Medienauftritten von Lukas Podolski kann man einen gewissen komödiantischen Reiz nicht absprechen. So ist er nun mal, der 23-Jährige, der in solchen Gesprächen seinen kölschen Singsang auf Hochdeutsch trimmt und dann recht munter drauf loserzählt. "Ich brauche noch einen Titel auf meiner Autogrammkarte", ließ er am Montag verlauten. Und ja, der Franz-Beckenbauer-Cup würde ihm gut zu Gesicht stehen, der fehle ihm noch.
Gegen Inter Mailand spielt der FC Bayern München am Dienstag (20.30 Uhr live im ZDF) um den Pokal, es ist das erste Saisonspiel in der heimischen Arena und die Generalprobe für den Pokalauftakt am Sonntag beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt. Und so plauderten sie an der Säbener Straße unisono zwar ganz locker über den letzten Test gegen den italienischen Meister und verteilten artig Komplimente, doch die Gedanken weilten schon bei den Aufgaben, wo Punkte und anerkannte Trophäen verteilt werden.
Podolski kämpft um seinen Stammplatz
"Inter ist ein guter Gegner, ein guter Name, aber ob wir gewinnen oder verlieren, ist nicht ganz so wichtig“, sagte Podolski: "Auf Ergebnis zu spielen ist erst wichtig am Sonntag in Erfurt." Und dann sagte er noch was, was den Klub-Oberen gefallen dürfte. Wie sehr es ihn trifft, dass sich die Bayern nächste Saison wieder um Stutt-garts Stürmer Mario Gomez bemühen wollen, wurde Podolski gefragt.
„Sollen sie doch ruhig machen“, hat er geantwortet und demonstrierte jenen Biss und Durchsetzungswillen, den sie schon so lange von ihm einfordern: "Ich werde hier um einen Stammplatz kämpfen. So, wie es letzte Saison gelaufen ist, kann es nicht weitergehen und wird es auch nicht weitergehen." Da war Podolski Stürmer Nummer drei hinter Luca Toni und Miroslav Klose, von seinen 25 Bundesliga-Einsätzen wurde er 17 Mal eingewechselt.
Gegen Inter spielt er von Anfang an
Gegen Inter Mailand wird er in der Anfangsformation stehen, schon allein weil Toni nach seinem Muskelfaserriss in der Wade erst ab Mittwoch wieder zusammen mit der Mannschaft üben wird. Für Erfurt könne es für den Italiener noch reichen, sagte Jürgen Klinsmann. Doch auch Podolski geht davon aus, "dass ich am Sonntag spiele." Sie haben ihm eingetrichtert, er solle Druck auf Stürmer Nummer eins und zwei ausüben.
Schon beim Test in Japan, dem 4:2 gegen Urawa Red Diamonds, hatte sich Podolski mit zwei Toren ins Gedächtnis gespielt. "Ich habe zugehört, was der Trainer von mir erwartet. Ob ich treffe oder nicht, darüber mache ich mir keine Gedanken." Dass Klinsmann seine Stürmer nicht nur an Toren misst, machte er am Montag deutlich. Die pure Statistik sei für ihn nur zweitrangig. "15 Tore", sagte Klinsmann, "können manchmal wichtiger sein als 30". Für ihn sei entscheidend, wie mannschaftsdienlich jemand spiele, wann er seine Tore mache und nicht allein die bloße Anzahl.
Klinsmann will ein Knallerspiel
Und dann sprach Klinsmann über die Partie gegen seinen Ex-Klub Inter Mailand. Er erwarte einen Knaller, immerhin sei Inter ein Verein mit großer Ausstrahlung. Inter war 1989 seine erste Auslandsstation. Drei Jahre hat er für den Verein gespielt. "Einmal Interista, immer Interista", sagte er. Und dass er wie alle Inter-Fans gespannt sei, was Jose Mourinho, der neue Trainer der Mailänder, vollbringen wird. "Ein sehr interessanter Mensch, ein Trainer mit Charisma und eigenem Kopf", lobte Klinsmann den Portugiesen und sprach von einer sehr guten Zusammenarbeit, als er noch Nationaltrainer war und Mourinho Chelsea unter seinen Fittichen hatte.
Von den Seinen wolle er gegen Inter sehen, "wie die Spieler individuell drauf sind und wie sie sich taktisch gegen eine gut geschulte italienische Mannschaft verhal-ten." Es ist der nächste Schritt der "mehrteiligen Vorbereitung", wie Klinsmann sie nennt. Sorgen habe er keine. Die Vorbereitung werde für den FC Bayern nur länger dauern als lediglich bis zum ersten Pflichtspiel. "Durch unsere EM-Fahrer ist diese Phase für uns erst Anfang September abgeschlossen." Pünktlich zum Start der Champions Leauge also.
Und dann sprach Klinsmann von zehn, zwölf Topklubs, die "über Jahre hinweg den Ton in der Champions League angeben" werden. Und dass sich der FC Bayern dieser elitären Gesellschaft zugehörig fühle. Die Königsklasse ist der eigentliche Gradmesser, für Bayern, für Inter und auch für Podolski. Denn auch diese Trophäe hat er noch nicht auf seiner Autogrammkarte verewigt.





