Basketball

Warum aus Dennis Schröder kein Dirk Nowitzki werden kann

Dennis Schröder ist der große Hoffnungsträger des deutschen Basketballs. Auch Dirk Nowitzki sagt ihm eine große Zukunft voraus.

Basketball: EM, Herren - Vorrunde, Gruppe B: Serbien - Deutschland am 06.09.2015 in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin. Deutschlands Dennis Schröder (r) wirft einen Freiwurf, während Deutschlands Dirk Nowitzki (l) zuschaut. Foto: Lukas Schulze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Basketball: EM, Herren - Vorrunde, Gruppe B: Serbien - Deutschland am 06.09.2015 in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin. Deutschlands Dennis Schröder (r) wirft einen Freiwurf, während Deutschlands Dirk Nowitzki (l) zuschaut. Foto: Lukas Schulze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Lukas Schulze / dpa

Berlin. Gespannt warteten alle auf den Spieler aus der besten Basketball-Liga der Welt, der NBA. Wie sehr würde er dem deutschen Team wohl helfen können mit seinen erst 21 Jahren? Ein bisschen scheu kam er daher, doch er hat seinen Job erledigt, auf den Korb zu werfen, 15,2 Punkte pro Partie, das war stark. Viel gesprochen hat er nicht, aber niemand wusste etwas Schlechtes über den blassen jungen Mann zu sagen. Alle mochten ihn gleich gern – bis auf seine Gegenspieler. So war das bei seiner ersten Europameisterschaft 1999 in Frankreich. So war das mit Dirk Nowitzki.

Gasol lobt Nowitzki: Einzigartiger Spieler und Vorbild

16 Jahre später ist der Würzburger einer der größten deutschen Sportstars aller Zeiten, eine weltweit respektierte Persönlichkeit. Pau Gasol, Spaniens Basketball-Held, sagt: „Dirk ist ein ganz einzigartiger Spieler, ein Vorbild.“ Das Ende von Nowitzkis einmaliger Karriere ist allerdings greifbar. Seine mittlerweile siebte EM, bei der er gerade in Berlin in der Vorrunde ausgeschieden ist, hat das schonungslos gezeigt. Nowitzki urteilte selbst: „Ich habe mit Sicherheit kein tolles Turnier gespielt.“

Nun gibt es allerdings wieder einen 21-Jährigen, um den die Konkurrenz die Deutschen ein wenig beneidet. Auch er hat den Sprung in die NBA geschafft und bestritt in Berlin sein erstes großes Turnier. Seine Statistiken verheißen, dass er einmal einen ebensolchen Aufstieg erleben könnte wie Nowitzki. Mit 21 Punkten im Schnitt beendete er die EM als zweitbester Werfer des Turniers, hinzu kamen sechs Korbvorlagen pro Spiel. Niemand wurde häufiger gefoult, nämlich 41 Mal in fünf Spielen. Dennoch wurde kein anderer deutscher Spieler so heftig kritisiert. Sogar einer arroganten Spielweise wurde er bezichtigt. So war das mit Dennis Schröder.

Kritik ist ein großes Thema, Selbstkritik keine Notiz wert

Natürlich, schon rein optisch ist der gebürtige Braunschweiger so etwas wie ein Anti-Nowitzki. Er ist schwarz, Sohn eines deutschen Vaters und einer gambischen Mutter. Sein Körper ist übersät mit Tattoos, er legt Wert auf coole Klamotten, zum Traum aller Schwiegermütter taugt er vielleicht nicht. Schüchtern ist er auch nicht. Manchmal findet er nicht die richtigen Worte. Als Schröder einmal die Taktik des Bundestrainers Chris Fleming in Frage stellte, war das eine große Geschichte, obwohl er sich gleich entschuldigte. Dass er quasi nach jedem Spiel selbstkritisch äußerte, was er noch alles verbessern müsse („meine Mitspieler besser beteiligen“ oder, wie wahr: „meine Freiwürfe verwandeln“), war kaum eine Notiz wert.

Wäre er arrogant, käme er dann so oft auf die Idee, die Schuld bei sich zu suchen? „Er will sich immer verbessern“, lobte Fleming den ehrgeizigen, verbissenen Arbeiter. Selbst nach lautstarker Kritik vom Bundestrainer, wenn er mal wieder zu eigensinnig agiert hatte – auch bei den Ballverlusten war Schröder nämlich EM-Spitzenreiter – gab er sich einsichtig.

Schröder muss mit 21 Jahren viel mehr Verantwortung tragen

Nowitzki hält viel von Schröder: „Dennis hat eine Riesenzukunft vor sich und alle Voraussetzungen, ein ganz Großer zu werden.“ So groß wie er? Falsche Frage. Vergleiche zwischen dem Star der Dallas Mavericks und dem aufstrebenden Spielmacher der Atlanta Hawks gehen ins Leere, schon deshalb, weil Schröder eine ganz andere Rolle hat, weit mehr Verantwortung aufgebürdet bekam als seinerzeit der junge Nowitzki.

Er soll das Team führen – viel verlangt von einem so jungen Mann, der diesen Job auch in Atlanta erst noch lernt. Und deshalb viele Fehler machte. Dennoch sagt Nowitzki: „Dennis war hier mit Abstand unser bester Spieler.“ Die Frage ist nicht, ob Schröder der neue Nowitzki wird. Niemand wird das, so wie es keinen zweiten Beckenbauer oder Schmeling gibt. Nowitzki war jahrelang Star und Erfolgsgarant des deutschen Basketballs mit WM-Bronze 2002, EM-Silber 2005 und der Olympia-Teilnahme 2008.

Viele junge Spieler versprechen eine gute Zukunft

Aber, so hart das klingt: Seine Zeit läuft ab. Schröder scheint in der Lage, auf seine Weise die Rolle zu übernehmen, die frei wird. Er kommt wie Nowitzki gern zur Nationalmannschaft. „Wir haben viele junge Leute, eine gute Zukunft“, sagt er, „ich hoffe, wir bleiben alle zusammen.“

Ob Nowitzki sein Idol ist, wird er häufig gefragt. „Nur, als ich klein war. Aber ich bin ja Point Guard“, kommt dann als Antwort. „Aber Dirk ist natürlich ein Vorbild für alle Deutschen.“ Dass es so kommen würde, damit hätte 1999 in Frankreich niemand gerechnet. Mal abwarten, was als nächstes passiert.