Es war noch einige Zeit zu spielen, da standen auf den Tribünen alle schon. Nicht, weil es eng war für Alba Berlin und man es im Sitzen einfach nicht mehr aushielt. Sondern, weil das Team das Publikum einfach mitriss. Eine leidenschaftliche Vorstellung lieferte die Mannschaft im zweiten Duell mit den Niners Chemnitz ab und setzte sich mit 86:64 (48:40) durch. „Viel Energie, gut verteidigt, unser Spiel gespielt“, fasste Louis Olinde die Partie zusammen.

Der Small Forward war mit 13 Punkten die treibende Kraft bei den Berlinern, die sich damit für die Auftaktniederlage vom Dienstag revanchiert haben und die „Best of five“-Serie im Halbfinale der Basketball-Bundesliga (BBL) zum 1:1 ausglichen. Das Heimrecht wechselt nun für zwei Partien nach Chemnitz, wo zunächst am Sonntag das dritte Spiel stattfindet (17 Uhr, Dyn).

Alba setzt gleich zu Beginn deutliche Zeichen

Es war durchaus beeindruckend, wie die Mannschaft von Trainer Israel Gonzalez mit der Herausforderung gegen die Sachsen umgegangen ist. Im ersten Duell (82:95) hatte sie schließlich eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten gezeigt und musste nun eine Reaktion generieren. Wobei klar war, dass viel darauf ankommen würde, wie die Berliner der Intensität, dem körperlichen Spiel der Niners begegnen.

Sehr couragiert taten sie dies, sehr zielstrebig, sehr konzentriert und bissig. Mit vier Dreiern zum Start setzte Alba gleich ein Zeichen, das den Gästen wohl einen Schrecken einjagte. Die in der ersten Partie so souveränen Sachsen warfen Bälle ins Aus, verfehlten den Korb, konnten ihre Gegenspieler nicht stellen und flüchteten sich in Fouls. Der Vorsprung der Berliner wurde schnell zweistellig.

Berliner lassen sich nicht vom Weg abbringen

Alle Kategorien, die jüngst noch klar gegen das Team von Gonzalez gesprochen hatten, verkehrte die Mannschaft nun ins Gegenteil. Hellwach bei den Rebounds präsentierte sich Alba, traf von außen, kam gut in die Zone, dämmte den Spielfluss des Gegners mit einer beweglichen Defensive ein und verteilte die Bälle vorn gut. Dort lag die Last diesmal nicht nur auf zwei Spielern, sondern alle fanden ihren Wurf.

Allerdings erholte sich der Gegner von dem frühen Schock, mehr als bis auf 13 Zähler (46:33/18.) kamen die Berliner nicht davon in der ersten Hälfte. In der gab Alba das zweite Viertel sogar mit 21:23 ab, doch das Team verlor diesmal nicht die Kontrolle über das Spiel oder die eigenen Nerven. Wobei es sicher half, dass die Schiedsrichter sehr konsequent begannen und Chemnitz nicht ganz so viele Freiheiten in den Aktionen genoss. Obwohl die Linie später deutlich verloren ging.

Sonntag muss Alba nun in Chemnitz antreten

Gefährlich blieben die Niners dennoch, hatten nach einigen Fehlversuchen der Berliner auch die Chance, etwas näherzukommen. Doch mit einer sehr zupackenden Defensive vor allem unter dem Korb und überaus energischen Offensivaktionen verhinderte Alba das. Unterstützt von einem Publikum in der Schmeling-Halle, in der 9000 Besucher waren, das das Team aufpeitschte. So sehr, dass manch einer den Ball hin und wieder spektakulärer in den Korb stopfte als vielleicht nötig. So wie Justin Bean beim 61:45 (27.) mit seinem Dunk.

Es durfte auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Berliner, deren Coach am Spielfeldrand in der zweiten Hälfte tobte, sich diesmal nicht von ihrem Weg abbringen lassen würden. Weder von der Härte des Gegners noch von den Unparteiischen, die nun viel laufen ließen. Alba gelang es dennoch, den Vorsprung auszubauen und letztlich ein großes Polster ins Ziel zu bringen. Das Halbfinale ist damit wieder offen, doch die nächsten beiden Spiele in Chemnitz werden enorm fordernd für Alba. „Wir müssen genauso spielen, wieder viel Energie reinbringen, die Rebounds kontrollieren, dann haben wir gute Chancen“, so Olinde.