. Unter Umständen gibt es dann keinen neuen Kooperationsvertrag. Letztlich aber müssen DEB und DEL verinnerlichen, dass sie aufeinander angewiesen und gemeinsam am stärksten sind. Wir als DEL brauchen den Unterbau mit den ganzen Ligen und Altersklassen, um Nachwuchs zu haben. Die Vereine und Verbände im DEB brauchen uns, weil wir die professionellen Rahmenbedingungen schaffen, um Spitzensport in den Nationalmannschaften zu bieten. Wenn das konsensfähig wird, dann kann man wirklich gut zusammenarbeiten.