Aus und vorbei. Um 22.13 Uhr war am Donnerstagabend für das Basketballteam von Alba Berlin die Saison vorüber. Nach einem Trip, der am 27. September 2014 begann und nun nach 71 Spielen mit einem 96:101 (88:88, 44:41) nach Verlängerung gegen Bayern München im fünften Play-off-Halbfinalspiel sein für Alba trauriges Ende fand. „Aber wir können erhobenen Hauptes gehen“, meinte Albas Akeem Vargas. In den entscheidenden Situationen war Meister München, der nun von Sonntag an im Finale gegen Bamberg spielt, einfach cleverer. „Sie haben einige großartige Schüsse getroffen, Kompliment an die Bayern“, meinte Vargas‘ Kollege Reggie Redding, nach Jamel McLean (29 Punkte) mit 18 Zählern zweitbester Berliner Werfer.
Waren die bisherigen vier Spiele schon voller Emotionen und mit sehr großer Intensität geführt worden, so wurde das diesmal noch einmal an Dramatik getoppt. Die Spieler auf dem Feld und die Zuschauer auf den Rängen gaben alles, bis an die Grenze des Erlaubten und auch darüber. Das Schiedsrichter-Trio um Robert Lottermoser war nicht zu beneiden. Und obendrein ist die Rivalität zwischen München und Berlin ja eine ganz besondere. Nicht nur, weil neun Ehemalige von Alba jetzt als Trainer, Sportdirektor oder Spieler bei den Bayern unter Vertrag stehen.
Alba war vor 11.433 Zuschauern (darunter der deutsche NBA-Spieler Dennis Schröder) gleich voll da, von Nervosität war bei beiden Teams nichts zu merken. Bis zur Pause lag Alba fast durchgängig in Führung. Dabei fiel besonders auf, dass die Berliner die Defizite aus dem vierten Spiel diesmal in Stärken umgewandelt hatten. Zum Beispiel bei den Rebounds. Hatte in München zuletzt der Meister das Duell bei vom Korb zurückspringenden Bällen klar gewonnen, war Alba diesmal deutlich überlegen (37:27). Auch die Freiwurf-Quote war bei Berlin sehr gut.
Djedovic trifft, Pesic muss raus
Allerdings waren die Münchner in einem anderen Bereich sensationell gut: bei den Dreiern. Acht Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie landeten in den ersten 20 Minuten im Berliner Korb. Viermal traf allein der überragende Nihad Djedovic (30 Punkte), auch ein Ex-Berliner. Alba war aus der Distanz längst nicht so treffsicher. Nur einmal (durch Akeem Vargas) wurde ein Dreier verwandelt, am Ende waren es drei. Dennoch lag Berlin zweimal mit sechs Punkten Differenz (31:25, 40:34) in Front. Prompt folgte ein Bayern-Dreier. Drei Zähler Vorsprung (44:41) retteten die Gastgeber in die Kabine.
Danach hatte man auf einmal das Gefühl, dass die andauernden erfolgreichen Dreier der Bayern wie Nackenschläge für Alba waren. Der Schwung war dahin, erstmals seit der Anfangsphase lag Berlin wieder zurück (52:54). Doch dann kam die Situation, die die Emotionen erst so richtig hochschlagen ließen. Svetislav Pesic, der Bayern-Coach, reklamierte so ausdauernd, dass er von den Schiedsrichtern nach zwei Technischen Fouls in die Kabine geschickt wurde. Doch Pesic wollte nicht weichen. Erst sein Sohn Marko, Bayerns Sportdirektor, führte ihn weg. Aber Pesic senior blieb im Gang zur Kabine stehen und schaute weiter zu. Erst Winfried Gintschel, der Technische Kommissar, konnte ihn schließlich dazu bewegen, die Halle zu verlassen. Assistenztrainer Emir Mutapcic übernahm die Geschäfte seines Chefs.
Diese Szenen waren eher ein Weckruf für die Bayern, Alba wirkte wie paralysiert. Jeder Wurf des Meisters war in der Folgezeit ein Treffer, bei Berlin ging nichts mehr. Schnell stand es 57:66 (28. Minute). Aber dieses Team hat sich in dieser Saison so oft wieder ins Spiel zurückgekämpft. So auch diesmal. Getragen von den Fans war es Leon Radosevic mit einem Monster-Dunk, der zum 66:66 (32.) ausglich. Niemand in der Halle saß mehr. Und endlich, endlich traf der immer stärker werdende Redding mit einem Drei-Punkte-Wurf zum 71:69. Der großartige McLean, erneut mit einem spektakulären Dunking, legte nach: 75:71. Noch fünf Minuten.
Leider muss jemand verlieren
Wieder ging ein Jubel-Orkan durch die Halle, als Redding einen Dreier traf (82:77), aber die Bayern blieben immer dran. Was für ein Kampf von beiden Teams. Heiko Schaffartzik, der gebürtige Berliner im Münchner Team, erzielte 94 Sekunden vor Schluss das 85:85 – natürlich mit einem Dreier, dem zwölften. Den 13. verwandelte Bryce Taylor aus eigentlich unmöglicher Situation zum 85:88, 43 Sekunden vor Schluss. Doch McLean traf zum Ausgleich. Alba hat sogar den letzten Angriff, aber diesmal scheitert McLean. Fünf Minuten Verlängerung.
Alba schienen die Nerven zu flattern, anders lassen sich die Abspielfehler nicht erklären, die den Berlinern unterliefen. Djedovic nutzte dies zu Dreier Nummer 14 – 92:96, zweieinhalb Minuten vor Ende. „Djedovic hat sein Team auf seine Schultern genommen und zum Sieg getragen“, meinte Vargas. Alba kam noch einmal zurück. McLean und Cliff Hammonds zum 96:96 eineinhalb Minuten vor Schluss. Schaffartzik-Freiwürfe zum 96:98. Dann Albas fataler Ballverlust, den Djedovic mit einem Freiwurf zum 96:99 nutzte. Der letzte Wurf von Alex Renfroe ging daneben, John Bryant besorgte den Rest.
Dann hörte man die Münchner Fans: „Finaaaale!“ Auf einmal war auch Svetislav Pesic wieder unter den jubelnden Bayern. „Wenn Alba gewonnen hätte, wäre das auch verdient gewesen“, sagte er. Sein trauriger Kollege Sasa Obradovic war untröstlich: „Wir haben unser Herz auf dem Feld gelassen. Das war beste Werbung für den Basketball. Aber leider muss jemand verlieren.“





