Alba Berlin

Alex King würde nie die Schuld auf Dennis Schröder schieben

In Frankreich starten die Halbfinals bei der Basketball-EM. In Deutschland wird über die Spielweise von Dennis Schröder diskutiert.

Alba-Kapitän und Spieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft: Alex King

Alba-Kapitän und Spieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft: Alex King

Foto: Lukas Schulze / dpa

Berlin. Bei der Basketball-Europameisterschaft steigen die Halbfinals, die deutsche Mannschaft schied aber schon vor einer Woche aus. Trotzdem scheiden sich noch immer die Geister an der Frage, ob Dennis Schröder (22, Atlanta Hawks) ein gutes Turnier spielte oder zu eigensinnig war. Alba Berlins Kapitän Alex King, 30, war dabei und schildert als erster EM-Spieler seine Sicht der Dinge.

Berliner Morgenpost: Herr King, Sie waren als Teamkollege sehr nah dran an Dennis Schröder. Ist er ein Egoist?

Alex King: Im Team ist er das genaue Gegenteil von dem, wie er von außen gesehen wird. Dennis ist ein Super-Junge, ein netter Typ und immer hilfsbereit. Er ist jung, gerade 22 Jahre alt, mit 20 in die NBA gegangen. Dennis ist seine eigene Persönlichkeit, nicht zu vergleichen mit Dirk (Nowitzki. d.Red.).

Finden Sie nicht, dass er es mit dem Eigensinn auf dem Feld übertrieben hat?

Vorwürfe kann ich ihm nicht machen. Dennis hat seine Punkte gemacht. Wenn sein Spiel falsch gewesen wäre, hätte es ihm jemand sagen müssen. Oder ein Trainer nimmt ihn aus dem Spiel. Dann spielt man einen anderen Basketball. Coach Chris Fleming hat ihm das Vertrauen gegeben, von Anfang an. Er sollte das Team führen, Dennis hat das auf seine Weise gemacht. Wenn ich 22 Jahre alt bin und Spielmacher, hätte ich es genauso gemacht, wenn mir keiner sagt: Du musst ruhig spielen, den Ball verteilen, sonst sitzt du auf der Bank. Ich meine nicht nur den Trainer, auch das ganze Team. Wir haben das nicht gemacht.

Da klingt schon durch, dass Sie sich ein anderes Spiel von ihm gewünscht hättet.

Natürlich hätten wir uns das gewünscht. Unsere Systeme gingen mehr über Dennis und Dirk. Die anderen hatten nicht so den Ball in der Hand, wie wir das aus Europa gewohnt sind. Wir haben mehr gespielt wie in der NBA, und nicht, was wir gewohnt sind: Team-Basketball, viel mehr Ballbewegung, den Gegner mehr zwingen, in der Verteidigung zu arbeiten. Das haben wir nicht getan, so konnten sich die anderen darauf fokussieren, Dirk und Dennis zu stoppen. Ich denke, wenn wir mehr als Team gespielt hätten, wären wir erfolgreicher gewesen. Aber ich würde nie die Schuld auf Dennis schieben. Er dachte: Durch meine individuelle Stärke werde ich das Team zum Erfolg bringen. Aber er hat das ganz bestimmt nicht gedacht, weil er meinte: Ich bin der Größte.