Basketball

Der „Iceman“ kehrt als Reiseleiter nach Berlin zurück

Wendell Alexis zeigt am Wochenende des 25. Mauerfall-Jubiläums seinen Freunden und Nachbarn aus New Jersey die Stadt, in der er bei Alba zur Legende wurde.

Foto: Marco Kohlmeyer / picture-alliance / dpa

Der „Iceman“ ist in Berlin. Wendell Alexis landete am Donnerstagmorgen pünktlich zum Wochenende der großen Feiern. Die Stadt, in der er seine glanzvolle Basketball-Karriere von 1997 bis 2002 mit sechs Meistertiteln und drei Pokalsiegen krönte, bejubelt das 25. Jubiläum des Mauerfalls. Alba Berlin, der Klub, der nie wieder die Nummer 12, die Alexis damals auf dem Trikot trug, vergeben wird, feiert den 25. Geburtstag und er selbst noch mal seinen Geburtstag nach. Albas Legende, mittlerweile leicht ergraut, wurde am 31. Juli 50 Jahre alt.

Natürlich wird Alexis am Freitag beim Spiel gegen Limoges (20 Uhr) und am Sonntag gegen Bayern München (17 Uhr) in der O2 World sein und dann alles andere als eiskalt die Ovationen der Fans lächelnd entgegennehmen. Und sicherlich wird die Zeit nicht reichen, mit allen in Ruhe zu reden, die er nach Jahren wieder trifft.

Der erfolgreichste Scorer in Albas Historie (5922 Punkte in 341 Spielen) ist an diesem verlängerten Wochenende allerdings nur als Teilzeit-Promi unterwegs in der Stadt, die er liebt. Hauptberuflich ist er sozusagen Reiseleiter. Er ist mit zehn Freunden aus seiner Nachbarschaft in New Jersey unterwegs.

Statt Dinner Abflug nach Berlin

„Wir Männer haben uns am Wochenende vor Thanksgiving traditionell zum Dinner und auf ein paar Drinks getroffen und letzten November festgestellt, das es eigentlich immer das Gleiche ist und so langsam langweilig wird“, erzählt Alexis. „Ich habe dann irgendwann Berlin ins Spiel gebracht und die Diskussion war bald mit einem einstimmigen Votum beendet. Sie haben mich ja Sommer für Sommer kommen und wieder nach Berlin fliegen sehen. Und immer wieder haben, Nixia, meine Frau, und ich von Berlin erzählt.“ Also: Kein Dinner im Restaurant um die Ecke mehr, sondern Abflug nach Berlin.

Manch einer würde jetzt erzählen, wie sehr er alles daran gesetzt hat, zum Wochenende der großen Feiern eine Punktlandung in Tegel hinzulegen. Der „Iceman“ hat aber auch als Spieler nie Lorbeeren für sich reklamiert, die ihm nicht zustehen. „Ganz kurz war mein Geburtstag als Reisedatum im Gespräch, aber wir alle sind Familienväter und es waren Ferien, das ging einfach nicht.“ Dann also der November. „Wir haben dann gewartet, bis Albas Spielplan feststand und die Flüge gebucht“, erzählt Alexis weiter und fängt an zu lachen. „Erst als wir Schwierigkeiten mit dem Buchen der Hotelzimmer hatten, war klar, dass irgendetwas Besonderes in Berlin los sein muss.“ Was er dann auch zügig herausfand.

Drei Söhne mit Gardemaß

Per Zufallstreffer bei den Feiern zum Mauerfall dabei zu sein, erhöhte die Vorfreude der Gruppe und ihres Reiseleiters erheblich. Das Programm allerdings, das Alexis für seine Freunde bereit hält, birgt kaum Überraschungen: Reichstag, Potsdamer Platz, Olympiastadion, Schloss Charlottenburg, East Side Galerie, sein Frühstückscafé in Schöneberg und der Wacholderweg in Westend, wo er während seiner Zeit bei Alba lebte. „Mal sehen, ob er schon in Wendell-Weg umbenannt ist“, schmunzelt Alexis, der seinen Freunden erzählen könnte, wie er seine drei Söhne Anell, Davide und Julian, auf der Rückbank des silbernen Mercedes-Kombi wie die Orgelpfeifen aufgereiht, morgens zur Schule gebracht hat.

Mittlerweile würde es für die drei auf Papas Rückbank recht kuschelig eng zugehen, zumal auf dem Fahrersitz immer noch jemand säße, der ein 2,06 Meter großer Modellathlet ist und dem man nicht ansieht, dass er mittlerweile seit Jahren als Manager in einem Krankenhaus arbeitet.

Der nächste Alexis kommt

Alexis ältester Sohn Anell ist 24, misst 2,01 Meter, Davide und Julian sind 22 und 18 Jahre alt und 1,93 beziehungsweise 1.91 Meter groß. Zwei haben das Basketball-Gen gererbt. Einer aber ist seit seiner Zeit in Berlin für Korb und Ball verloren, seine Leidenschaft gilt den Pferden. „Davide studiert im dritten Jahr an der Uni of Delaware und macht sich Hoffnungen, professioneller Springreiter zu werden“, erzählt Alexis.

Anell hingegen hat sein Studium bereits abgeschlossen und will jetzt Basketball-Profi werden. „Im Moment ist er mit der Nationalmannschaft in Panama und wird am Wochenende ein Turnier in Mexiko spielen. Wenn er zurück ist, wird er den ersten Schritt machen – in Europa und wenn es geht, in Deutschland. Es wäre auch kein Problem, wenn er sich von einer unteren Liga hocharbeiten würde.“

Seinem Jüngsten drückt Alexis die Daumen, dass „er vielleicht noch fünf Zentimeter wächst. Julian absolviert sein letztes Jahr an der Highschool, ist einer der Top-100-Spieler in New Jersey und wird wohl auch seine Karriere am College fortsetzen“, erzählt Alexis, der bei der Frage, ob vor dem Abflug nach Berlin Abschiedstränen flossen, erneut lachen muss. „Nein, nein“, sagt der „Iceman“. „Wir waren jetzt dran. Unsere Frauen war schon im Januar gemeinsam in Panama.“