Nach der Schlusssirene hörte man nur das Klatschen der Basketballprofis von Alba Berlin und deren Jubelrufe. Ansonsten war es gespenstisch still im Abdi-Ipekci-Sportpalast von Istanbul. In der 12.500 Zuschauer fassenden Halle waren die roten Sitzplätze leer geblieben. Galatasaray Istanbul muss drei Heimspiele in der Europaliga unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Strafe dafür, dass es vor etwa einem Monat gravierende Sicherheitsmängel gegeben hatte. Damals war ein serbischer Fan von Roter Stern Belgrad vor der Halle von einem türkischen Anhänger erstochen worden.

Alba bestritt zum ersten Mal in der Klubgeschichte also ein „Geisterspiel“ – und das mit Erfolg. Das Team von Trainer Sasa Obradovic kam beim türkischen Vizemeister zu einem 75:65 (31:33), hat nun im Top 16 der Europa League bei zwei Siegen und zwei Niederlagen weiter Chancen auf das Erreichen des Viertelfinales. „Jeder Sieg unter den besten 16 in Europa ist eine großartige Sache“, meinte Obradovic anschließend. Er fügte aber auch gleich an, dass Galatasaray sicherlich stark im Nachteil gewesen sei: „Ohne Zuschauer und ohne Arroyo hatten sie Probleme.“ Carlos Arroyo, der Kopf des Teams, fehlte wegen einer Verletzung.

Berliner erwischten schlechten Start

Die Berliner starteten – wie oft in den vergangenen Spielen – schlecht. Schnell lag man 2:9 zurück. Die Alba-Profis wirkten gehemmt, es dauerte einige Minuten, bis sie sich zurechtfanden. „Es ist schon komisch, wenn es in der Halle so ruhig ist“, meinte Albas Center Jamel McLean. Es war für Alba eine neue Erfahrung. Die Türken hingegen hatten bereits zuvor gegen Piräus und Kaunas in der Halle ohne Fanunterstützung spielen müssen. Beide Partien hatten sie gewonnen.

In der zehnten Minute ging Alba zum ersten Mal in Führung. Kapitän Alex King (11 Punkte) traf mit einem Dreier zum 18:17. Die Berliner glänzten am Donnerstagabend mit einer Quote von 50 Prozent bei Distanzwürfen: zwanzig Versuche, zehn Treffer. Weniger erfreulich war die Anzahl der Ballverluste, nämlich 18. Diese Fehler ermöglichten es den Türken immer wieder, in Führung zu gehen. Doch letztmals lag Berlin mit 47:48 (27. Minute) in Rückstand.

50 Prozent Quote bei Distanzwürfen

Als knapp vier Minuten vor Schluss Spielmacher Cliff Hammonds nach seinem fünften Foul vom Feld musste, wurde es für die Berliner brenzlig, aber zwei Dreier von Reggie Redding (mit 16 Punkten bester Werfer) und Vojdan Stojanovski sowie ein Dunking von McLean brachten 90 Sekunden vor Schluss das eigentlich beruhigende 70:60. Doch auf einmal häuften sich erneut die Fehler. Nur noch die wütenden Rufe von Obradovic waren in der Halle zu hören. Zwar kamen die Türken noch einmal heran (70:65), aber Redding und King besorgten den Rest. „Am Ende war es sehr wichtig, dass Reggie so gut getroffen hat“, meinte McLean. Bereits am Sonnabend muss Alba in der Bundesliga beim Mitteldeutschen BC antreten.

seb