Morgenpost Online: Herr Heldt, Champions League, Uefa-Cup oder Bundesliga ohne internationale Beteiligung, für welche der drei Varianten planen Sie die neue Saison?

Horst Heldt: Wir müssen im dritten Jahr hintereinander mehrgleisig planen, weil noch nichts entschieden ist. Natürlich wäre mir lieber, ich wüsste heute schon, dass wir Zweiter werden. Dann wäre alles viel einfacher. Aber die Realität sieht anders aus.

Morgenpost Online: Ist die Champions League das neue Saisonziel?

Heldt: Natürlich wollen wir da rein, aber das wollen die anderen auch. Das wird verdammt schwer. Ein Lotteriespiel, bei dem am Ende vielleicht sogar das Torverhältnis entscheidet. Wir bleiben dabei: Wenn wir Platz fünf erreichen, können wir hochzufrieden sein. Das hat nichts mit Understatement zu tun, sondern mit der Gesamtsituation. Hinter uns stehen Mannschaften, die genauso stark sind und ebenso viel investiert haben wie wir. Wir dürfen auch nicht vergessen, wo wir herkommen. Es war ein weiter Weg dahin, wo wir uns jetzt befinden.

Morgenpost Online: Hätten Sie für möglich gehalten, dass sich der VfB so steigern kann?

Heldt: Ich habe immer an die Qualität der Mannschaft geglaubt. Jetzt zeigt sie wieder das Niveau, das sie zu spielen in der Lage ist. Die Souveränität ist zurück, die Spieler sind gierig und hungrig. Sie glauben wieder an sich.

Morgenpost Online: Was macht Teamchef Markus Babbel anders als sein Vorgänger Armin Veh?

Heldt: Ich sträube mich dagegen, Vergleiche anzustellen mit Leuten, die vorher da waren. Markus ist einfach gut angekommen bei der Mannschaft. Er hat eine vorbildliche Ausstrahlung, aber auch das Glück des Tüchtigen. Es sind viele Rädchen, die ineinander greifen. Ein großer Verdienst des ganzen Trainerteams.

Morgenpost Online: Gab es Schlüsselspiele für die Wende zum Positiven?

Heldt: Ganz wichtig war, dass wir im Europapokal in Genua gleich ein Unentschieden geholt und in der harten Gruppe bestanden haben. Seit dem ersten Bundesligaspiel des neuen Trainerteams mit dem Sieg gegen Schalke haben wir in der Bundesliga einen Lauf.

Morgenpost Online: Sehen Sie Parallelen zum Meisterjahr 2007, als der VfB mit acht Siegen in Folge überraschend den Titel gewann?

Heldt: Nein. Damals waren wir immer besser positioniert, standen meistens auf dem dritten oder vierten Tabellenplatz. Diesmal kamen wir von weit hinten und das Gebilde ist noch sehr wackelig. Wir haben noch sechs Spiele vor uns, darunter ein paar dicke Brocken. Es wird ein hartes Stück Arbeit, unseren Platz zu verteidigen. Wenn du den Atem der Verfolger spürst, wird es ganz schwierig.

Morgenpost Online: Mario Gomez erzielte drei Treffer gegen Köln.

Heldt: Er spielt eine bockstarke Saison. Köln hat er mit seinen drei Toren ganz alleine abgeschossen, ist aber auch von seinen Mitspielern klasse bedient worden. Das spricht für den Zusammenhalt der Mannschaft, aber auch für ihn. Die Mitspieler unterstützen ihn, weil er einen guten Charakter hat, ein absoluter Teamspieler ist und er auch die Mitspieler unterstützt.

Morgenpost Online: Der VfB hat elf Saisonspiele ohne Gegentor beendet – ein Verdienst von Jens Lehmann?

Heldt: Ein Verdienst von ihm und seinen Vorderleuten. Jens spielt eine Klasse-Saison. Er ist ein Führungsspieler mit großer Lebenserfahrung und kann den Jungen viel helfen. Das wäre in der Nationalelf nicht anders als bei uns.

Morgenpost Online: Können Sie die Kritik, die Lehmann mit seinen Comeback-Ambitionen als Nationaltorhüter ausgelöst hat, verstehen?

Heldt: Nein, Jens hat nichts gefordert, seine Wortwahl war ganz entscheidend. Er hat nur gesagt, wenn Bedarf besteht, stehe ich zur Verfügung. Das finde ich hochanständig. Wenn er weiter seine Leistung bringt, wird es sich der Bundestrainer überlegen, ob er ihn mit zur WM nach Südafrika nimmt.

Morgenpost Online: Befürchten Sie, dass es sich nachteilig auswirken könnte, wenn Babbel nächste Saison den Trainerschein macht und der Mannschaft deshalb die halbe Woche nicht zur Verfügung steht?

Heldt: Das wird nicht einfach, da dürfen wir uns nichts vormachen. Aber wir haben diese Lösung als machbaren Weg akzeptiert. Entscheidend wird sein, wie das Team als Ganzes funktioniert. Jeder Einzelne ist dann gefordert, mehr denn je.