Ob es auch nach dem letzten Spiel der Saison so sein wird, weiß niemand. Aber derzeit gibt es auf die Frage, wer die Nummer eins im deutschen Basketball ist, nur eine Antwort: Alba Berlin. Das Team von Sasa Obradovic bezwang in der Neuauflage des Finales der vergangenen Saison die von seinem Lehrmeister Svetislav Pesic trainierten Bayern aus München 83:80 (40:47). 12.110 Zuschauer sahen in der O2 World ein Spiel, in dem jeder einzelne Akteur auf dem Parkett an seine Grenzen ging. Die Berliner hatten die ganze Partie über geführt, aber dennoch erst kurz vor der Schlusssirene gewonnen, als Niels Giffey den letzten Pass der Gäste abfing. Alba ist jetzt als noch einziges ungeschlagenes Team weiter souveräner Tabellenführer der Bundesliga.
„Ich denke, wir können heute beiden Mannschaften gratulieren“, sagte Pesic, „auch wir hätten gewinnen können.“ Auch Obradovic lobte den Gegner, freute sich aber besonders, dass seine Mannschaft auch unter größter Belastung „einen Weg findet, die Chemie im Team zu erhalten und damit auch gegen große Gegner zu gewinnen. Wir haben nicht immer smart gespielt, aber die Einstellung stimmte.“
Alba legte los, als hätte es die kraftraubende 89:66-Demontage des französischen Meisters CSP Limoges nur 41 Stunden zuvor nie gegeben. Auch der Deutsche Meister aus München rannte gegen eine Berliner Defensive an, in der jeder den entscheidenden Schritt extra machte. Ein Dreier vom in Unfrieden geschiedenen Heiko Schaffartzik – das war’s für die Gäste in den ersten fünf Minuten. Bei Alba lief es, angeführt von Reggie Redding, der trotz eines am Freitag leicht geprellten Knies dabei war, besser. Die Berliner führten 11:4 und hatten auch schon John Bryant, dem Star-Center der Bayern, nach drei persönlichen Fouls zu einer Pause bis zur zweiten Halbzeit verholfen.
Virus schwächt das Gästeteam
„Die Verteidigung ist unser Markenzeichen“, strahlte Jamel McLean, der zusammen mit Redding mit 23 Punkten erfolgreichster Berliner Werfer war. „Uns feuert es in der Offensive noch mal extra an, wenn wir unsere Gegner in der Verteidigung frustrieren.“ Die Bayern ergaben sich ihrem Schicksal aber nicht. Sie hatten bereits am Donnerstag in der Europaliga überraschend bei Turow Zgorzelec in Polen mit 78:89 verloren und eine Woche Training unter einem verärgerten Pesic nach zwei Niederlagen wollten Schaffartzik & Co. in jedem Fall verhindern. Doch Alba hielt die Gäste auf Distanz, erst nach einen weiteren Dreier Schaffartziks kamen sie bedrohlich nahe (22:19/10.).
„Ich bin der einzige, der gesund ist“, hatte Pesic vor der Partie erzählt. Ein Magen-Darm-Virus gehe in seinem Team seit Wochen von Spieler zu Spieler. Nationalspieler Robin Benzing sei gar nicht erst dabei, Vasilije Micic und auch Savanovic angeschlagen. „Taktisch sei alles in Ordnung gewesen, aber die Kraft hat gefehlt.“
Vielleicht lag es daran, dass die Bayern gerade mal Anschluss halten konnten, als die Beine der Berliner merklich schwerer wurden. Die Verteidigung stand nach wie vor und Alba entschied das Rebound-Duell 43:28 klar für sich. Es gab also oft zweite Chancen, wenn die Würfe jetzt seltener ihr Ziel trafen. Die Bayern kamen bis auf 42:40 (19.) heran, bevor sich Alba vor der Pause durch Redding und Alex Renfroe erneut mit 47:40 absetzte.
Wille und Einsatz bestimmten die Partie. Es wurde mehr und mehr Basketball gearbeitet, einfache Punkte gab es nicht mehr, Zählbares gab es meist nur durch Freiwürfe. Alba traf von 35 Freiwürfen 29, die Bayern sogar 32 von 36. Es war hart, erfreulicherweise aber nie fies, obwohl zwischen beiden Klubs einige Animositäten bestehen. Nach einem Dreier Renfroes führte Alba erstmals zweistellig (63:53/29.), Anton Gavel blieb die Antwort aber nur einige Sekunden schuldig – 63:58 nach dem dritten Viertel.
John Bryant war zu diesem Zeit schon wieder länger im Spiel, ohne seine Foulprobleme weiter zu verschärfen und es bewahrheitete sich wieder mal, dass er an guten Tagen nicht zu stoppen. Durch Milic und ihn wurde es noch einmal richtig brenzlig. Beim 71:70 (37.) wollten Schaffartik und Milic die Bayern per Dreier erstmals in Führung bringen, trafen aber nicht. Auch Lucca Staiger und Savanovic konnten die Partie nicht kippen, obwohl sie aus der Distanz trafen.
Wie beim Champions Cup
Hammonds, McLean und Redding ließen die Wende zu Gunsten des Titelverteidigers nicht mehr zu und Giffey setzte den Schlusspunkt. „Ich bin stolz darauf, dass wir das Spiel mit unbändigem Willen für uns entschieden haben“, sagte Kapitän Alex King. Es war der zweite Sieg seiner Mannschaft gegen den Meister in dieser Saison. Ende September hatte Alba den mit einigem Prestige versehenden Champions Cup (Meister gegen Pokalsieger) mit 76:68 gegen die Bayern gewonnen.




