Den Zeitpunkt der Ernennung hat er offen gelassen. Doch es ist davon auszugehen, dass Jürgen Klinsmann spätestens bis zum ersten Pflichtspiel des FC Bayern München am kommenden Sonntag im DFB-Pokal bei Rot-Weiß Erfurt bekannt gibt, wer künftig Kapitän seiner Mannschaft ist. Und damit das Erbe von Oliver Kahn antritt.
Mark van Bommel hat der Trainer zum „Kapitän der Vorbereitung“ ernannt. Es ist ein Indiz dafür, dass Klinsmann große Stücke auf den Niederländer hält. Ob er ihm das Amt aber auch für die Saison anvertraut, wird sich zeigen. Denn Kandidaten gibt es einige. Die Verteidiger Lucio und Martin Demichelis werden gehandelt, auch Nationalspieler Philipp Lahm. Der Franzose Willy Sagnol, der lange Zeit als designierter Nachfolger von Kahn galt, ist aus dem Rennen.
Während es beim Deutschen Meister also noch das große Rätselraten gibt, ist die Entscheidung bei der Konkurrenz schon gefallen. Bei allen 17 Mannschaften stehen die Kapitäne fest. Zwölf davon hatten dieses Amt bereits in der vergangenen Saison inne. In Stuttgart (Thomas Hitzlsperger), Leverkusen (Simon Rolfes), Karlsruhe (Mike Franz), Dortmund (Sebastian Kehl) und Köln (Ümit Özat) wurden dagegen neue Spielführer bestimmt.
Verlängerter Arm des Trainer
„Es ist eine Ehre, dieses Amt auszuüben. Ich freue mich darauf“, sagte der Leverkusener Rolfes, der vom neuen Trainer Bruno Labbadia als Nachfolger Carsten Ramelows (Karriereende) auserkoren wurde. Die Aufgabe des deutschen Nationalspielers wird es nun sein, nicht nur beim Einlaufen vor dem Spiel und der obligatorischen Seitenwahl eine gute Figur zu machen, sondern als Bindeglied zwischen Trainer, als dessen verlängerter Arm ein Kapitän oft bezeichnet wird, und der Mannschaft zu fungieren. Rolfes, sagte Labbadia, sei ein Spieler, der mit Leistung voran gehe und charakterlich in der Lage sei, Verantwortung zu übernehmen.
Das war Fernando Meira im vergangenen Jahr auch beim VfB Stuttgart. Doch noch bevor er sich zu Galatasaray Istanbul verabschiedete, wurde der Portugiese von Armin Veh abgesetzt. Der Trainer war genervt von den Wechselspekulationen: „Ich habe es satt, jedes Jahr darüber zu sprechen. Das Theater um Meira geht mir auf den Keks.“ Nun ist Thomas Hitzlsperger in der Verantwortung. Ein Spieler, der im November 2006 noch vor dem Absprung stand, weil ihn Veh nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr spielen ließ. Inzwischen steht er in der Gunst ganz oben und zählt zu den Leistungsträgern.
Und genau die sind es, die Trainer zu Kapitänen bestimmen. „Kapitän sein, das ist ein Drahtseilakt zwischen Mannschaft und Trainer“, hat Lothar Matthäus, lange Zeit Spielführer beim FC Bayern und in der Nationalelf, mal gesagt. „Er muss geeignet sein für den höheren diplomatischen Dienst – und auch mal ein Drecksack sein.“
Kapitän ohne Stammplatzsicherheit
Letzteres trifft zwar auf Frank Baumann nicht zu, aber in Bremen genießt er höchste Akzeptanz. Er ist loyal, integer und seit acht Jahren Kapitän. Obwohl er inzwischen seinen Stammplatz nicht mehr sicher hat. Den hat zwar Maik Franz in Karlsruhe. Doch seine Berufung zum Kapitän kann getrost als mäßigende Maßnahme verstanden werden: Franz gilt wegen seiner gnadenlosen Spielweise als größtes Raubein der Liga.
In München blicken sie der Wahl des Kapitäns jedenfalls gelassen entgegen. „Wir hatten zwar noch nie einen Ausländer, aber wir leben in einer globalisierten Welt, da spielt so etwas keine große Rolle mehr“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Das Anforderungsprofil sei klar: „Der Kapitän muss auf und außerhalb des Platzes über Qualitäten verfügen. Und wichtig ist, dass er des Deutschen einigermaßen mächtig ist.“ Mark van Bommel spricht es perfekt.




