Celal Bingöl nimmt kein Blatt vor den Mund. "Es würde mir weh tun, wenn der Verein wieder dort landet, wo er hergekommen ist", sagt der Präsident von Türkiyemspor. Seit sechs Jahren steht der Chef einer Verpackungsfirma dem Kreuzberger Klub nun schon vor, so lange wie noch keiner vor ihm.

Doch richtig Spaß hat es diese Saison "wirklich nicht" gemacht, erklärt Bingöl. Den Regionalligisten, dem gerade so der Klassenerhalt gelang, plagen finanzielle Probleme. Ähnlich wie bei Tennis Borussia gab es nur unregelmäßig Geld. "Die Voraussetzungen sind einfach zu groß", klagt Bingöl. Eine Million Euro sind nötig, um in der Liga ein Wörtchen mitreden zu können. Die Lizenz für die kommende Saison in Liga vier hat der Klub mit Auflagen zwar erhalten - doch mit geplanten 550 000 Euro ist schon jetzt klar, wohin die Reise gehen wird.

unterklassiger Fußball ist uninteressant geworden

Wegen der Finanzkrise zogen sich viele Sponsoren zurück. Und Rücklagen aus der großen Zeit Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre hat es ohnehin nicht gegeben. In der derzeitigen Spielstätte Jahn-Sportpark verlieren sich 200 Unentwegte - "damit können wir noch nicht mal das Catering im Stadion finanzieren", klagt Bingöl. Seit die Süper-Lig über Satellit im Fernsehen zu empfangen ist, ist unterklassiger Fußball uninteressant geworden.

Früher schaute man Türkiyemspor zu und fieberte am Radio mit Galatasaray oder Fenerbahce Istanbul mit. Türkiyemspors soziales Engagement wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) sogar mit dem Integrationspreis gewürdigt. Die Heimstätte Katzbachstadion musste der Klub 2008 dennoch verlassen, sie entspricht nicht den Regionalliga-Anforderungen.

fär