Berlin

Aus der Traum

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Dietmar Wenck

Für das DBB-Team um Dirk Nowitzki ist die EM nach einer Pleite gegen Spanien beendet

Berlin. Der erste Freiwurf – drin. Der zweite – drin, genau wie der erste, direkt ins Netz. Aber dann der dritte: Dennis Schröder schaut dem Ball hinterher, den er geworfen hat, sieht wie er am Ring landet, eine halbe Umdrehung macht und schließlich herausfällt. Rebound Spanien, lähmende Stille in der Mercedes-Benz Arena. Deutschlands Basketball-Nationalmannschaft hat 76:77 (38:43) verloren gegen die Iberer, ist aus der Europameisterschaft ausgeschieden. Nach dem nächsten Drama. Schon gegen Serbien und Italien war dem jungen Team mit seinem 37-jährigen Anführer Dirk Nowitzki im letzten Moment der Sieg aus den Fingern geflutscht.

„Das ist bitter“, sagte Schröder, der unglückliche Spielmacher der Atlanta Hawks, „ich habe mich in der Kabine die ganze Zeit geärgert, dass ich den vergeben habe.“ Center Tibor Pleiß schilderte diese letzte Szene so: „Ich hab innerlich gebetet bei jedem der Freiwürfe: Geh rein, geh rein, geh rein. Aber beim dritten hat es nicht mehr geklappt.“ Kein Vorwurf an den Schützen, „Dennis hat ja trotzdem ein großartiges Spiel gemacht.“

Der Prozess, von dem Bundestrainer Chris Fleming während der Vorbereitung und des EM-Vorrundenturniers gesprochen hatte, er wurde nicht rechtzeitig vom Erfolg gekrönt. Die Entwicklung braucht noch Zeit. Was die Mannschaft auszeichnete, waren Leidenschaft und Wille, das zeigte sich auch gegen Spanien. Bei einem 13-Punkte-Rückstand in der 33. Minute schien die Partie verloren. Aber angeführt von Schröder (26 Punkte) und dem Berliner Maodo Lo, der sein bestes Länderspiel zeigte (14), holte das Team auf. Als der dritte Freiwurf 3,8 Sekunden vor Schluss nicht in den Korb der Spanier fiel, war jedoch alles umsonst. Statt Deutschland fahren nun Gruppensieger Serbien, Spanien, Italien und die Türkei zum Achtelfinale nach Frankreich.

Die deutsche Mannschaft zerstreut sich in alle Richtungen – NBA, Europa, Bundesliga, College. Die große Frage lautete: War es das für den größten deutschen Basketballspieler aller Zeiten, für Dirk Nowitzki? „Schauen wir mal“, antwortete der nach 3045 Punkten und seinem 153. Länderspiel seit 1997, nach dem er sich sehr emotional vor dem Berliner Publikum verbeugt hatte. Dabei flossen auch reichlich Tränen. Zum ersten Mal hatte er ein großes Turnier vor eigenem Publikum gespielt. Das sah schon nach Abschied aus, doch den wollte er am Donnerstagabend partout nicht bestätigen.

Vielleicht gibt es sogar ein Wiedersehen in derselben Arena. „Direkt nach dem Spiel dachte ich eigentlich, das war’s“, sagte Nowitzki, „aber jetzt habe ich gehört, dass es die Möglichkeit auf ein vorolympisches Turnier gibt und wir dafür vielleicht eine Wildcard bekommen, um als Ausrichter dabei zu sein.“ Sollte sich der Deutsche Basketball Bund (DBB) wie angekündigt um eines der drei Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele in Rio bewerben und Erfolg dabei haben, sei die Zukunft offen, sagte Nowitzki. Zumal er mit diesem Abschied kaum zufrieden sein konnte. „Ich habe mit Sicherheit kein tolles Turnier gespielt“, befand er. Zum Abschluss gelangen ihm noch einmal zehn Punkte.

Kein Spieler wird häufiger gefoult als Dennis Schröder

Die Enttäuschung war groß, aber es gab auch Positives. „Wir hatten viel Verletzungspech vor der EM, wir hatten eine Hammergruppe, aber wir haben toll gekämpft“, sagte Nowitzki. „Wir müssen uns nicht verstecken. Trotzdem gehen jetzt alle enttäuscht nach Hause.“ Um die Zukunft des deutschen Basketballs ist ihm dennoch nicht bange. „Wir haben gute junge Leute, Niels Giffey, Paul Zipser, Maodo Lo und natürlich Dennis. Er war bei dieser EM schon unser bester Spieler.“

Die Spanier wussten das. Sie unterbanden fast jede Konterchance Schröders mit einem schnell Foul. Zu fix ist der 21-Jährige auf den Beinen, selbst für die flinken Spanier. Kein anderer ist bei dieser EM so häufig gefoult worden wie er. Und dass hier eine neue Mannschaft im Entstehen sein könnte, sah man auch an den Reaktionen nach Spielende. Alle hatten tröstende Worte für den niedergeschlagenen Jung-Star. „Das zeichnet diese Mannschaft aus“, sagte Schröder und kündigte an: „Wir kommen zurück.“