Basketball

Alba kämpft die Bayern mit starkem Endspurt nieder

Titelverteidiger Alba Berlin hat den deutschen Meister Bayern München mit 74:69 aus dem Pokalwettbewerb der Basketball-Bundesliga geworfen. Der dritte Pokalsieg in Folge ist für die Berliner möglich.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Gefeiert wurde, als wenn das Basketballteam von Alba Berlin den deutschen Pokal schon gewonnen hätte. Dabei hat Alba bisher „nur“ das Final Four am 11./12. April in Oldenburg erreicht. Aber was war das für ein Krimi. Und gegen welchen Gegner: Mit 74:69 (31:38) gewannen die Berliner am Mittwoch in der O2 World gegen den Deutschen Meister Bayern München. „Ein ganz tolles Gefühl“, sprudelte es aus Alex Renfroe heraus, mit 15 Punkten zweitbester Berliner Werfer hinter Jamel McLean (19). „Wir haben kühlen Kopf bewahrt, ich bin stolz auf das Team“, erklärte Kapitän Alex King.

Nun können die Berliner den Pokal erneut verteidigen, den sie bereits 2013 und 2014 gewonnen haben. Ebenfalls in Oldenburg dabei ist Bamberg nach einem 76:61 (41:24) in Ulm. Bonn und Göttingen treffen erst in einer Woche aufeinander. Oldenburg ist als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Alba gegen Bayern, das ist seit dem Aufstieg der Münchner in die Bundesliga immer etwas ganz Besonderes: So auch diesmal, beim 17. Aufeinandertreffen. Jeder gibt da noch einen Tick mehr: auf dem Spielfeld, auf den Trainerbänken und natürlich auch auf den Rängen. Die Berliner Fans hatten schon bei der Vorstellung der Bayern-Spieler den einen oder anderen ausgepfiffen.

Das Münchner Team ist gespickt mit ehemaligen Alba-Profis, mal ganz abgesehen vom Trainer-Gespann Svetislav Pesic und Emir Mutapcic, einst in Berlin als Cheftrainer tätig. Beide Klubs pflegen eine geradezu innige Abneigung gegeneinander.

Obradovic emotional wie immer

Bei den Berlinern stand aber einer ganz besonders im Fokus: Cheftrainer Sasa Obradovic. Nachdem der Serbe am vergangenen Sonntag in einer Auszeit mit Spielmacher Alex Renfroe körperlich aneinander geraten war, fragte man sich: Wie würde sich Obradovic diesmal gebärden? Der 46-Jährige agierte emotional wie eh und je, aber ohne besondere Auffälligkeiten.

Es galt für die Berliner, ihre Emotionen in die richtige, in eine positvie Richtung zu lenken. Und das gegen ein Team, das zuletzt in Pflichtspielen elf Mal hintereinander erfolgreich war. Die Münchner zeigten jedoch gleich, warum ihnen diese eindrucksvolle Serie gelungen ist. Sie spielten in der Defensive so, wie man es eigentlich von Alba kennt. Mit unglaublicher Aggressivität wurde zur Sache gegangen. Alba fiel es sehr schwer, ein geordnetes Spiel aufzubauen. Die Konsequenz daraus: Oft mussten die Berliner aus schlechten Positionen werfen.

Zwar verteidigte Alba nicht schlecht, aber in der Offensive lagen Welten zwischen den beiden Teams. Sinnbildlich dafür stand nach 20 Minuten die Ausbeute bei Dreiern: Alba verbuchte gerade einmal einen Treffer bei elf Versuchen. München, zuletzt bei Distanzwürfen sehr erfolgreich, hielt sich mit Dreiern hingegen sehr zurück, beließ es eher bei Treffern aus der Halbdistanz.

Hinzu kam noch, dass die Berliner unter den Körben bei Rebounds unterlegen waren (15:28 zur Halbzeit, am Ende aber nur 40:47). Es war bei den Bayern immer wieder Koloss John Bryant, der sich die vom Korb zurückprallenden Bälle sicherte. Alba lag bei 11:10 (6. Minute) letztmals in Führung. Danach übernahm der Meister aus München immer mehr das Spiel. Nach zwölf Minuten lagen die Berliner zum ersten Mal zweistellig in Rückstand (14:24). Es gelang Alba nicht, die Kontrolle über das Spiel zu bekommen.

Zwar waren die Alba-Fans unter den 11.678 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof für kurze Zeit hoffnungsfroh, als ihr Team auf vier Punkte Differenz herankam (27:31/18. Minute), aber beim Wechsel waren es dann doch wieder sieben (31:38).

Starker Enspurt

Alba musste in der Offensive einen Weg finden. Und fand ihn zumindest dreieinhalb Minuten lang. In dieser Zeit schlugen Renfroe, Leon Radosevic, Jamel McLean und Cliff Hammond zu und brachten Alba unter dem Jubel der Fans mit 44:41 in Front. Svetislav Pesic biss hektisch auf seinem Kaugummi herum. Sollte sein Team wanken? Doch die Aufholjagd beflügelte Alba erst einmal nicht. Im Gegenteil, es folgte eine 0:8-Serie. Wieder diese Wurfschwächen. Die Münchner blieben noch ruhig. Auch der von den Fans mit einem Plakat geschmähte Ur-Berliner Heiko Schaffartzik ließ sich nicht von der Hektik anstecken. Zehn Minuten vor Schluss hieß es immer noch 48:54.

Aber Alba ließ sich auch durch ein 53:61 nicht in die Knie zwingen. Viel ging daneben, aber der Kampfgeist der Berliner ließ sich nicht brechen. 3:47 Minuten vor Ende schaffte Hammonds dann das 61:61. Radosevic legte nach – 63:61, und dann trafen plötzlich auch von King bis Redding plötzlich alle wieder zum 74:69, danach gab es kein Halten mehr. „Wir hatten das Spiel lange im Griff, sind dann aber etwas in Panik geraten, das hat Alba eiskalt ausgenutzt“, sagte Schaffartzik, „wir dürfen uns davon jetzt nicht runter ziehen lassen.“ Bayern hat nach dem Aus in der Euroleague nun schon zwei Saisonziele verpasst. Bei Alba dagegen herrscht – auch dank der Emotionen – eitel Sonnenschein.