Basketball

Alba hat jetzt ein neues Motto - „So weit die Füße tragen“

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Sebastian Arlt

Foto: Lukas Schulze / dpa

Das Berliner Basketballteam muss nach dem Pokalsieg gegen München noch lange Zeit mit großer Belastung fertig werden. Neben der Bundesliga ist das Team noch in Europa und im deutschen Pokal im Einsatz.

Angstgegner? Als dieses Wort fiel, verfinsterte sich die Miene von Svetislav Pesic. Denn auf die Frage, ob Alba Berlin für sein Team nach drei Niederlagen in dieser Saison inzwischen eben zu einem solchen geworden sei, mochte der Trainer des Basketballteams von Bayern München nicht wirklich antworten. „Im Leistungssport darf man keine Angst haben. Und ich habe sowieso keine Angst.“ Ein anderes Wort sei passender: „Ich habe Respekt vor der Leistung von Alba.“

Pesic, der Trainerfuchs, der einst Alba zu den ersten Titeln in der Vereinsgeschichte geführt hat, brachte es auf den Punkt. Es verdiente viel Respekt, was die Berliner beim 74:69 gegen München zeigten. „Ein Sieg des Willens“ sei es gewesen, erklärte Albas Sportdirektor Mithat Demirel. Denn dreieinhalb Viertel lang sah es nicht so aus, als würde Alba mit einem Erfolg ins Final Four um den deutschen Pokal einziehen können. Aber nach 40 intensiven Minuten zwischen den beiden Erzrivalen durften die Berliner dann doch jubeln.

Pesics Sohn Marko, bei den Bayern Geschäftsführer, konnte es ebenso wie sein Vater kaum fassen, dass die Münchner in den letzten Minuten komplett einbrachen. „Natürlich tut es uns weh, dass wir nicht weiter sind.“ Es war nach dem frühen Ausscheiden aus der Europaliga der zweite herbe Rückschlag für den Deutschen Meister, der nun bei der Vierer-Endrunde in Oldenburg (11./12. April) fehlen wird. Marko Pesic lobte aber auch: „Alba ist momentan die beste Mannschaft in Deutschland. Das haben sie bewiesen.“ Albas Geschäftsführer Marco Baldi beeilte sich festzustellen, dass sich die Machtverhältnisse im deutschen Basketball nun nicht wieder von München in Richtung Berlin verschoben hätten. „Das hat nichts damit zu tun, dass wir nun das Top 4 erreicht haben.“

Nach 2013 und 2014 könnte Alba den dritten Pokalsieg in Serie schaffen. „Der Pokal ist unser, und den geben wir nicht gerne her, das hat die Mannschaft heute gezeigt“, sagte Baldi. Jeder kämpfte bis zum Anschlag, keiner ließ sich entmutigen, auch nicht durch einen zeitweiligen Elf-Punkte-Rückstand.

Trainer Obradovic freut sich über Lernprozess bei Ballverlusten

Bundesliga, Pokal, Europaliga, bis in den Mai hinein hat Alba Woche für Woche drei Spiele zu absolvieren. „Das kann ja heiter werden...“, meinte Albas Cheftrainer Sasa Obradovic grinsend. Er weiß, was für ein Schlauch auf seine Mannschaft zukommt. Doch in der Stunde des Erfolges, „der uns sehr viel bedeutet“, wollte er sich nicht unbedingt negative Gedanken machen. Es überwogen Freude und Stolz. Vor allem stellte er einen Lernprozess bei seiner Mannschaft fest. Nur fünf Ballverluste erlaubte sich das Berliner Team gegen die starke Münchner Defensive. „In diesem Bereich haben wir uns echt verbessert.“ Mit Grausen erinnerte er sich an der Europaligaspiel gegen Panathinaikos Athen vor knapp zwei Wochen, als sich Alba 23 Ballverluste geleistet hatte.

Bundesliga, Pokal, Europaliga – Alba nimmt alles mit, was geht. „So weit die Füße tragen“, diesen Satz hat Baldi für die Saison als Motto ausgegeben. „Mal sehen, wie weit wir damit kommen.“ Ob das gut geht? Ob die Kraft reicht am Saisonende, in der entscheidenden Phase? „Es ist wichtig, dass wir einen breiten Kader haben und dass sich niemand verletzt“, sagte Baldi.

Auf alle Fälle hat der Sieg gegen die Bayern noch mehr Vertrauen in die eigene Stärke gegeben. „Mit solchen Spielen, mit solchen Siegen wird die Mannschaft weiter wachsen“, war sich Baldi sicher. Vielleicht sogar über sich hinaus.