Basketball

Am Ende wird auch Alba für die Galatasaray-Randale bestraft

Sie kamen mit Bussen angereist, schockten das Berliner Basketball-Publikum und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Nach der Randale der Galatasaray-Hooligans sind viele Fragen zu klären.

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Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba Berlin, war bedient: „Man kann den Sieg gar nicht genießen“, meinte er nach dem 75:68 des Berliner Basketball-Klubs gegen Galatasaray Istanbul. Das Sportliche wurde von den Ausschreitungen und Sachbeschädigungen (im Gästeblock wurden etliche Sitze aus ihrer Verankerung gerissen, Equipment der Alba-Fans wurde zerstört oder entwendet) am Donnerstagabend in der O2 World in den Schatten gestellt. Noch nie zuvor hatte es Ähnliches bei Alba gegeben. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was war der Auslöser?

Es gibt keinen hundertprozentig gesicherten Ursprung der Randale. Eine Variante lautet, dass ein paar Galatasaray-Fans ein Alba-Banner am Berliner Fanblock weggenommen und sich die gewaltbereiten türkischen Anhänger ins anschließende Scharmützel gestürzt haben. Auslöser könnte auch sein, dass vor Spielbeginn ein türkisches Plakat beim Alba-Fanblock aufgehängt, dieses von den Berlinern aber abgenommen wurde. Und sich daraus die Eskalation entwickelte. Baldi beobachtete, dass „der Keim des Ganzen aus der schwarz gekleideten Fangruppe von Galatasaray hervorging, die auf türkische Fans losging“. Diese etwa 50 gewalttätigen Männer sollen aus einer Gruppe Hooligans gekommen sein, die extra aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden angereist waren. „Diese Gruppe soll auch kürzlich beim Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und Galatasaray Randale gemacht haben“, erklärte Albas Sportdirektor Mithat Demirel. Der bei weitem überwiegende Teil der rund 3000 türkischen Fans in der Halle war friedlich.

Was berichtet die Polizei?

Im Polizeibericht ist von insgesamt 130 eingesetzten Beamten die Rede. Es seien Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs aufgenommen worden. „Ein Alba-Fan zeigte nach dem Spiel auf einem Polizeiabschnitt an, dass er bei der Auseinandersetzung Verletzungen am Kopf und Oberkörper erlitten hat, die ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden mussten.“ Bereits im Vorfeld des Spiels, auf dem Weg zur Arena, seien von Fans von Galatasaray Feuerwerkskörper gezündet worden. Festnahmen hat es nach Auskunft der Polizei nicht gegeben.

Wie reagierten die Alba-Spieler?

Während der Ausschreitungen waren alle Profis beim Warmmachen auf dem Feld. „Wir haben geguckt, dass wir unsere Leute wegbringen“, erzählte Niels Giffey. Die Familien der meisten Spieler saßen in der Halle ganz in der Nähe, wo es zu den Prügelszenen kam. Reggie Redding trug eines der Kinder seines Teamkollegen Clifford Hammonds auf dem Arm. Assistenztrainer Milenko Bogicevic brachte seine beiden Kinder aus der Gefahrenzone. „Es war schwer, sich danach auf das Spiel zu konzentrieren“, meinte Giffey. Er sah den Sieg auch „als Statement, dass man so einen Scheiß bei uns in der Arena nicht macht“.

Welche Vorkehrungen gab es?

„Wir haben Anschutz (Anm. d. Red.: Betreiber der Halle) und die Polizei von der Brisanz des Spiels vorher informiert, die Gefahreneinschätzung nimmt dann die Polizei vor“, sagte Baldi. Michael Hapka, der Geschäftsführer der O2 World, fügte hinzu: „Es gab eine Analyse in enger Abstimmung mit der Polizei, und entsprechend wurde das Personal für den Abend disponiert.“

Welche Konsequenzen gibt es?

„Wenn Leute in der Halle sind, um Krawall zu machen, ist das schwer zu verhindern“, erklärte Baldi. Dass die Krawallmacher ungehindert aus ihrem Block über die Gegengerade zum Alba-Fanblock kommen konnten, hat aber ein deutliches Defizit belegt. Baldi kündigte an: „Wir werden uns mit Anschutz zusammensetzen.“ Hapka sprach davon, dass man die Geschehnisse „zusammen mit der Polizei und dem Ordnungsdienst aufarbeiten und Konsequenzen ziehen“ werde. „Wir lassen von Juristen prüfen, wie wir mit aller Härte gegen die Aggressoren vorgehen können“, so Baldi. „Solche Chaoten haben bei uns nichts verloren.“ Viel Zeit ist nicht. Schon am nächsten Donnerstag kommt Roter Stern Belgrad in die O2 World – noch so ein Klub mit einem harten Kern sehr rabiater Anhänger.

Drohen jetzt Strafen?

Europaliga-Sprecher Alex Ferrer bestätigte, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Es werde nicht gegen einen der beiden Klubs ermittelt, die Vorfälle sollen zunächst analysiert werden. Alba dürfte – erstmals auffällig geworden – um eine Geldstrafe nicht herumkommen, da der gastgebende Klub eben für die Sicherheit verantwortlich ist. Galatasaray-Fans hingegen haben schon öfter für Randale gesorgt. Zuletzt wurde der Klub zu drei „Geisterspielen“ ohne Zuschauer verdonnert. Die Türken müssen daher mit einer erneuten Bestrafung rechnen.

Wie steht Alba sportlich da?

Seit 2002, seit die Europaliga mit 24 Teams gespielt wird, war keine deutsche Mannschaft besser als Alba. Bayern München stand vergangene Saison ebenfalls nach elf Spielen mit fünf Siegen und sechs Niederlagen da, verpasste aber das Viertelfinale, weil es die weiteren drei Spiele verlor. Das Team von Trainer Sasa Obradovic könnte es also als erstes schaffen, die Runde der besten acht Teams des Kontinents zu erreichen. Die Chance ist intakt, schwer wird es trotzdem (siehe Tabelle links).

Schlüsselspiel in Athen?

Alba erwartet nächsten Donnerstag Belgrad, reist in der Woche darauf nach Athen und empfängt zum Abschluss Tel Aviv. Schlüsselspiel ist die Begegnung in Griechenland; bei einer Niederlage dort wären die Chancen wohl dahin, weil die Berliner schon daheim gegen Panathinaikos verloren haben und somit der direkte Vergleich zusätzlich gegen Alba spräche. Athen spielt außerdem in Istanbul und gegen Belgrad. Sogar Titelverteidiger Maccabi (in Madrid, gegen Istanbul, in Berlin) könnte noch ausscheiden.

Doch bei Alba denkt man nur „von Spiel zu Spiel“, wie Baldi sagt. Schon das bisherige Abschneiden hat die Reputation des Klubs weiter erhöht. Besonders die Triumphe in Tel Aviv und gegen Barcelona waren Highlights für den Verein. Wenn jetzt noch Siege hinzukämen, wäre der Stolz um so größer. In der Saison 2012/13 kam Alba in der Top 16 zu vier Erfolgen – zwei davon gegen die Brose Baskets Bamberg.