Vor dem wichtigsten Ligaspiel der Nordrivalen stehen die Gartenzwerge. Werbeplakate für das stets brisante Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV zeigen die beiden einträchtig nebeneinander – einer im Werder-Outfit, der andere in einem Dress des HSV.

„Seid fair zueinander“, steht unter den putzigen Figuren, und diese Aufforderung soll die Fans milde stimmen, zuletzt waren Duelle dieser Teams von Krawallen überschattet worden. „Das Plakat kommt niedlich daher, weil man sich wie diese Zwerge etwas kleiner machen und nicht so wichtig nehmen sollte“, erklärt Werders Manager Klaus Allofs.

Die Brisanz in den Fanblöcken steht der sportlichen Bedeutung jedoch in nichts nach, weswegen es wieder heiß hergehen dürfte. Es geht um viel für beide Klubs, es ist ein Spiel um Millionen. Die Bremer kämpfen um Platz drei und somit die Qualifikation für die Champions League und der Rivale aus Hamburg kann mit einem Sieg in die Europa League einziehen.

Werder reicht dafür möglicherweise schon ein Unentschieden, weil sie die um vier Treffer bessere Tordifferenz gegenüber Verfolger Bayer Leverkusen aufweisen. Die Hamburger müssen dagegen auf eine Niederlage des VfB Stuttgart hoffen, denn nur dann können sie bei einem gleichzeitigen Triumph und dank der besseren Tordifferenz noch auf den sechsten Tabellenplatz springen.

Wohl auch deshalb heizen die Hamburger das Derby nicht zusätzlich an. Kein Aufruf zur Revanche für die Demütigungen in der Vorsaison, als Werder über den HSV in dramatischen Partien in die Endspiele von DFB-Pokal und Uefa-Cup einzog.

Sogar die Aussicht, mit einem Sieg den Bremern die Champions-League-Teilnahme zu vermiesen, sorgt an der Elbe nicht für Euphorie. „Worum es Werder geht, ist uns egal“, sagt Hamburgs Kapitän David Jarolim. „Wir schauen nur auf uns und wollen unsere Hausaufgaben machen.“

Für Werder würde das Erreichen der Champions League die wirtschaftliche Situation stark verbessern. Die Hanseaten könnten mit etwa 20 Millionen Euro Einnahmen planen und zudem Akteure an die Weser locken, für die Spiele in der Europa League zu unattraktiv sind. „Die Champions League würde für uns nicht nur finanziell einiges bedeuten“, betont Sportdirektor Allofs, „sondern auch dem Image des Klubs helfen“. Werder definiert sich nach wie vor als Ausbildungsverein, der talentierten Kickern unter optimalen Wettkampfbedingungen ein Sprungbrett für eine internationale Karriere bietet.

Dennoch sieht es so aus, dass einige Leistungsträger die Bremer trotz der eventuellen Teilnahme in der Champions League am Saisonende verlassen. Es verdichten sich die Anzeichen, dass neben dem portugiesischen Nationalstürmer Hugo Almeida auch Spielmacher Mesut Özil sowie Innenverteidiger Per Mertesacker den Klub zu europäischen Topvereinen verlassen wollen.

Allofs nennt zwar keine Namen und geht „zum jetzigen Stand davon aus, dass da nichts passiert, weil von keinem Spieler ein Vertrag in diesem Sommer ausläuft“. Dennoch vermutet auch der Manager, dass sich der Kader in der kommenden Spielzeit ändert.

„Die Erfahrung zeigt, dass in einer neuen Saison oft neue Gesichter in der Mannschaft zu sehen sind. Und dies bedeutet, dass dann gleichzeitig auch welche gehen.“ Die garantierte Millioneneinnahme aus der Champions League wird deswegen wichtig sein, um das neue Gesicht des Teams optimal modellieren zu können. In Gartenzwerge will Werder jedenfalls nicht investieren.