Das Sieger-Getränk von Reggie Redding bestand aus Mineralwasser. Zumindest gönnte sich der Basketballprofi von Alba Berlin eines mit Kohlensäure. Mehr aber war nicht, als Redding nach dem 101:88 seiner Mannschaft gegen Bayern München am Tresen des Vip-Raums in der O2 World lehnte und entspannt die Mitteilungen auf seinem Smartphone las.

Es dürften ziemlich viele gewesen sein nach seiner Galavorstellung am Sonntag gegen den Meister. „Nein, nein, nur ein paar“, sagte er grinsend, „mich kennt doch kaum einer...“

Spaß muss sein, vor allem nach einem solchen Nachmittag. „Wir wussten, was für eine große Bedeutung dieses Spiel für beide Mannschaften hatte“, meinte Redding. Nach dem zweiten Sieg im dritten Halbfinalspiel der Serie „Best of five“ haben die Berliner nun zwei Matchbälle. Den ersten am Dienstag (20 Uhr, telekombasketball.de) in München; bei einer Niederlage wäre die zweite Chance in eigener Halle am Donnerstag (20 Uhr). Keine schlechten Aussichten für die Berliner. „Die Bayern stehen mit dem Rücken zur Wand“, stellte Albas Geschäftsführer Marco Baldi fest.

Aber es wird noch ein hartes Stück Arbeit, denn die Münchner „werden alles tun“ (Baldi), um ein Ausscheiden am Dienstag zu verhindern und den Showdown in Berlin zu erzwingen. Wobei Baldi das Wort „alles“ besonders betonte. Redding brachte es sehr martialisch auf den Punkt: „Das wird wieder ein Krieg.“

„Mannschaftliche Geschlossenheit war die ganze Saison über unsere Stärke“, sagte Baldi, „und diese Stärke müssen wir auch in München zeigen.“ Ein Zeichen für diese Geschlossenheit waren am Sonntag auch die 26 Assists, Ballvorlagen, die zu Punkten führten und die von einem exzellenten Zusammenspiel zeugten. Aber jedes Team benötigt natürlich auch herausragende Akteure, die das Spiel tragen. So wie Redding, der auf den Positionen Small Forward und Shooting Guard einsetzbar ist. Dessen Arbeitsnachweis im dritten Spiel gegen die Bayern: 20 Punkte, sieben Rebounds und sechs Assists. Acht von neun seiner Würfe aus dem Feld fanden ihr Ziel.

Am liebsten hätte der 26-Jährige über seine Leistung gar nichts gesagt: „Wichtig ist, dass wir als Team gewonnen haben.“ Dann kam doch Stolz durch: „Wenn du ein großer Spieler sein willst, musst du das in großen Spielen zeigen.“ Am Sonntag war ein großes Spiel. Reggie Redding ist auf dem Weg zu einem großen Spieler. Am Dienstag ist wieder ein großes Spiel.

Alba war ein Risiko eingegangen, als man den US-Amerikaner zur Saison 2013/14 aus Tübingen für zwei Jahre verpflichtete. Im beschaulichen schwäbischen Studenten-Städtchen war er zwar ein Held, in der Liga hatte er gute Leistungen gezeigt. Aber viele Experten fragten sich: Reicht das für einen Klub mit den Ansprüchen, wie sie Alba hat?

Viele Probleme in dieser Saison

Redding spielte gleich eine herausragende Saison. Starke europäische Vereine hätten ihn schon gerne im Sommer 2014 geholt. Redding blieb in Berlin, seine Leistungskurve war in den vergangenen Monaten aber stark schwankend. Vielleicht bekam ihm der „Hype“ (Baldi) nicht, den es teilweise um ihn gab. Hinzu kam ein schwerer privater Schicksalsschlag, der dem zur Melancholie neigenden Profi sehr zusetzte. Kurz vor Weihnachten 2014 starben in seiner Heimat innerhalb weniger Tage seine Großeltern, zu denen er ein sehr inniges Verhältnis gehabt hatte. Alba bot ihm in dieser schweren Zeit psychologische Hilfe an, die Redding allerdings ablehnte.

Doch alle Probleme hat er hinter sich gelassen. Er scheint wieder in Topform zu sein. „Ich liebe es zu gewinnen, dann bin ich glücklich“, sagte er – und nahm einen tiefen Schluck Mineralwasser.