Basketball

Alba Berlin geht über die Schmerzgrenze

Die Berliner Basketballer zahlen den Preis für die Doppelbelastung aus Bundesliga und Euroleague: Mit Spielmacher Hammonds und Center McLean fehlen dem Team von Sasa Obradovic zwei Leistungsträger.

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Manchmal tut es eben weh. Cliff Hammonds humpelte mit einer dicken Plastikschiene am Fuß über das Feld, Akeem Vargas wirkte vor dem Training am Dienstagvormittag noch immer leicht benommen. Die 55:67-Niederlage vom vergangenen Sonntag in Ludwigsburg hat Spuren hinterlassen bei Alba Berlin. Der Frust über die dritte Bundesliga-Pleite in Folge hielt sich dabei noch in Grenzen. Viel größere Bauchschmerzen bescherten den Hauptstädtern ihre Verletzten.

Spielmacher Cliff Hammonds zog sich eine Syndesmose-Zerrung am rechten Fuß zu und muss sieben bis zehn Tage pausieren. Center Jamel McLean fällt wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel sogar drei bis vier Wochen aus. Eine Kombination, die Vargas als „sehr bescheiden“ einstufte. Er selbst trug in Ludwigsburg zwei angebrochene Zähne davon. Ein paar Schmerzmittel und einen Zahnarztbesuch später steht fest: Zumindest er wird dem Team weiterhin zur Verfügung stehen.

Die Verletzungen von Hammonds und McLean treffen Alba allerdings schwer. Hammonds ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Berliner. In der Bundesliga hat der Spielgestalter bislang alle 23 Partien absolviert und stand dabei länger auf dem Feld als jeder seiner Teamkollegen. Gut 27 Minuten ackert Hammonds pro Spiel, eine Marke, die er auch in den 17 Euroleague-Partien geknackt hat. Dazu kommen seine Qualitäten in der Defensive – in der vergangenen Saison wurde der 29 Jahre alte US-Amerikaner zum besten Verteidiger der gesamten Liga gewählt.

Kein Geld für neue Spieler

Noch mehr Sorgen bereitet Sasa Obradovic das Fehlen seines besten Punktesammlers. „Er ist unser Topscorer und ein Führungsspieler“, sagte der Alba-Coach über McLean, „es wird sehr schwer, ihn zu ersetzen.“ Dass der 2,03-Meter-Mann neben seinen knapp 15 Punkten pro Partie auch fast sieben Rebounds pro Spiel einsammelt, verschwieg Obradovic dabei noch.

Wenn es um Basketball geht, kennt der ehrgeizige Serbe wenig Spaß, an der Seitenlinie lächelt Obradovic nur selten. Beim Medientraining am Dienstag platzte das Lachen jedoch fast aus ihm heraus, dann nämlich, als die Sprache auf mögliche Zugänge kam. „Dafür haben wir kein Geld“, sagte der 46-Jährige. Auch Sportdirektor Mithat Demirel deutete an: Von außen werde wohl niemand mehr kommen. Das Transferfenster ist noch bis einschließlich Sonnabend geöffnet.

Für ein wenig Entlastung könnte ein Spieler sorgen, der schon das Alba-Trikot trägt. Center Jannik Freese, 28, Anfang des Jahres als Ersatz für den verletzten Jonas Wohlfarth-Bottermann geholt, darf sich nach seinem Zwei-Monats-Kontrakt nun Hoffnungen auf eine Vertragsverlängerung machen. Noch sei jedoch keine Entscheidung gefallen, sagen Obradovic und Demirel unisono. Wenn die Berliner den 2,11-Meter-Hünen am Freitag (20.45 Uhr) beim Euroleaguespiel in Barcelona einsetzen wollen, müssen sie ihn bis Mittwochabend (18 Uhr) nachmelden.

Tabu in der Pflicht

ls Ersatz für McLean taugt Freese jedoch nicht. In seinen fünf Ligaspielen für Alba erzielte der gebürtige Oldenburger 2,4 Punkte und 2,8 Rebounds im Schnitt. „Die Lücken müssen andere Spieler schließen“, sagt Obradovic. Unter den Körben werden der wieder genesene Wohlfarth-Bottermann, Marko Banic, Leon Radosevic und Teamkapitän Alex King gefordert sein.

Auf der Playmaker-Position lastet die Verantwortung nun auf Jonathan Tabu. Das Problem: Nach seiner Brustmuskelverletzung kehrte Tabu erst Ende Januar aufs Feld zurück. Seitdem hat er lediglich vier Spiele absolviert, noch fehlt ihm der Rhythmus. Von einem behutsamen Heranführen kann nun keine Rede sein, Tabu muss in die Bresche springen. In Ludwigsburg durfte sich nach Hammonds Ausfall auch Youngster Ismet Akpinar versuchen. Der 19-Jährige machte seine Sache gut – ob er gegen ein Kaliber wie Barcelona eine Alternative sein kann, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Obradovic sagt, die Verletzungen könnten auch als Indikator für einen zu engen Spielplan gewertet werden. Vorbereitung, Reisen, Regeneration – für „normales“ Training bleibt kaum noch Zeit. Dass Alba drei Spiele in acht Tagen absolviert, ist fast der Regelfall. „Die Jungs sind am Limit“, meint auch Demirel. Schon seit Wochen betonen die Alba-Verantwortlichen, man müsse hoffen, dass sich kein Spieler verletzt. Nun ist es eben doch passiert.

Das A und O heißt Bundesliga

Jammern will deswegen keiner bei Alba. „Das ist der Preis, den wir dafür zahlen, dass wir unter den Top 16 stehen“, sagt Obradovic. Auch King sieht die Euroleague mehr als „Extra-Möglichkeit“ denn als „Extra-Belastung“. Siege gegen Top-Teams wie Barcelona oder Tel Aviv sind für Spieler und Fans ein Fest. Seine internationale Reputation hat Alba dadurch mächtig aufpoliert. Und dass Leistungsträger gelegentlich ausfallen, gehöre zum Sport nun mal dazu, mein Demirel. Gegen das Verletzungspech von Liga-Konkurrent FC Bayern wirken die Berliner Blessuren noch harmlos.

Dennoch: Die Euroleague ist und bleibt für Alba ein Prestigewettbewerb. Das „A und O“ (King) hört hingegen auf den Namen Bundesliga. Im nationalen Wettbewerb muss Alba am Sonntag (17 Uhr) in Braunschweig seine Negativserie stoppen. Die Berliner werden dabei ein völlig neues Gefühl erleben. Bislang mussten sie aufgrund der Ausländerregelung stets einen ihrer sieben Legionäre draußen lassen. Nun werden sich die Hauptstädter erstmals wünschen, sie hätten noch einen Ausländer mehr in ihren Reihen.

„Wir wollen zurück auf Platz eins“, betont King. Der würde Alba im Play-off das Heimrecht verschaffen. Ein Faktor von enormem Wert. Zunächst aber richtet sich Albas Konzentration voll auf Barcelona. In der Top-16-Runde sind die Katalanen zu Hause noch ungeschlagen, und ihre überraschende Hinspiel-Niederlage in Berlin werden sie nicht vergessen haben. „Gegen diese Mannschaft kann man verlieren“, sagt Obradovic. Er und sein Team werden am Freitag trotzdem alles aus sich herausholen. Auch wenn es weh tut.