Sasa Obradovic war einen Moment lang etwas desorientiert. „Jetzt geht es doch gegen Bayern München oder nicht?“, fragte der Cheftrainer von Alba Berlin in die Runde. Doch am Dienstagabend stand noch gar nicht fest, gegen wen das Berliner Basketballteam nun im Eurocup-Achtelfinale (Heimspiel am 24. Februar, Auswärtsspiel am 2. März) würde antreten müssen.
Erst am Mittwochabend entschied sich: Bayern München wurde es tatsächlich. Die Spieler bevorzugten ohnehin eher München als Gegner. „Da gibt es eine ganz andere Rivalität“, meinte Spielmacher Rob Lowery. Center Mitchell Watt hatte einen interessanten Vergleich parat: „Besser der Teufel, den man kennt, als der, den man nicht kennt.“
Auf alle Fälle ist das Erreichen der Runde der besten 16 Klubs im unter der Europaliga angesiedelten Eurocup für Alba ein Erfolg. „Unser Saisonziel in Europa ist schon übererfüllt“, meinte Geschäftsführer Marco Baldi. Alles Weitere ist nun Zugabe und im Budget nicht eingerechnet. Wobei eine zusätzliche Heimpartie gegen München sicherlich mehr Fans in die Halle locken wird als ein Spiel gegen die Spanier. Das Achtelfinale soll nicht das Ende sein. „Jetzt peilen wir neue Ziele an“, erklärte Ismet Akpinar nach dem 76:62 gegen das litauische Team von Neptunas Klaipeda, das den Einzug der Berliner ins Achtelfinale sicherte.
Von den Verletzten kommt Jordan Taylor bald zurück
„Ein schöner Schritt“ sei das Weiterkommen, sagte Obradovic, „vor allem, wenn man bedenkt, welche Probleme wir haben.“ Verletzungen von Niels Giffey und Jordan Taylor, zuletzt auch noch von Dragan Milosavljevic, der gegen die Litauer allerdings wieder eingesetzt werden konnte, die Integration der Nachverpflichtung Lowery – all das hat die Statik des Berliner Spiels ins Wanken gebracht. „Spielerisch müssen wir uns wieder sehr steigern“, sagte Baldi zu Recht. Denn auch gegen Klaipeda fand Alba selten seinen Rhythmus. Von Kontinuität keine Spur. Obradovic gab ehrlich zu: „Ich habe viele Sachen gesehen, die mir überhaupt nicht gefallen haben.“ Auch unter diesem Aspekt war Baldis Aussage zum europäischen Erfolg zu verstehen: „Wir sind jetzt nicht wahnsinnig euphorisch.“
Wie kommt Alba wieder in die Spur? Als Nächster wird Jordan Taylor von der Verletztenliste aufs Feld zurückkehren. Der Spielmacher kann nach seiner Handverletzung vielleicht schon am Sonntag in der Bundesliga bei den Eisbären Bremerhaven sein Comeback geben. Baldi dämpfte die Erwartungen: „Er wird seine Zeit brauchen.“
Die Zukunft von Spielmacher Rob Lowery bleibt offen
Und da ist dann noch Lowery, der gegen Klaipeda mit 24 Punkten Albas Topscorer war. „Ich möchte sehr gerne bleiben“, hofft Lowery auf eine Weiterbeschäftigung bis Saisonende. Sein aktueller Vertrag endet am 29. Februar.
„Zum jetzigen Zeitpunkt spricht mehr dafür, dass er bleibt“, so Baldi. Der US-Amerikaner will alles besonders gut machen. Er setze sich selbst viel zu stark unter Druck, sagte der Geschäftsführer. „Ein Spielmacher muss auch Ruhe ausstrahlen.“ In Gesprächen mit ihm habe man Lowery zu verstehen gegeben, „dass nicht entscheidend ist, ob er nun 20 Punkte macht oder nicht.“ Baldi wählte einen ziemlich martialischen Vergleich: „Er darf nicht denken, in jedem Spiel schwebe eine Guillotine über ihm.“




