Basketball

Alba hat das Viertelfinale der Euroleague fest im Blick

Mit einer phänomenalen Leistung gewann Alba Berlin 68:66 bei Panathinaikos Athen. Wird jetzt auch noch Maccabi Tel Aviv besiegt, steht erstmals ein deutsches Team im Viertelfinale der Euroleague.

Foto: Spyros Chorchoubas / dpa

Was sagt man nach so einem Spiel, nach so einem Erfolg bei Panathinaikos Athen, der erfolgreichsten Basketball-Mannschaft des Kontinents in diesem Jahrtausend? Alba Berlins Trainer Sasa Obradovic lobt seine Mannschaft nach dem 68:66 (33:40) überschwänglich für „ihr großes Herz und ihren großartigen Charakter, die der Schlüssel waren, um hier zu gewinnen“.

Das Ergebnis hinter dem nackten Ergebnis: Alba kämpft am Donnerstag (20 Uhr) in der O2 World gegen Maccabi Tel Aviv um den Einzug ins Viertelfinale der Euroleague. Sein Kapitän Alex King wirkt dennoch beinahe schon reserviert: „Es ist ja ganz schön, so erfolgreich zu sein und dass wir jetzt ein Endspiel haben“, offenbart der 30-Jährige gemischte Gefühle, „aber wir haben noch keinen Titel in der Hand.“

Hunger, der nicht nachlässt

Vielleicht ist gerade diese Einstellung der Grund dafür, dass diese Saison bisher so eine besondere ist für den achtmaligen Deutschen Meister.

„Die Mannschaft hat einen Hunger, der nicht nachlässt“, staunt selbst Sportdirektor Mithat Demirel. Und eine innere Ruhe, die schwer zu erschüttern scheint. Die Berliner mussten in Athen gewinnen, um im Rennen um einen der begehrten Viertelfinalplätze zu bleiben. Sie legten mit 0:9 einen Fehlstart hin, lagen auch nach drei Vierteln mit neun Punkten zurück (46:55). Ruhig blieben sie trotzdem. Der Plan war, den viermaligen Euroleague-Champion Panathinaikos mit Hartnäckigkeit nervös zu machen. Der Plan ging auf.

Alba hat in den Top 16 schon sieben Spiele gewonnen

„Wir hatten nichts zu verlieren“, hebt Demirel einen hilfreichen Aspekt hervor. Alba hat ohnehin schon viel mehr erreicht, als sich irgendwer im Verein je erträumt hätte. Das Überstehen der Vorrunde war das Ziel gewesen und erreicht worden. Das Top 16 ist die Kür; gegen Klubs wie Panathinaikos, Real Madrid, FC Barcelona, ZSKA Moskau, Maccabi aufzulaufen, „wo ein Spieler mehr verdient als unser gesamter Kader“ (Demirel). Um jetzt doch nach 13 Duellen mit solchen Hochkarätern bei sieben Siegen innezuhalten, als erstes deutsches Team seit der Gründung der Euroleague die Chance in der Hand zu haben, ins Viertelfinale einzuziehen.

Alba hat also mitten in der Saison ein Endspiel. „Die Mannschaft hat sich das erarbeitet, verdient. Aber auch da“, beharrt Demirel, „haben wir nichts zu verlieren.“ Maccabi sehr wohl. Das hochdekorierte Team aus Israel verteidigt schließlich seinen Titel. Hat aber schon Anfang Februar in eigener Halle beim 59:66 gegen die Berliner festgestellt, dass Millionen allein nicht immer den Unterschied ausmachen.

Schon jetzt 53 Spiele in den Knochen – es können 80 werden

„Das ist eine Riesenchance“, erkennt King, „für den Verein, für die Mannschaft, für die Fans. Ich hoffe, die Bude wird voll sein.“ Aber er bleibt schön auf dem Boden, auch nach dem Erfolg in Athen ändert sich daran nichts. „Wir glauben jetzt nicht, wir sind Superstars.“ Das sind sie nicht, und das wissen sie. Sie sind ein verschworener Haufen, der schon manche Rückschläge verkraften musste. Verletzungen, die Sperren für Obradovic und Alex Renfroe nach ihrer Rangelei. Gerade da sind sie noch enger zusammengewachsen. Die deutschen Spieler wie King, Niels Giffey, Akeem Vargas zeigten, dass Alba immer noch Alba ist, wenn Renfroe, Clifford Hammonds oder Jamel McLean mal nicht dabei sind. In bereits 53 Spielen in dieser Saison verließen die Berliner 37 Mal als Sieger das Feld. Knapp die Hälfte dieser Partien waren internationale Einsätze.

Was hinter diesen Erfolgen steckt? „Wir haben eine sehr gute Teamchemie“, sagt King. Jeder sei bereit, für den anderen zu kämpfen, jeder akzeptiere seine Rolle, wenn es auch nicht die größte in Obradovics System ist. Aber gerade „die deutschen Spieler haben einen Schritt gemacht, übernehmen Verantwortung, wenn es gefordert ist“, lobt Demirel. Das jüngste Resultat ist laut Obradovic „ein historischer Sieg für Alba Berlin und den gesamten deutschen Basketball“. Sein Center McLean ergänzt: „Wir haben es geschafft, bis zum Ende im Rennen zu bleiben. Jetzt haben wir ein Spiel vor uns, das das größte Spiel dieser Saison sein wird.“

Obradovic glaubt nicht, dass die Mission jetzt vorbei ist

Und pausenlos geht es weiter. Am Ende dieser Spielzeit könnten die Alba-Akteure im Juni 80 Partien in den Knochen haben. Am Freitag fuhr die Mannschaft nach ihrer Landung in Berlin ohne große Umwege gleich wieder in die Sporthalle – zur Videovorbereitung auf das Bundesligaspiel am Sonntag bei den Artland Dragons. Zum Genießen bleibt keine Zeit, „wir müssen uns auf Quakenbrück vorbereiten“, sagt King wie selbstverständlich. Donnerstag kommt Maccabi, und schon am folgenden Wochenende wartet mit dem nationalen Pokal-Final-Four in Oldenburg das nächste Highlight. Und vielleicht der erste Titel für Alba? Zumindest sind die Veranstalter dem Titelverteidiger nicht besonders entgegengekommen. Die Berliner müssen trotz ihres Gipfeltreffens mit Maccabi am Donnerstagabend am Sonnabend schon um 17 Uhr gegen Bamberg ran; die zweite Partie beginnt um 20 Uhr.

Andere würden vor solchen Aufgaben vielleicht hadern. Die Berliner tun das nicht. „Etwas Besseres als dieses Endspiel gegen Maccabi kann man sich doch gar nicht wünschen“, blickt Demirel voraus. Es lockt ein Platz unter den besten acht Mannschaften Europas. Der Deutsch-Türke, der selbst viele Europapokal-Schlachten mit Alba geschlagen hat, sagt sogar: „Ich habe irgendwie das Gefühl, das wird noch nicht das Ende sein.“ Trainer Obradovic pflichtet ihm bei: „Unsere Mission ist noch nicht vorbei.“