Zum zweiten Mal war dringend eine Antwort nötig, zum zweiten Mal hat Alba Berlin sie gegeben. Das ließ den Stolz in den Augen des Teams schon vor dem Schlusspfiff leuchten, als Malte Delow die letzten Sekunden in Chemnitz dribbelnd herunterlaufen ließ, dabei klatschte und die Spieler der Niners frustriert abdrehten.

Mit großer Moral und einer vor allem am Ende sehr konzentrierten Leistung schlug der elffache Meister zurück und verhinderte das vorzeitige Aus im Halbfinale der Basketball-Bundesliga (BBL). Mit einem 96:85 (43:51) glichen die Berliner die „Best of five“-Serie zum 2:2 aus und haben nun im entscheidenden fünften Spiel am Donnerstag in Berlin die Chance, in das Finale einzuziehen (18.30 Uhr, Uber Arena). „Wir haben immer an uns geglaubt“, sagte Spielmacher Marin Hermannsson.

Alba-Gegner muss ohne Top-Spieler Yebo auskommen

Der Druck auf die Berliner war enorm vor dieser Partie, dazu musste man nicht erst die Worte von Klubchef Marco Baldi hören. Der Stress der ganzen Saison in der Euroleague, die vielen Ausfälle, die angeschlagenen Spieler – all das würde nicht zählen an diesem Tag. Sein Team müsse alle Energie aktivieren, die noch irgendwo vorhanden sei, um sich gegen diesen unangenehmen Kontrahenten durchzusetzen.

In die Karten spielte Alba immerhin, dass der Top-Spieler der Niners, Kevin Yebo, für die Partie gesperrt worden war. Er hatte in Spiel drei unsportlich nachgetreten gegen Tim Schneider. Dies jedoch bereits im ersten Viertel, die Chemnitzer setzen sich dennoch durch. Nichtsdestotrotz fehlte Yebo in diesem wichtigen Duell.

Alba tut sich lange schwer mit der Defensive

Das begann für Alba nicht nach Wunsch, ein paar Ballverluste, dazu schlechte Anspiele – und schon musste das Team von Trainer Israel Gonzalez einem Rückstand hinterherlaufen. Die ersten Minuten offenbarten einige Schwierigkeiten damit, die beweglichen Sachsen in der Defensive nicht in die Zone kommen zu lassen. „Wir sind aber ruhig geblieben, wir waren diesmal besser vorbereitet“, sagte Hermannsson.

Wir sind ruhig geblieben, wir waren diesmal besser vorbereitet.
Martin Hermannsson - Point Guard von Alba Berlin

Vor allem Sterling Brown (25 Punkte) brachte die Berliner mit variantenreichem Angriffsspiel wieder heran. Zwischenzeitlich wechselte die Führung hin und her, doch im zweiten Viertel verlor Alba wieder ein wenig den Anschluss. Das lag hauptsächlich daran, dass die Berliner unter dem Druck der harten Verteidigung der Niners immer wieder Fehler machten.

Gerade Routinier Hermannsson tat sich schwer mit dem gegnerischen Spiel, hatte Mühe, die Bälle zu verteilen. Das war auch schon vorher zu beobachten, weshalb der Coach Delow, der auf dieser Position nur Aushilfe ist, in die Startformation geschickt hatte. Auch ihm unterliefen Patzer, doch er wirkte entschlossener.

Alba-Spielmacher Hermannsson mit starker Schlussphase

Mehr Mut, sich in der zweiten Hälfe konsequenter auf das aggressive Spiel der Niners einzulassen, forderte Albas Co-Trainer Thomas Päch in der Pause: „Wir müssen sie aus der Zone raushalten.“ Doch die Chemnitzer diktierten zunächst weiter das Tempo, zogen unmittelbar nach Wiederbeginn auf zehn Punkte weg (43:53/22.), dann sogar auf zwölf Zähler (52:64/27.). Alba näherte sich dem Saisonende.

Mit starken Nerven und einem Hermannsson (19 Punkte), der sich mehr zutraute und nun auch traf, kamen die Berliner allerdings furios zurück. Sie reduzierten die Ballverluste, deckten in der Defensive den Korb mit Khalifa Koumadje immer besser ab, was Chemnitz vor arge Probleme stellte. Und mit schnellen Vorstößen schafften sie sich ein sicheres Polster, das sie schließlich in das entscheidende Spiel führte.