Beginnen wir das Gespräch doch heute mal mit einem Kompliment. „Sie sind eine schöne Frau.“ Es entsteht eine kleine Pause, dann sagt Okka Rau artig „Dankeschön!“. Das Kompliment ist durchaus ehrlich gemeint, aber es soll, zugegeben, auch als eine Art vertrauensbildende Maßnahme dabei behilflich sein, die anfängliche Distanz zu überwinden, man kennt sich ja nicht.
Das klappt auch ganz gut, bis zu der kaum überlegten, wenig galanten Zusatzbemerkung, beim Beachvolleyball seien doch so ziemlich alle Frauen schön. Rumms, geht die Klappe, kaum, dass sie endlich auf war, wieder runter. Und die Rau sagt: „Jetzt haben Sie’s wieder kaputtgemacht.“ Das schöne Kompliment.
Ist aber doch wahr, oder hat jemand je einen Beachvolleyballer gesehen, der/die nicht einem Bikini-Katalog entsprungen schien? Zumindest im Profibereich scheint Schönheit Pflicht, was noch eine, zugegeben gefährliche Ergänzungsfrage herausfordert: „Hätte in diesem Sport denn auch ein hässlicher Mensch eine Chance auf Weltklasse?“ Jetzt lacht die Frau Rau und nickt mit dem Kopf. „Natürlich. Gibt es auch schon. Wenn Sie einigen das Hütchen und die Sonnenbrille wegnehmen, dann werden Sie sagen: Sind doch nicht alle so schön.“
Einigen können wir uns dann doch auf die Einschätzung, dass alle Profi-Beachvolleyballer, die Schönen wie die Unschönen, mit einem „braun gebrannten Klassekörper“ durch den Sand hüpfen. Das macht sie interessant auch für solche, die sich mit den Regeln nicht so auskennen. „Wir haben Sponsoren, denen ist es egal, wie wir spielen, solange wir gut aussehen.“
Rau und Pohl wollen auch sportlich gut aussehen
Von Donnerstag an müht sich Okka Rau, die mit Stephanie Pohl den Sandkasten teilt, vor dem Hamburger Rathaus darum, möglichst gut auszusehen, auch sportlich. Bei der Europameisterschaft der Beachvolleyballer geht es selbstredend um Medaillen, doch noch dringlicher um die Qualifikation zu den Olympischen Spielen, und die ist noch nicht ganz im Sack.
Die sportliche Lage ist die: Der Deutsche Volleyball-Verband schickt bei den Damen zwei Pärchen nach Peking. Gewertet werden die besten acht Ergebnisse der vergangenen zwei Jahre. Hamburg ist die vorletzte Chance, Ergebnisse zu verbessern. Die letzte ist das Weltserienturnier in Marseille, am 22. Juli stehen die Olympiafahrer fest.
Beachvolleyball schleicht wie eine Wanderdüne durch die Innenstädte
Die derzeit Besten Europas heißen Sara Goller/Laura Ludwig, die Berliner sind bereits durch und für Olympia qualifiziert. Um Platz zwei schmettern und baggern Rau/Pohl aus Hamburg und Rieke Brink-Abeler/Hella Jurich aus Münster. „Wir haben 210 Punkte Vorsprung, das sollte reichen“, sagt Okka Rau. Die Dritten müssten, um noch Zweite zu sein, in Hamburg Europameister werden und in Marseille mindestens das Halbfinale erreichen. Mit beidem ist nicht zu rechnen.
Beachvolleyball, der Name lässt es vermuten, war mal am Strand zuhause, schleicht aber längst wie eine Wanderdüne durch die Innenstädte, zum Beispiel auf den Hamburger Rathausmarkt. „Total klasse“, sagt Okka Rau, die Stimmung ist topp, das 3500-Mann-Stadion super, es gibt 20.000 Euro Prämien für den Sieger und die Hamburger harren grundsätzlich aus auch bei Wind und Wetter.
Zum Geld ist zu sagen, und wer kann das schon: „Interessiert mich nicht. Wir haben nur uns selbst zu verpflegen, nicht verheiratet, höchste Steuerklasse.“ Solange sie ihre Flüge bezahlen können, die Hotels, eine warme Mahlzeit am Tag, stimmt die Rechnung. Sie ist auf Ausgleich angelegt, nicht auf Gewinn.
Hamburg ist ein Paradies
Zu Hamburg ist zu sagen: „Ein Paradies in diesen Tagen.“ Wer dauernd die Ferne hat, weiß die Nähe zu schätzen. Fragt man Okka Rau, die dauernd durch die große, weite Welt tingelt, nach dem schönsten Platz auf Erden, sagt sie spontan: „Meine Wohnung in Kiel.“ Zu den größten Entbehrungen ihres Globetrotterlebens zählt das eigene Bett, denn „was du am wenigsten hast, willst du am meisten“.
Doch Jammern gilt nicht, auch wenn sie 150.000 Kilometer im Jahr auf Reisen ist, bei der Lufthansa schon Senatoren-Status hatte, die Familie vermisst, die Freunde. „Es ist das Superleben, nach dem es aussieht.“ Okay, die Haut leidet ein bisschen, zu viel Sonne, aber erstens ist das ein Luxusproblem, zweitens „sind wir fitter denn je und sehen doch noch aus wie Anfang dreißig.“ Sagt die Rau (31) und die Pohl (29) lächelt.
Einzig, dieser Sand, er ist einfach überall, im Bett, in der Waschmaschine, in der Wohnung, eigentlich würde es reichen, ihn bei der Arbeit unter den Füßen zu spüren. In Peking zum Beispiel, das wäre ein Traum, vielleicht eine Medaille, „wenn wir schon dahin fahren, dann nicht, um uns abschlachten zu lassen.“ Peking also, und dann in die Ferien. Nein, sagt Rau, ein Strandurlaub kommt nicht in Frage, auf gar keinen Fall. Skifahren will die schöne Frau. Wo auch immer. Schneeberge gelten auf der ganzen Welt als sandfreie Zone.



