Normalerweise werfen Torhüter nach einem verpatzten Spiel ja nur ihre Handschuhe wütend von sich. Petr Cech aber genügte das an diesem Abend nicht. Er riss sich auch noch seinen berühmten Kopfschutz herunter und schmiss ihn auf den Rasen. Es war nicht zum Aushalten: Ausgerechnet er, der beste Torwart der Welt, war an der Niederlage gegen die Türkei maßgeblich beteiligt.
Es war die 87. Minute in Genf, Tschechien führte zwar 2:1, wankte aber in seinen Grundfesten. Flanke um Flanke flog in den Strafraum. Bislang hatte Cech noch jeden Ball abgefangen, doch jetzt versagte er. Anstatt den Ball zu fausten, scheiterte er bei dem Versuch, das Spielgerät zu fangen. Es fiel zu Boden, und der Türke Nihat schob zum Ausgleich ein. „Ich war mir sicher, dass kein türkischer Spieler in der Nähe war“, sagte Cech, „also habe ich mich fürs Fangen entschieden, da ich sicher war, im Notfall noch eine Chance zu haben.“ Die bekam Cech nicht, wofür er sich anschließend in der Kabine bei den Mitspielern entschuldigte.
Diese machten ihrem Torwart jedoch keinen Vorwurf. „Petr hat schon viele Spiele für uns gewonnen“, sagte David Jarolim vom Hamburger SV. Trösten dürften diese warmen Worte den Torhüter kaum, war die Niederlage doch der zweite Tiefschlag binnen weniger Wochen. Erst im Mai hatte Cech mit dem FC Chelsea das Champions-League-Finale in Moskau gegen Manchester United im Elfmeterschießen verloren. Das sei noch schlimmer für ihn gewesen: „Schließlich war das damals ein großes Finale.“
Im Gegensatz zu manchem Kollegen hat Cech (26) ja auch noch die Chance, mit der Nationalmannschaft einen Titel zu gewinnen. Er und der bei der EM verletzte Spielgestalter Tomas Rosicky (27) gelten als Stützen einer neu aufzubauenden Mannschaft. Wer diese führt, ist noch nicht geklärt – nach sechs Jahren im Amt absolvierte Trainer Karel Brückner (68) sein letztes Spiel, ein Nachfolger wurde bislang nicht berufen.
SUF




