Es hatte ein bisschen was von billig produziertem TV-Vorabendprogramm, was sich in den vergangenen Wochen um Lukas Podolski (23) abspielte. Täglich wurde eine neue Episode lanciert, wie bei einer Daily Soap, ein paar Sticheleien, ein bisschen Versöhnung, alles portioniert in Häppchen.

Auch der Fall Podolski lief nach diesem Schema ab: Einem Störfeuer aus Köln folgte postwendend die Antwort aus München. Jedes Werben um den einstigen FC-Stürmer, mal vorgetragen von Köln-Trainer Christoph Daum, mal von Manager Michael Meier, beantwortete die Führungsetage des FC Bayern mit dem immer gleichen Statement: „Podolski hat einen Vertrag bis 2010, er bleibt und basta.“ So produzierte Podolski täglich Schlagzeilen, ohne zu reden. Montag nun ergriff auch er das Wort. Er werde zum Bundesligastart das Bayern-Trikot tragen, sagte Podolski artig und beendete damit alle Wechselspekulationen. „Ich hatte ein sehr positives Gespräch mit Trainer Jürgen Klinsmann. Jetzt konzentriere ich mich auf die neue Saison.“

Heimweh nach Köln?

Dass München nicht seine Traumstadt ist, hat Podolski nie geleugnet. Er ist Rheinländer, seit der D-Jugend hat er beim FC gespielt, bevor er vor zwei Jahren nach München kam. Seine Familie wohnt in Köln, seine Freunde leben dort. Er spricht von Heimat, wenn er über das Rheinland redet. Er urlaubte nach der EM dort. Seinen Sohn Louis meldete er schon kurz nach der Geburt beim FC an, häufig war von Heimweh die Rede. Als dann die Bayern auch noch um Stuttgarts Stürmer Mario Gomez warben, beklagte Podolski Mangel an Vertrauen und nährte die Spekulationen über seinen vorzeitigen Abschied.

Einig sei er sich jedoch mit keinem Verein gewesen, sagt Podolski jetzt. „Ich konnte ja auch mit keinem Verein sprechen, weil ich hier einen Vertrag habe. Wenn ein Verein etwas wollte, musste er mit dem FC Bayern sprechen, ich wurde nie gefragt."

Und überhaupt, immer werde nur vom 1. FC Köln geschrieben, das sei eine Option, „aber andere Vereine waren genauso interessiert“. Dass er sich nach einem unbefriedigendem Jahr wie dem vergangenen Gedanken mache, „ist doch wohl normal“, sagt er. 25 Bundesligaspiele hat Podolski in der vergangenen Saison absolviert. Was zunächst passabel klingt, schrumpft bei detaillierter Sicht auf ein Minimum. Allein 17-mal wurde er eingewechselt, bisweilen erst spät in der zweiten Hälfte. Er stand im Schatten von Luca Toni und Miroslav Klose. Und so formuliert er sein Ziel für die neue Saison mit „nicht auf der Bank sitzen wollen“.

Dass ihm Klinsmann keinen Stammplatz garantiere, „ist normal“. Doch zumindest versuchte jener den Unzufriedenen milde zu stimmen. Er freue sich „unbändig darauf, mit Lukas zusammenzuarbeiten“, sagte Klinsmann. „Lukas ist nach wie vor in einer Entwicklungsphase. Er weiß, dass ich viel mit ihm vorhabe.“

Dessen Neuerungen an der Säbener Straße nahm Podolski gelassen hin. „Das mit den Amerikanern kenne ich ja alles schon von der Nationalmannschaft.“ Ob er denn bei Klinsmanns Freizeitangebot nun Goethe oder Playstation bevorzuge, wurde Podolski noch gefragt. „Playstation, was denn sonst“, antwortete er. Mit Goethe könne er nichts anfangen. Mit Daily Soaps wahrscheinlich umso mehr. Dass auch seine noch keine Ende haben muss, wurde deutlich, als es um einen möglichen Wechsel ins Ausland ging. „Momentan ist das für mich kein Thema, auch nicht in den nächsten ein, zwei Jahren“, sagte er, um vieldeutig anzufügen: „Aber im Fußball ist alles möglich.“