Mit der Schlusssirene ging ein Jubelschrei durch die O2 World, als hätte das Basketballteam von Alba Berlin bereits die Meisterschaft gewonnen. Die Berliner Basketballprofis herzten sich überglücklich. Sie hatten ein verloren geglaubtes Spiel mit einer unglaublichen Steigerung in den letzten Minuten doch noch gewonnen. Durch das 95:90 (46:51) im ersten Play-off-Viertelfinalspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg ging Alba in der Serie Best of five mit 1:0 in Führung. Die nächste Partie findet am kommenden Mittwoch in Oldenburg statt.
„Wir haben nie aufgegeben“, freute sich Albas Spielmacher Alex Renfroe. „Wir haben in dieser Saison schon etliche Spiele in der Schlussphase gewonnen. Das hat uns immer Mut gemacht“, fügte Leon Radosevic an.
Dafür ist das Play-off ja da: Alles, was vorher war, ist vergessen. Jetzt zählt nur noch die Gegenwart. Ob die Baskets nun in der Liga als Siebter hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, oder dass Alba in der Liga Zweiter wurde und in der Europaliga eine ganz starke Saison mit Siegen gegen Barcelona, Tel Aviv und Panathinaikos Athen gespielt hat, ist ohne Belang. Albas Sieg zum Saisonauftakt gegen den NBA-Champion San Antonio: Auch das ist Schnee von gestern.
Renfoe bester Werfer
Zwar begannen die Berliner gut (8:3), aber bereits nach wenigen Minuten baute Alba ab. In der Abwehr war man nicht konsequent genug. Die Oldenburger nutzten den Raum unter dem Korb und trafen auch aus der Distanz sehr gut. Bis zum Wechsel fielen sieben Dreier (insgesamt zehn) in den Berliner Korb. Darunter ein Wurf von der Mittellinie von Robin Smeulders.
Die Gäste wirkten lange frischer, der Ball lief besser. Alba hatte in der Offensive immer wieder Probleme, vernünftige Spielzüge aufzubauen. Im ersten Viertel lag man mit bis zu fünf Zählern zurück (16:21). Wobei die Oldenburger eine Schrecksekunde wegstecken mussten: Center Philipp Neumann knallte nach einem Dunking ohne gegnerische Berührung auf den Hinterkopf und musste benommen in die Kabine geführt werden. Er kam nicht mehr aufs Feld zurück.
Bei Alba wurde es bis zur Pause nicht besser. Während bei Berlin Spieler wie Radosevic oder Reggie Redding in den ersten 20 Minuten weit unter Form agierten, spielte Oldenburg (mit den ehemaligen Berlinern Julius Jenkins/18 Punkte, Adam Chubb/7 und Philip Zwiener/5) locker. 51 Punkte kassierten die Berliner bis zur Pause, selten in dieser Saison ist Alba so etwas passiert. Albas Sportdirektor Mithat Demirel musste an seinem 37. Geburtstag mit ansehen, wie sein Team keine Lösungen fand. Jamel McLean und Radosevic vergaben vier Freiwürfe. Alba-Coach Sasa Obradovic war außer sich. Maximal mit acht Punkten Differenz (41:49/19. Minute) gerieten die Berliner bis zum Wechsel in Rückstand. Alba kämpfte, Radosevic und McLean wurden stärker, aber das Team machte immer wieder einen Schritt nach vorn und einen zurück. Nach 25 Minuten kassierte Redding sein viertes Foul und Berlin lag 56:62 zurück. Cliff Hammonds (21 Punkte) und Alex Renfroe (23), am Dienstag Vater einer Tochter geworden, trieben ihr Team aber weiter an. Renfroe war nicht anzumerken, dass er während der Woche für zweieinhalb Tage auf Heimatbesuch bei seiner Familie in den USA weilte. Alba kam auf 64:65 (27.) heran.
Aber die Fehlerquote war noch zu hoch, was zum 65:72 nach 30 Minuten führte. Jenkins sorgte mit einem Dreier erstmals für einen zweistelligen Berliner Rückstand (65:75/31.). Die Berliner Spieler und Fans haderten mit den Schiedsrichtern. Aber es nutzte nichts. Redding musste mit fünf Fouls raus, aber jetzt wackelten die Oldenburger mit dem überragenden Rickey Paulding (21 Punkte).
Ausgleich 24 Sekunden vor Ende
Was kaum zu glauben war: Alba kam noch einmal zurück. Die Alba-Fans tobten, als Renfroe 24,4 Sekunden vor Ende mit einem Dreier zum 90:90 traf. Oldenburg war in Ballbesitz, aber die Berliner erkämpften sich das Spielgerät zurück. McLean verwarf einen Freiwurf, traf einen zum 91:90. Wieder stibitzten die Berliner den Oldenburgern den Ball. Renfroe verwandelte zwei Freiwürfe: 93:90. Erneut verlor Oldenburg den Ball – und wieder verwandelte Renfroe zweimal. 95:90, die Halle bebte.
„Wir waren am Anfang in der Defensive unkonzentriert“, meinte Demirel. „Aber mit ganz viel Willen sind wir dann doch noch zurückgekommen.“ Und er blickte bereits voraus: „In Oldenburg müssen wir aber eine bessere Leistung zeigen.“




