Heißes Pokal-Duell

Bei Alba ist es Zeit für positive Emotionen

Nach einem Zwist zwischen Alba-Trainer Obradovic und dem Spieler Renfroe kommen die Bayern den Berlinern am Mittwoch im Pokal gerade recht. Der Gewinner ist für das Top Four qualifiziert.

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Es ist nicht außergewöhnlich, dass es an den Tagen vor Basketballspielen zwischen Alba Berlin und Bayern München heiß hergeht. Meistens fliegen Giftpfeile von der Isar an die Spree oder andersherum. Das Verhältnis zwischen dem ehemaligen und dem aktuellen Meister ist, sagen wir so, nicht von tiefer Zuneigung geprägt. Diesmal jedoch, vor dem Qualifikationsspiel für das Top Four um den deutschen Pokal am Mittwoch (20 Uhr, O2 World), brauchten die Berliner ihren Lieblingsfeind gar nicht, um für derlei Vorprogramm zu sorgen. Auch wenn er sonst zu viel Ablenkung seiner Schützlinge gar nicht gutheißt: Das übernahm diesmal Alba-Trainer Sasa Obradovic.

Der Serbe ist dafür bekannt, dass er sehr emotional bei der Sache ist. Manchmal übertreibt er es. Ganz besonders tat er das am Sonntag bei der Niederlage gegen Oldenburg. Da stieß er seinen Spieler Alex Renfroe, der ihn in einer Auszeit gestört hatte, an den Arm und schimpfte derb auf ihn ein. Der Amerikaner wollte sich das nicht gefallen lassen und schubste den Trainer zurück. Sofort wurden beide von anderen Spielern getrennt; kurz darauf umarmten sie sich wieder, und Obradovic schickte Renfroe aufs Feld mit den Worten: „Los, gewinnt das Spiel noch.“

150.000 Klicks an einem Tag

Ein kurzes Video davon hatte am Tag darauf schon 150.000 Klicks bei Youtube generiert – ohne die Umarmungsszene, versteht sich. Es nützte wenig, dass die Hauptdarsteller tags darauf sagten: „Das war nur Basketball-Frust, es gibt keine Story. Die Sache ist ausgeräumt“ (Renfroe) oder: „Es war eine emotionale Reaktion aus dem Bauch heraus. Ich bin nicht stolz darauf. Die Lektion für mich ist, beim nächsten Mal ruhiger zu bleiben“ (Obradovic). Der Vorfall schien trotzdem vielen wichtiger als das bevorstehende Topduell des deutschen Basketballs.

Alba-Sportdirektor Mithat Demirel versuchte, das Thema zu beenden: „Wir brauchen Emotionen. Sie haben uns auch da hingebracht, dass wir viele wichtige Spiele in der Saison schon gewonnen haben. Aber wir müssen sie besser kontrollieren. Das am Sonntag war zu viel.“ Auf die Frage, ob es eine Strafe gegen den Coach gegeben habe, sagte er ausweichend: „So etwas behandeln wir immer intern. Natürlich haben wir das besprochen, und es ist wichtig, dass Sasa weiß, dass das zu viel war.“

Lob vom Rivalen aus München

Man kann sicher sein, dass einige der Klicks bei Youtube auch aus München kamen. Doch mit keinem Wort erwähnt Bayern-Sportdirektor Marko Pesic den Vorfall, auf die aktuelle Situation bei Alba angesprochen. „Man muss Sasa und seinem Team großen Respekt zollen, weil sie den deutschen Basketball sehr gut vertreten“, lobt der frühere Alba-Profi. Ein Spiel wie das gegen Oldenburg müsse man den Berlinern zugestehen. „Vielleicht fehlen in der jetzigen Phase auch mal ein bisschen die Kräfte. Das Programm mit Europa- und Bundesliga ist hart. Trotzdem ist das bisher eine fast perfekte Saison für Alba.“

Danach sah es anfangs bei den Bayern nicht aus. Obwohl sie sich erneut enorm verstärkt hatten, etwa mit den Serben Dusko Savanovic, Vladimir Stimac und Vasilije Milic sowie Spielmacher Anton Gavel, gab es unerwartete Rückschläge für den Meister. Niederlagen etwa daheim gegen Aufsteiger Göttingen oder in Trier und das Scheitern in der Vorrunde der Euroleague waren sicher nicht eingeplant. Das Team mit 14 erstklassigen Akteuren war darauf ausgelegt, die Marke Bayern München in Europa zu etablieren. „Es hat weh getan, wie wir dort ausgeschieden sind, weil wir nicht in der Lage waren, an unserer Leistungsgrenze zu spielen“, gibt Pesic zu. Auch gegen Alba haben die Münchner in dieser Saison schon zweimal verloren. Dazu kamen serienweise Verletzungen, die Mannschaft brauchte lange, in ihren Rhythmus zu finden.

Bayern-Offensive rollt

Jetzt hat sie ihn gefunden. „Es läuft ganz ordentlich“, sagt Pesic zu elf Pflichtspielsiegen in Folge, dem Erreichen des Eurocup-Achtelfinales und der wieder intakten Chance, als Erster der Bundesliga ins Play-off zu gehen. Vor allem die Offensive rollt. Neun Mal erzielten die Münchner in der Bundesliga 100 Punkte oder mehr, nur einmal weniger als der Rest der Liga zusammen. Kürzlich beim 117:80 in Tübingen gelangen ihnen 23 Dreier. Nach dem Verletzungspech hatten die Bayern aber auch Lospech. Im deutschen Pokal müssen sie beim Titelverteidiger Alba Berlin antreten, im Achtelfinale des Eurocups bei Vorjahresgewinner BC Valencia. Pesic: „Es gibt leichtere Lose.“

Das allerdings sehen die Berliner vor dem Mittwoch-Spiel ganz ähnlich. „Erfahrene Spieler, ein erfahrener Trainer mit Svetislav Pesic, und mit ihrer Entwicklung können sie sehr zufrieden sein“, urteilt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „der FC Bayern ist der schwerstmögliche Gegner. Es gibt kein besseres Team in der Liga.“ 9:7 führt Alba zwar im direkten Vergleich. Aber wenn es um die Wurst ging, also im Play-off 2013 und 2014, gewannen die Münchner von sieben Partien sechs. Im Vorjahresfinale hieß es 3:1 für sie. Auch Obradovic erwartet, dass es hart wird: „Du siehst überhaupt nicht, dass immer noch Nihad Djedovic oder Bo McCalebb fehlen.“ Das sind immerhin der Topscorer der Bayern (Djedovic/14,5 Punkte pro Spiel) und ihr drittbester Werfer (McCalebb/13,6).

Wie stoppt man einen Kontrahenten, der einen solchen Lauf hat, zumal nach der Enttäuschung gegen Oldenburg? „Man darf da nicht zu analytisch rangehen“, sagt Alba-Nationalspieler Niels Giffey. Sein Team müsse sich auf seine Stärken besinnen. Die Oldenburger hätten sich in Berlin wohl gefühlt, weil Alba keinen Druck aufgebaut habe. „Es ist ein guter Zeitpunkt, ein anderes Gesicht zu zeigen“, glaubt er. Das gilt für alle. Auch für seinen Trainer.