Basketball

Alba steht am Ende einer Illusion

Tabellenführer Alba kassiert in Bamberg seine erste Niederlage in der Bundesliga. Und die fällt mit 69:98 auch noch recht deftig aus. Die Spieler stellen sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus.

Foto: David Ebener / dpa

Für manche Fans von Alba Berlin schien es schon beschlossene Sache zu sein, dass an ihrem Team auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft in dieser Saison kein Weg vorbeiführe. Die Argumente klangen durchaus überzeugend. 14 Siege in der Basketball-Bundesliga bedeuteten den zweitbesten Start in der an Erfolgen reichen Geschichte des achtmaligen Champions. Dazu das Erreichen der Top 16 in der Euroleague, während die Konkurrenz in München und Bamberg, obwohl finanziell besser ausgestattet als der Klub aus der Hauptstadt, schwächelte. Doch die schöne Serie endete, ebenso wie die Illusion von der scheinbar unbezwingbaren Alba-Defense und deren nimmermüdem Kampfgeist. Die Brose Baskets Bamberg haben den Berliner Hoffnungen mit ihrem 98:69 (48:32)-Sieg im Top-Duell einen denkbar herben Dämpfer versetzt. Obwohl Alba mit vier Punkten Vorsprung seinen Platz an der Tabellenspitze behält.

Das war das einzig Positive an diesem zweiten Weihnachtstag aus Sicht der Hauptstädter. Vielleicht noch die ordentliche Leistung ihres Centers Leon Radosevic (18 Punkte). Der Rest? „Blamage“, presste der enttäuschte Alba-Kapitän Alex King ins Mikrofon der TV-Reporterin. „Wir haben in allen Punkten katastrophal gespielt“, fügte der 29-Jährige hinzu, „dann kommt so ein Ergebnis heraus.“

Technisches Foul gegen Obradovic

Es war von Beginn an ein Spiel, das nicht den Berliner Erwartungen entsprach. Bamberg traf aus allen Lagen, was natürlich eine erfreuliche Angriffsleistung bedeutete, aber auch zeigte, dass die sonst so gefürchtete Alba-Verteidigung offenbar in der Kabine geblieben war. So entwickelte sich für die 6800 Zuschauer in der ausverkauften Brose-Arena ein attraktives Match, das den Gästen allerdings nur so lange Spaß bereitete, wie sie auch selbst noch trafen. Diese Freude hielt nicht lange vor, es gelang den Franken besser, und so gaben sie die Führung, die sie beim 11:10 erstmals eroberten, nie mehr ab, sondern bauten sie immer weiter aus. Jedes einzelne Viertel gewannen sie, was belegt, dass der Tabellenführer auch nie zu seiner kämpferischen Einstellung fand, die ihm unter anderem zu seinen Höhenflügen verholfen hat.

Das perfekte Umfeld für eine Bamberger Basketball-Gala war somit gegeben. Und die Mannschaft des italienischen Coaches Andrea Trinchieri nutzte es, spielte sich förmlich in einen Rausch. Viele Dreipunktewürfe der Herren Ryan Thompson, Brad Wannamaker, Daniel Theis und Jannis Strelnieks, krachende Dunkings von Trevor Mbakwe und gefühlt ein halbes Dutzende Alley-oops verschiedener Bamberger Darsteller waren schön anzuschauen. Allerdings schienen die Alba-Spieler auch dieser Meinung zu sein, denn sie unternahmen wenig dagegen.

Trotz der Trainer-Ansagen wollte sich nichts bessern

Sasa Obradovic wütete anfangs am Spielfeldrand, weil sich trotz seiner Ansagen nichts bessern wollte. Die Schiedsrichter schienen nicht glauben zu wollen, dass ein Trainer so böse mit seinen eigenen Akteuren sein kann und bezogen seine Schimpftiraden auf sich selbst, was dem Serben ein Technisches Foul eintrug. Von da an hielt er sich mehr zurück, begnügte sich bereits im dritten Viertel angesichts der kläglichen Darbietungen Albas mit wegwerfenden Handbewegungen.

Was bleibt nach so einem Desaster zu tun? Nicht überbewerten, möglichst schnell vergessen? Viel Zeit bleibt dem Berliner Team nicht, am Silvestertag (15 Uhr, O2 World und im Liveticker der Berliner Morgenpost) geht es bereits gegen den Mitteldeutschen BC, einen unangenehmen Kontrahenten, der gern das Play-off erreichen möchte. Der Januar hat es ohnehin in sich, denn da warten neun Pflichtspiele sowie das Allstar Game in Ulm auf Obradovics Truppe. Und die Stimmung dürfte ohnedies nicht allzu gut sein. Schon die unnötige Heimniederlage in der Europaliga gegen Cedevita Zagreb und der knappe Bundesliga-Erfolg gegen Frankfurt hatten das Gefühl heranschleichen lassen, dass da zumindest ein kleines Tief, wenn nicht gar die erste Krise der Saison im Anmarsch sein könnte.

Die Rückfahrten von den Spielen in Bamberg sind nichts Schönes nach Niederlagen, und eine solche stand dem Team bevor, als King sagte: „Wir müssen das so schnell wie möglich abhaken, aber wir müssen es natürlich auch analysieren.“ Ihm schwante schon: „Dabei werden wir Tausende Fehler finden, die wir gemacht haben.“ Den gravierendsten nannte Obradovic unmittelbar nach dem Spiel: „Wir haben schlecht verteidigt.“ Und er sagte: „Wir haben nicht das größte Talent, bestechen sonst aber durch großen Kampfgeist.“ Die Betonung lag auf sonst.