Basketball

Alba Berlin will sich nicht aus dem Konzept bringen lassen

Im dritten Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft setzen die Berliner gegen die Münchener auf mannschaftliche Geschlossenheit. Geschäftsführer Baldi gibt die Devise aus: „Hungrig bleiben!“

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Seit 24 Jahren in der Basketball-Liga, immer im Play-off, jetzt zum 15. Mal im Finale – und Marco Baldi war immer dabei. Noch nie allerdings musste Albas Geschäftsführer in all den Jahren einen so emotionalen Spagat hinlegen wie in dieser Endspielserie gegen Bayern München.

Da ist die Freude, schon weit mehr erreicht zu haben, als zu erwarten war mit dem im vergangenen Sommer neu zusammengestellten Team. Dagegen steht aber mit aller Macht der innere Befehl, jede Art von Zufriedenheit zu unterdrücken.

Denn der ganz große Triumph ist zum Greifen nahe. Drei Spiele stehen maximal in dieser Saison noch an, zwei Siege trennen Alba von der neunten Meisterschaft. Gewinnen die Berliner an diesem Sonntag beim FC Bayern die dritte Partie der „Best of five“-Serie (17 Uhr, Sport1 live), hätten sie am Mittwoch daheim den ersten Matchball, die Spielzeit nach dem Pokalsieg mit dem Double zu krönen.

Bis dahin gibt Baldi für alle die Devise aus: hungrig bleiben! So hungrig wie in Spiel zwei, als Alba die Serie nach der Auftakt-Niederlage in München (81:88) mit einem glanzvollen 95:81 ausglich. „In München haben wir uns aus dem Konzept bringen lassen und sind zurückgewichen“, sagt Baldi: „In Berlin sind wir bei unserem Spiel geblieben, und immer, wenn uns das gelingt, kommt unsere Geschlossenheit zum Tragen, die uns schon die ganze Saison ausgezeichnet hat.“

Alba Berlin ist das beste Defensiv-Team der Liga

Zwar habe Alba nicht so viele gute Einzelspieler wie die Bayern, aber seine Mannschaft sei dennoch das beste Defensiv-Team der Liga und habe in den drei Tagen zwischen dem ersten und zweiten Spiel bewiesen, lernfähig zu sein. „Einerseits aggressiv, aber gleichzeitig auch konzentriert und ruhig zu bleiben“, sei jetzt der Schlüssel für das wichtige dritte Spiel, sagt Albas Play-off-Routinier.

Die Münchner trafen bei Albas Heimsieg 60 Prozent ihrer Würfe, mehr ginge eigentlich nicht, aber sein Team habe „19 Ballverluste erzwungen, weil wir permanent in den Passwegen standen“. Jetzt in München auch nur geringfügig von dieser Route abzuweichen, wäre „fatal“.

Albas denkwürdige Reise durch die Ukraine gibt Hoffnung

Das dritte Finalspiel ist Albas 69. Pflichtspiel in dieser Saison, und die Mannschaft hat nicht nur einmal bewiesen, dass sie nahezu jeden schlagen kann, wenn sie die von Baldi geforderten Tugenden zeigt. Quer durch Europa, auch beim Pokalsieg in Ulm oder dem Auswärtssieg in München am Ende der Hauptrunde.

Aber natürlich sei das Siegen leichter, wenn man „von über 12.000 Fans in eigener Halle getragen wird und sich nicht gegen die Pfiffe der 6000 in München durchzusetzen muss“. Sicherlich. Aber vielleicht sollte sich Albas Mannschaft an eine denkwürdige Reise erinnern, die sie Ende Januar unternahm. Da irrte das Team tage- und nächtelang bei klirrender Kälte mit Bus und Flugzeug durch die Ukraine, um als Höhepunkt der Odyssee Chimik Jushne 68:65 nach Verlängerung zu schlagen. Jetzt heißt es, noch maximal drei Spiele genauso unbeugsam und hungrig zu bleiben.