Zufrieden konnte Dietmar Hopp die Dietmar-Hopp-Straße entlang fahren. Vergnügliche Stunden hatte der Milliardär im Stadion erlebt, das nun im Rückspiegel verschwand. Hopp hatte Freund Franz Beckenbauer getroffen, ihm seine neue Arena gezeigt und anschließend ein Fußballspiel gesehen, in dem seiner Mannschaft gegen Energie Cottbus ein 2:0 (1:0) gelungen war. Auch 2009 scheint bei Hopp und seiner TSG 1899 Hoffenheim alles in bester Ordnung zu sein.
Manche hatten vorausgesagt, dass es anders kommen würde, manche hatten es gehofft. Gründe dafür gab es genug: Nach einer furiosen Hinrunde, die Hoffenheim auf Platz eins abschloss, verlief die Winterpause denkbar schlecht. Der Aufsteiger verlor seine Spiele und seine Spieler. Topstürmer Vedad Ibisevic riss das Kreuzband, Carlos Eduardo wurde nach einer Tätlichkeit gesperrt, und Angreifer Chinedu Obasi plagt seit Wochen eine Muskelverletzung.
Natürlich ist ein Heimsieg gegen das ebenso destruktive wie auswärtsschwache Cottbus nicht dazu angetan, alle Zweifel zu zerstreuen. Aber das Signal aus der neuen, 60 Millionen Euro teuren Rhein-Neckar-Arena war eindeutig: Hoffenheim kann auch ohne Ibisevic Tore schießen und Spiele gewinnen. Hoffenheim kann der Favoritenbürde standhalten. Und Hoffenheim kann eine Partie auch ganz normal gewinnen. Ohne sich und die Zuschauer zu berauschen.
Das alles veranlasste Ralf Rangnick zu der Äußerung, mit diesem Nachmittag „rundum zufrieden“ zu sein. „Wenn man weiß, welche Rückschläge die Jungs in den vergangenen vier Wochen wegstecken mussten, verdienen sie ein großes Kompliment“, sagte der Trainer.
Das größte Lob erhielt jedoch ein Spieler, der die Rückschläge nur aus der Zeitung kennt. Der aus Bremen verpflichtete Boubacar Sanogo hatte nur dreimal mit dem Team trainiert, stand gegen Cottbus aber dennoch in der Startelf. Der Angreifer von der Elfenbeinküste zeigte ein starkes Spiel und erzielte das 2:0 (63.). Zuvor hatte Sturmkollege Demba Ba getroffen (28.).
„Ein Tor, drei Punkte, was will man mehr?“, fragte Sanogo glücklich. Gab jedoch zu, noch körperlichen Nachholbedarf zu haben. Das Spiel hatte den Angreifer merklich mitgenommen, in der Schlussphase schleppte er sich über den Platz, ehe er nach 87 Minuten ausgewechselt wurde. Es wundere ihn nun nicht mehr, dass Hoffenheim auf Platz eins der Tabelle stehe, sagte Sanogo: „Die geben 90 Minuten Gas.“
Ein anderer Einstand verlief weit unglücklicher. Wenn Hoffenheim in der Hinrunde ein Problem hatte, dann auf der Torwartposition. Lösen soll es der vom FC Valencia geholte Timo Hildebrand. 221 Bundesligaspiele hatte der 29-Jährige vor dem Wochenende absolviert, im 222. wurde er erstmals in seiner Karriere ausgewechselt. Hildebrand war mit Timo Rost zusammengeprallt, spielte zunächst weiter, gab dann aber nach 60 Minuten auf.
Am Tag danach erhielt Hildebrand dann gute Nachrichten. Zwar hatte er sich eine Schambeinprellung zugezogen, Brüche konnten die Ärzte aber ausschließen. „Das ist natürlich bitter für Timo. Wichtig ist aber, dass er sich keine knöcherne Verletzung zugezogen hat“, sagte Rangnick, der noch nicht weiß, ob er Hildebrand am kommenden Wochenende wieder einsetzen kann. Samstag tritt der Erste beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach an, ehe dann Bayer Leverkusen zum Spitzenspiel nach Hoffenheim kommt.
Wenn Dietmar Hopp dann wieder die Dietmar-Hopp-Straße entlang fährt, ist vielleicht auch der einzige Schönheitsfehler des ersten Heimspiels in seinem Stadion korrigiert worden. Der neue Rasen war so holprig, als hätten Kühe darauf geweidet, und Hopp gab zu: „Zum Traumfußball lädt der Platz nicht gerade ein.“ Aber es geht ja durchaus auch ohne in Hoffenheim.
SUF




