Der amüsanteste Teil des Abends war den Medien vorbehalten. In der Mixedzone, dort wo Journalisten im Stadioninneren normalerweise mit den Spielern sprechen, hatte sich Franck Ribery samt Gattin und Schwager zu vorgerückter Stunde unter die Wartenden gemischt. Vorher war der verletzte Bayern-Star noch in die Kabine zu den Seinen gehumpelt, die nach dem 0:1 gegen Inter Mailand weit entfernt von der fröhlichen Leichtigkeit des Franzosen waren und den Ort des Geschehens mit Durchhalteparolen verließen.

Doch der Ribery-Clan hatte sowieso ein anderes Anliegen, Schwager Mahlik wollte Fotos für sein persönliches Album mit den großen Stars des italienischen Meisters. Und als dann Adriano, Luis Figo & Co. durch die Katakomben trotteten, sprach Ribery jeden an, um den Wünschen seiner Verwandten nachzukommen. Es war ein lustiges Schauspiel, die Inter-Profis stutzten, bevor sie ihn erkannten, was folgte waren ein paar Frotzeleien von Ribery, aufmunternde Worte für den Verletzten und das obligatorische Bild mit der Kamera.


Ansonsten war der laue Sommerabend in der Münchner Arena arm an Ereignissen. Die Partie gegen Inter Mailand war die offizielle Saisoneröffnung des FC Bayern, die Generalprobe für den Pokalauftakt am Sonntag beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt und die zweite Auflage des Franz-Beckenbauer-Cups. 64.000 Fans waren gekommen, am Ende überreichte Beckenbauer den überdimensional großen Pott Inter-Kapitän Javier Zanetti.


Dem Deutschen Meister blieb vor allem die Erkenntnis, dass man noch nicht einmal annähernd dort ist, wo man vorgibt hinzuwollen. Von vertikalem Offensivfußball, aggressivem und dominantem Auftreten spricht Trainer Jürgen Klinsmann seit seinem Amtsantritt Anfang Juli. Zu sehen war davon wenig. Viele Fehlpässe, kaum herausgespielte Chancen gegen ebenso müde Italiener, die fast Standfußball darboten. Es passte, dass dem Tor von Mancini (52.) ein Fehlpass Ze Robertos vorausging. „Es ist klar, dass wir ohne Luca Toni und Franck Ribery nicht die Durchschlagskraft haben, um Inters Bollwerk permanent unter Druck zu setzen“, lautete die entwaffnende Analyse von Manager Uli Hoeneß. Ribery wird noch Wochen fehlen, Toni übt nach seinem Muskelfaserriss seit Mittwoch wieder mit der Mannschaft.

Die Nachwehen der Europameisterschaft

Es sind aber nicht die einzigen personellen Sorgen. Tim Borowski und Martin Demichelis fallen für Erfurt aus. Willy Sagnol, so hofft Klinsmann, wird nach seinem Achillessehnenanriss in vier Wochen das Lauftraining aufnehmen, und der grippale Infekt von Bastian Schweinsteiger ist bis Sonntag auskuriert.

„Wir werden erst Anfang September unseren Leistungsstand erreicht haben“, sagte Klinsmann. Und bis man seine Philosophie sehen könne, „wird es Monate dauern, vielleicht auch ein, zwei Jahre.“ Dennoch werde man die ersten Hürden in Pokal und Bundesliga schaffen. „Erfurt ist nicht Inter“, befand Hoeneß, aber angesichts der vielen Verletzten und des unterschiedlichen Trainingsstands könne es „einen holprigen Start geben“.

Es sind die Nachwehen der Europameisterschaft, die den Bayern zu schaffen machen. Gegen vier ernst zu nehmende Vorbereitungsgegner haben sie geprobt, lediglich ein Sieg (4:2 gegen Urawa Red Diamonds) und drei Tore stehen zu Buche. Wie wenig Kredit die Bayern-Fans Klinsmann gewähren, wurde gegen Inter deutlich. In der Pause pfiffen sie und auch am Ende, schon in der 18. Minute sangen die Hartgesottenen eine Ode an den ehemaligen Übungsleiter: „Ottmar Hitzfeld, du bist der beste Mann.“

Nur Beckenbauer übte sich im Anschluss in Altersmilde und sah in der Niederlage ein gutes Omen. Im letzten Jahr habe man den Cup mit 0:1 gegen den FC Barcelona verloren. „Dann kam eine sehr, sehr gute Saison.“