Auf der Autobahn Richtung Berlin dürfte in einem blau-gelben Bus am Sonntag kurz vor 16 Uhr möglicherweise Jubel ausgebrochen sein. Zumindest werden sich die Spieler von Alba Berlin gewundert haben, welche Kunde sie da vom Finale um den deutschen Basketball-Pokal empfingen.

Nicht der Favorit Brose Baskets Bamberg, der die Berliner im Halbfinale am Sonnabend förmlich überrollt hatte, gewann den Cup. Sondern Gastgeber EWE Baskets Oldenburg, der ein spannendes Endspiel mit 72:70 (34:34) für sich entschied. Alba hatte das Spiel um Platz drei gegen die Telekom Baskets Bonn 85:69 (42:37) gewonnen, danach kurz mit den zahlreichen Berliner Fans vor der Arena gefeiert und sich dann auf die Heimreise begeben. Für sie war es ein eher freudloses Wochenende.

Für Oldenburg war es das Gegenteil, die Stadt feierte den ersten Pokalsieg ihrer Basketballer. Und diese konnten kaum in Worte fassen, was ihnen gelungen war. Der Held des Endspiels kämpfte mit den Tränen, als er vor die Fernsehkamera trat. Philipp Neumann hatte fünf Punkte am Stück gemacht, aus einem 64:64 ein 69:64 – die entscheidende Wende im Spiel. Auch den letzten Freiwurf verwandelte der 23 Jahre alte Center zum Endstand für Oldenburg. Zum einen waren es Freudentränen über den unerwarteten Coup: „Mir ist ein Stein in der Größe von ganz Deutschland vom Herzen gefallen“. Das waren die positiven Emotionen. Es gab aber offenbar auch noch ein paar negative Erinnerungen aufzuarbeiten gegen die Franken, deren Trikot er bis 2013 getragen hatte, bevor er nach Norddeutschland gewechselt war: „Das war mein erster Pokalsieg mit Spielzeit heute. Etwas ganz Besonderes also.“ Ein Seitenhieb auf den ehemaligen Arbeitgeber. In Bamberg war Neumann Reservist und durfte nur zuschauen, als die Brose Baskets 2010, 2011 und 2012 den Cup holten. In Oldenburg gehört er nun zu den Leistungsträgern.

In etwa so stand es um die Kräfteverhältnisse in diesem Endspiel. Die Franken haben ein geschätztes Budget von zwölf bis 14 Millionen Euro, ihr Final-Konkurrent die Hälfte. Bamberg hat mit enormem finanziellen Aufwand vor der Saison den Verein umgekrempelt. Ein neues Management wurde installiert, der Italiener Andrea Trinchieri ersetzte Erfolgscoach Chris Fleming, und von der Mannschaft des Vorjahres sind nur die deutschen Nationalspieler Elias Harris und Karsten Tadda übrig geblieben.

Über 4000 Punkte in acht Jahren

So arbeiten sie nahe der Nordseeküste nicht. Dort wird eher auf Konstanz gesetzt. Der US-Amerikaner Rickey Paulding zum Beispiel wirft schon seit acht Jahren für die EWE Baskets auf den Korb und hat dabei über 4000 Punkte erzielt. In dieser Saison gab es trotzdem einen Moment, in dem sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen sahen. Vor drei Wochen entließen sie ihren Trainer Sebastian Machowski, der Oldenburg 2013 ins Finale und 2014 ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft geführt hatte. In dieser Saison allerdings spielte das Team erstaunlich inkonstant. Bundesligasiegen gegen Bamberg oder Berlin standen Heimpleiten gegen Trier oder Göttingen entgegen.

Machowski musste gehen, sein Nachfolger wurde Mladen Drijencic – ein Bosnier, der zuvor das Nachwuchsteam der Oldenburger in Liga drei gecoacht hatte. Seit 1994 ist er in Deutschland, der Großteil seiner Familie lebt noch auf dem Balkan. Sie schauten via Satellit zu, wie ihr Sohn, Bruder, Onkel ein kleines Wunder bewerkstelligte: Aus einer scheinbar nicht funktionierenden Mannschaft einen Pokalsieger zu bauen. „Natürlich ist das wie ein Traum für mich, auch was meine Entwicklung hier angeht“, sagte der 49-Jährige. „Und es war sehr emotional zu wissen, was in der Heimat los ist.“

Emotionen scheinen in Oldenburg das entscheidende Kriterium gewesen zu sein – und der Heimvorteil. War vor dem Final Four zumeist die Rede davon, ob Bamberg oder Berlin das Turnier gewinnen würde und wie wichtig Ruhephasen sind, galten diese Kriterien für die Gastgeber offensichtlich nicht. Der Trainerwechsel hatte daran seinen Anteil, glaubt Baskets-Geschäftsführer Hermann Schüller, der nach dem Finalsieg auch noch eine frohe Kunde für Drijencic hatte: „Das ist ein großer Verdienst von Mladen, dem ich gerade gesagt habe, dass er den Vertrag für nächste Saison sicher hat“, erklärte Schüller. Der Kontrakt lief zunächst bis zum Ende dieser Saison. „Das ist eine Auszeichnung. Das ist unglaublich“, sagte Drijencic.

Die Oldenburger schöpfen nun neue Hoffnung im Meisterkampf. „Das ist ein neuer Impuls für uns alle“, sagte Drijencic. „Wir müssen noch mehr Enthusiasmus einbringen, dann gibt uns das Rückenwind auch für die Play-offs.“