Das Basketballteam von Alba Berlin hat schon viel erlebt in den 25 Jahren Klubgeschichte. Doch am Donnerstag (19 Uhr, Sport1) kommt es zu einem Novum: Noch nie musste Alba vor leeren Rängen ein Pflichtspiel bestreiten. Weil Galatasaray Istanbul mangelnde Sicherheitsvorkehrungen im Rahmen des Europaligaspiels gegen Roter Stern Belgrad Mitte November 2014 nachgewiesen wurden, wurde der Klub von der Europaliga zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro und zu drei „Geisterspielen“ verurteilt.

Damals waren vor dem Abdi-Ipekci-Sportpalast Fans von Galatasaray und von Roter Stern Belgrad aneinander geraten. Dabei wurde ein 25-jähriger serbischer Anhänger erstochen. Jordi Bertomeu, Präsident der Europaliga, sprach von „sinnloser Gewalt“.

Zweimal ist der Klub aus der türkischen Hauptstadt schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit angetreten, beide Partien (gegen Piräus und Kaunas) gewann Galatasaray. „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen“, sagt Albas Flügelspieler Akeem Vargas dennoch voller Zuversicht. Dass die Halle leer sein wird, sieht er als einen Vorteil für sein Team an: „Da ist dann kein Hexenkessel wie sonst – und wir können uns ganz auf unser Spiel konzentrieren.“

Bei Galatasaray gab es viel Unruhe wegen Finanzproblemen

„Galatasaray ist der große Favorit“, sagt Albas Trainer Sasa Obradovic. „Aber wir wollen unseren Traum vom Viertelfinale verlängern.“ Um die Play-off-Runde des Viertelfinales zu erreichen, müsste Alba mindestens Vierter in der Sechser-Gruppe werden. Ein Erfolg in Istanbul (4:2 Punkte) würde Berlin (2:4 Punkte) auf dem Weg dorthin sehr helfen.

Während der Saisonvorbereitung hat Alba gegen Galatasaray gewonnen. „Aber das war damals eine komplett andere Mannschaft“, sagt Alba-Kapitän Alex King. Denn der türkische Vizemeister hat eine turbulente Zeit hinter sich. Nach dem vorzeitigen Erreichen des Top 16 im Dezember hatte der Klub mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Da die Gehälter nur unregelmäßig gezahlt wurden, nutzten vier Stars die Chance zum Ausstieg. Doch es gelang, guten Ersatz zu verpflichten. Geblieben ist allerdings der Star, Spielmacher Carlos Arroyo. Vor allem ihn gilt es aus Alba-Sicht auszuschalten.

seb