Selbst Hans Meyer sind die Argumente ausgegangen. „Sollte es zum Start nicht gut laufen, werden wir keine Ausrede haben“, sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach. Die Vorbereitung auf die Rückrunde der Bundesliga sei schließlich nahezu optimal absolviert worden und der Einkaufsbummel, auf den Meyer seinen Sportdirektor Max Eberl geschickt hatte, verlief ebenso erfolgreich.
Wenn nur die Tabelle nicht wäre. Mit elf Punkten starten die Gladbacher als Letzter beim VfB Stuttgart in die zweite Saisonhälfte, an deren Abschluss der Klassenverbleib stehen muss. Und sowohl der Verein als auch das Umfeld vertrauen darauf, dass es Meyer schon richten wird.
Rund fünf Millionen Euro – soviel wie kein anderer Bundesligist – investierte die Borussia in Meyers Wunschspieler Dante, Tomas Galasek, Paul Stalteri und Logan Bailly. „Die Mannschaft wäre hundertprozentig abgestiegen, wenn wir in der Hinrunden-Form weiter gemacht hätten“, rechtfertigt Meyer die Investitionen, die Mönchengladbach erneut als „Kaufhaus des Westens“ ins Gespräch bringen. Das hatte zuletzt Trainer Dick Advocaat im Winter 2005 geschafft. Der Niederländer verpflichtete gleich sieben Profis. Am Ende reichte es knapp zum Klassenverbleib, Advoccat musste aber vorzeitig gehen.
Dazu wird es nicht kommen bei Hans Meyer, der sich mit Manfred Stefes auch noch seinen Wunsch-Assistenten verpflichten durfte. Bei seinem ersten Engagement in Gladbach warf er vor sechs Jahren zwar nach öffentlichem Druck das Handtuch, wurde von den Anhängern aber dennoch gefeiert. Bei seiner Rückkehr ist Meyer darauf bedacht, dass sein Denkmal nicht bröckelt. Versprechungen, dass die Rettung klappt, mag er dieser Tage nicht abgeben. Stattdessen hält sich Meyer Schlupflöcher offen und verweist darauf, dass es wohl ein wenig dauern könne, bis die neu zusammengestellte Mannschaft eingespielt sei. Allein Stalteri, der beim Ex-Verein Tottenham nur Ersatz war, müsse fehlende Spielpraxis aufholen.
„Wir sind im Abstiegskampf nur noch nicht abgeschlagen, weil es unsere Konkurrenz auch nicht viel besser gemacht hat“, sagt Meyer angesichts von nur zwei Punkten Rückstand auf den 15. Platz. Sollte es schief gehen, rächen sich eben die Sünden der Vergangenheit.
Klappt es aber, hätte der Trainer alles richtig gemacht. Durch die neuen Spieler, die nach 35 Gegentoren in den ersten 17 Partien allesamt den Defensivbereich stärken sollen, erhofft sich Meyer auch mehr Akzente für den Angriff. „Ist die Defensive stabiler, wird auch für die Offensivkräfte eine bessere Basis geschaffen“, sagt Meyer. Vor allem der 36 Jahre alte Galasek, der zuletzt mit Nürnberg aus der Bundesliga abgestiegen war und von Banik Ostrau kam, soll laut Meyer aus dem defensiven Mittelfeld heraus für die richtige Balance sorgen. Ob es am Ende wirklich passt, vermag auch Meyer nicht zu sagen. In fünf Vorbereitungsspielen gelangen nur zwei Siege, weder Kampfkraft noch Spielfluss kamen auf.
Hausinterner Knatsch
Dafür gab es hausinternen Knatsch. Verteidiger Steve Gohouri wurde lustloses Training vorgeworfen. Alexander Baumjohann, der im Sommer zum FC Bayern München wechselt, musste sich von den Zuschauern am Rande eines Testspiels als „Bayern-Schwein“ beschimpfen lassen.
Mit „fifty-fifty“ berechnet Meyer die Chancen, mit seinem Klub in der Liga zu bleiben. In den ersten Rückrunden-Spielen gegen den VfB Stuttgart, Hoffenheim und Werder Bremen will er zumindest eine Basis schaffen, die alle Möglichkeiten offen hält. Ausreden hat er ja nun nicht mehr.




















