Basketball

Albas neuer Rastamann hat Hunger auf mehr

Vorerst hat Robert Lowery nur einen Vertrag bis Ende Februar in Berlin. Doch der US-Amerikaner will mehr sein als eine Aushilfskraft

Für Robert Lowery (28) ist Alba Berlin der renommierteste Klub seiner bisherigen Profi-Laufbahn

Für Robert Lowery (28) ist Alba Berlin der renommierteste Klub seiner bisherigen Profi-Laufbahn

Foto: Alba Berlin / BM

Berlin.  Die Frage ist, ob er wirklich helfen kann – und wenn ja, wie schnell. Am Montag landete Robert Lowery in Berlin, am Sonnabend (18.30 Uhr) soll er im Pokal-Viertelfinale gegen die Baskets Würzburg erstmals auf dem Parkett der Mercedes-Benz Arena stehen. „Wenn ich ehrlich bin“, sagt Albas Trainer Sasa Obradovic, „weiß ich nicht, was ich von ihm erwarten kann.“ Zwei Trainingstage bleiben dem US-Amerikaner, um Albas Spielsysteme zu verinnerlichen. „Fast unmöglich“, wie Obradovic sagt.

Dankbar ist der Serbe natürlich trotzdem für seinen neuen Mann. Im Spielaufbau kann sein Team seit den Verletzungen von Jordan Taylor und Niels Giffey schließlich jede Entlastung gebrauchen. Spielmacher Will Cherry (24) fehlt es an Konstanz, seinem Ersatzmann Ismet Akpinar (20) an Erfahrung.

Dünne Beine, dickes Selbstvertrauen

„Ich will der Mannschaft helfen“, sagt Lowery, „und wenn ich mich dafür 100 Mal pro Spiel auf den Boden werfen muss, werde ich das tun.“ Eine Aussage, die in Obradovics Ohren wie Musik klingen dürfte. Fakt ist aber auch: Für ein europaweit angesehenes Team wie Alba hat Lowery in seiner Karriere noch nie gespielt. Nach seinem Karrierestart beim deutschen Zweitligisten Saar-Pfalz Braves ging der Mann mit der markanten Frisur auf kleine Europatour, spielte für sechs verschiedene Klubs in fünf verschiedenen Ländern, zuletzt für den griechischen Erstligisten Nea Kifissia.

In Berlin wartet nur die bislang größte Bühne, auf der er je stand. Für Lowery, der in diesem Jahr 29 wird, eine veritable Chance. Er möchte mehr sein als ein Lückenbüßer. Vorerst läuft sein Kontrakt nur bis Ende Februar. Erweist er sich als Verstärkung, könnte Alba ihn bis Saisonende binden. Oder darüber hinaus. „Ich bin sehr hungrig darauf, in dieses Team zu kommen“, sagt Lowery, „und ich glaube daran, dass ich es schaffe.“ Für einen Basketballer mag er vielleicht dünne Beine haben, aber dafür auch ein dickes Selbstvertrauen.

Der Guard will „anders“ sein

In Albas Trainingshalle fiel der Neue am Donnerstag auf Anhieb auf – allein schon wegen seiner langen Dreadlocks. „Ich mag es, anders zu sein“, sagt Lowery, dessen vierjährige Tochter mit ihrer Mutter in Los Angeles lebt, „und die Fans lieben den Look.“ Bei Alba wird das nicht anders sein. Der Berliner Anhang hätte sicher nichts dagegen, einen zweiten Julius Jenkins zu erleben. Der pflegte einst den selben Frisurengeschmack und wurde im Alba-Trikot zweimal zum wertvollsten Spieler der Basketball Bundesliga gewählt.

So entspannt Lowery neben dem Court auftritt, so energetisch will er das Spielfeld am Sonnabend beackern. Hart im Nehmen sei er, schnell und aggressiv. In Griechenland erzielte er zuletzt gut 16 Punkte im Schnitt, holte dazu fünf Rebounds und gab drei Assists. Eindrucksvolle Zahlen. Was sie wert sind, wird sich gegen Würzburg zeigen. „Sonnabend“, sagt Obradovic, werden wir schlauer sein.“