Der Beifall der Fans in der O2 World war kein Trost für die Basketballprofis von Alba Berlin. Enttäuscht schlichen sie vom Feld und klatschten sich traurig mit ihren treuesten Anhängern ab. Im dritten Spiel im Top 16 der Europaliga hatte es die zweite Niederlage gesetzt: Am Ende war das Team von Trainer Sasa Obradovic beim 61:79 (34:36) gegen Real Madrid chancenlos.

Nur 25 Minuten lang hatten die Berliner mithalten können, die in Alex Renfroe (13 Punkte) ihren besten Werfer hatten. „In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Ballverluste gehabt“, sagte Cliff Hammonds. „Und als die Spanier alles getroffen haben, hatten wir keine Antwort mehr.“

Real war gewarnt gewesen. Schließlich hatte Alba zuletzt zweimal gegen spanische Klubs gewonnen. War der Erfolg gegen Unicaja Malaga in der Vorrunde noch nicht so spektakulär gewesen, hatte der Sieg gegen den großen FC Barcelona im Top 16 auch auf der iberischen Halbinsel für Aufsehen gesorgt. Die täglich erscheinende Sportzeitung „Marca“, das Haus- und Hofblatt von Real, hatte geschrieben, dass Barcelona „an der Berliner Mauer zerschellt“ sei.

Doch während Barcelona vor zwei Wochen auf seinen Star Juan Carlos Navarro und zwei weitere Profis wegen Verletzungen hatte verzichten müssen, kam Real mit dem Besten, was der 31-malige nationale Titelträger zu bieten hat. Unter anderen drei Profis, die jeweils einige Jahre in der NBA gespielt haben: Sergio Rodriguez, Rudy Fernandez und Andres Nocioni.

Starker Beginn der Berliner

„Wir dürfen nicht mit zu viel Respekt auftreten“, hatte Obradovic seiner Mannschaft vorher noch einmal deutlich gemacht. Gerade gegen Barcelona war Alba in der Anfangsphase vor Ehrfurcht fast erstarrt. Doch am Donnerstagabend hatten die Berliner den Respekt in der Kabine gelassen. Unter den Augen des neuen Bundestrainers Chris Fleming war Nationalspieler Niels Giffey gemeinsam mit Jamel McLean (12 Punkte) derjenige, der gleich den Ton vorgab und vier Punkte zum 6:4 erzielte. Mit 0:10 war Alba gegen Barca gestartet, diesmal lag man nach fünf Minuten 10:5 vorn.

Doch danach begann ein Auf und Ab bei Alba. Die Schwankungen waren groß. Erstes Beispiel war die folgende 0:11-Serie innerhalb von knapp vier Minuten zum 10:16. Wer nun gedacht hatte, die Spanier hätten ihren Rhythmus gefunden und würden den Außenseiter beherrschen, sah sich getäuscht. Dass die Spieler aus Madrid rustikal zu Werke gingen, schreckte die Berliner nicht.

Nach 16 Minuten war es erneut Giffey, der zum 30:26 traf. Zwar sahen die schnellen Spielzüge der Spanier oft sehr gut aus, doch auch Real gelang nicht alles. In den ersten 20 Minuten zeigte Madrid vor allem bei Freiwürfen Schwächen, denn nur 50 Prozent (6 von 12) waren Treffer.

Was sich allerdings schon in der ersten Hälfte zeigte: Real ist in der Lage, Fehler des Gegners gnadenlos auszunutzen. Eine Stärke, die den Berlinern, mangels Erfahrung auf höchstem europäischem Niveau, noch fehlt. Ein paar Unaufmerksamkeiten bei Berlin – gleich gab es eine 0:10-Serie zum 30:36. Beim Wechsel waren es allerdings gerade einmal zwei Punkte Rückstand (34:36). Unter dem Jubel der 9066 Zuschauer schlug Alba zurück und führte durch den gestern schwachen Reggie Redding wieder mit 40:38. Ein Schritt vor, zwei zurück: Weniger als eine Minute benötigten die Real-Stars für drei erfolgreiche Angriffe. Drei Würfe aus der Distanz, drei Treffer, neun Punkte zum 40:47. „Das war der Genickbrecher für uns“, erklärte Akeem Vargas.

Madrid mit zwölf Dreiern

Das Alba-Team und seine Fans haderten mit den Schiedsrichtern, die einige merkwürdige Entscheidungen fällten. Die Berliner spielten nun zunehmend fahriger. Die Spanier hingegen ließen sich nicht beirren, noch ein Dreier, noch einer (insgesamt zwölf). Jetzt schienen sie sich warm geworfen zu haben. Als noch zehn Minuten zu spielen waren, war der Rückstand der Gastgeber erstmals zweistellig (44:55).

Würden die Berliner noch einmal zurückkommen? Doch schnell wurde klar, dass Alba an diesem Abend keine Chance mehr bekommen würde, auch weil die Mannschaft nie über längere Phasen ihren Rhythmus halten konnte. Real baute seine Führung aus, und beim 51:64 (34. Minute) musste auch noch McLean nach seinem fünften Foul das Parkett verlassen. Der Rest war ein Schaulaufen von Real. Alba hatte seinen Schrecken für spanische Klubs verloren. Albas Geschäftsführer Marco Baldi hatte recht: „Das Ergebnis ist am Ende zu hoch ausgefallen.“ Doch er gestand auch ein: „Wir haben viel zu viel liegengelassen.“