Basketball

Klein und schnell – Wie Hagen Alba ärgern will

Trainer Ingo Freyer hat Albas Gegner Phoenix Hagen einen besonderen Spielstil verordnet. Den Berlinern fehlen am Sonntag vier Spieler.

Dragan Milosavljevic war im Hinspiel in Hagen von den Phoenix-Spielern kaum am Wurf zu hindern. Alba gewann mit 86:83

Dragan Milosavljevic war im Hinspiel in Hagen von den Phoenix-Spielern kaum am Wurf zu hindern. Alba gewann mit 86:83

Foto: Digitalfoto Matthias / picture alliance / DFM

Berlin.  Die einzige Konstante im Arbeitsleben von Sasa Obradovic bleibt der Wandel. Gegen Phoenix Hagen wird er am Ostersonntag (17 Uhr, Mercedes-Benz Arena) wieder ein anderes Team auf das Parkett der Arena am Ostbahnhof schicken. Jonas Wohlfarth-Bottermann verletzte sich vor einer Woche gegen Oldenburg am Knie und fällt bis auf Weiteres aus.

Nicht, dass sich an der Personalie des 26-jährigen Centers zwangsläufig Sieg oder Niederlage festmachen ließen, aber „JoWoBo“ stand zuletzt oft in der Startformation, weil er, wie Obradovic erklärt, „dem Team etwas brachte, was es brauchte“, nämlich Energie und physische Präsenz unter den Körben, egal, wie staksig seine Aktionen auch manchmal aussahen.

Jetzt muss es ohne ihn weitergehen, wieder Umbau-Arbeiten also, wieder eine andere Rotation, wie schon nach den Ausfällen von Niels Giffey, Robert Lowery und Ismet Akpinar. Bis zum Play-off-Start Anfang Mai ein homogenes Team zu formen und trotzdem Resultate zu liefern, bleibt Obradovics schwierige Mission. Allen Widerständen zum Trotz.

Was gegen die Hagener schwerer werden könnte, als der elfte Tabellenplatz, auf dem sie liegen, vermuten lässt. Phoenix, klein und schnell, ist ein Team, das nicht lange fackelt, den ersten halbwegs freien Wurf aus der Distanz sucht und im Schnitt mehr Punkte erzielt (84,08) als Alba (82,15). Wenn die Hagener treffen, kann es schnell heikel werden.

Alba muss das Spiel unter die Körbe verlagern

Können die Berliner mit ihren Langen, Elmedin Kikanovic, Kresimir Loncar und Brandon Ashley, den Gästen das Spiel in Korbnähe aufzwingen, wo sie 52 Prozent ihrer Würfe treffen und Phoenix nur 46, sollte es ein erfolgreicher Nachmittag werden. Wie beim Hinspiel zwei Tage vor Heiligabend, als Alba in Hagen 86:83 gewann.

Architekt des wuseligen Basketballstils des ewigen Außenseiters Hagen ist ein alter Bekannter: Ingo Freyer, der im Jahr 1995 an der Seite von Obradovic mit Alba den Korac-Cup gegen Stefanel Mailand gewann.

„Meine Mannschaft ist von vornherein so aufgestellt, dass wir aus der Distanz treffen müssen“, sagt der heute 45-jährige Alba-Spieler der ersten Stunde, der Hagen mittlerweile seit 2007 trainiert und damit aktuell der dienstälteste Coach aller Bundesliga-Teams ist. Phoenix habe einfach nicht das Geld für „Spieler, die erfahren sind, unter dem Korb mit ihrer Athletik dominieren und auch von außen treffen können“, wie Alba sie habe.

Seine Mannschaft habe natürlich Schwächen, erklärt Freyer, „aber auch Stärken, und wenn die bei jedem einzelnen greifen und alles zusammenkommt, können wir so ein Spiel wie in Berlin auch gewinnen.“

Obradovic und Freyer gewannen 1995 gemeinsam den Korac-Cup

Wirklich sentimental wird Freyer nicht, wenn er an die Stätte seines größten sportlichen Erfolges als Spieler zurückkehrt. „Die Zeit in Berlin hat mich schon geprägt. Es war das erste Mal, dass ich von zu Hause weg war“, erzählt Hagens Coach, der mit 20 Jahren nach Berlin gekommen war und den sein Geburtsort Wedel (bei Hamburg) heute stolz als einen der „Söhne der Stadt“ aufführt.

Die jugoslawische Basketballschule, die er bei Alba zuerst unter Trainer Faruk Kulenovic und dann unter Meistercoach Svetislav Pesic kennenlernte, habe ihn natürlich beeinflusst, und viele seiner ehemaligen Mitspieler wie Henrik Rödl oder Stephan Baeck seien ja immer noch dem Basketball verbunden. „Da sagt man schon mal: Weißt du noch, damals in Berlin …?“

Zum Kreis der Ehemaligen gehört auch Sasa Obradovic. Zu einem kleinen Smalltalk beim Händeschütteln oder davor wird es am Ostersonntag in der Arena am Ostbahnhof allerdings nicht kommen, was Gästetrainer Freyer aber nicht persönlich nehmen sollte. „Ich rede nicht gern vor dem Spiel“, sagt Albas Coach, „egal mit wem.“ Dann nämlich steht die Mission über allem.