Basketball

Das Finale zwischen Alba und Bayern ist eine harte Nummer

Noch ist nichts Entscheidendes passiert. Damit das Finale um die Meisterschaft spannend bleibt, braucht Alba aber nun einen Sieg gegen die Bayern. Und Schiedsrichter, die ordentlich pfeifen.

Foto: Johannes Simon / Bongarts/Getty Images

Man nimmt es den Basketballern von Alba Berlin ab, wenn sie versichern, dass sie nach der Niederlage in Spiel eins der Finalserie gegen Bayern München nicht in Weltuntergangsstimmung sind. Bei einer „Best of five“-Serie, in der der Gegner das Heimrecht hat, müsse man seine beiden Heimspiele und einmal auswärts gewinnen, wird nüchtern vorgerechnet. Die erste Chance, in fremder Halle das Parkett als Sieger zu verlassen, habe man am Sonntag verstreichen lassen, zwei weitere kämen ja noch. Allerdings, und auch das wissen die Spieler von Coach Sasa Obradovic, geht diese Rechnung nur auf, wenn sie die Serie am Donnerstag in der O2 World (18.15 Uhr, Sport1 live) mit einem Sieg zum 1:1 ausgleichen.

Hoffen auf mehr Freiwurf-Glück

„Wir haben in München nicht wirklich gut gespielt und hatten dennoch eine Siegchance“, sagt Reggie Redding. Der Amerikaner ist im Laufe der Saison immer mehr zu dem Spieler geworden, den die Mannschaft am Ende der Spiele sucht, wenn es spitz auf Knopf steht. Im ersten Halbfinale gegen Quakenbrück rettete er Alba, als er mit drei verwandelten Freiwürfen drei Sekunden vor der Schlusssirene die Verlängerung erzwang. Auch in München stand er im Schlussviertel mehrfach an der Freiwurflinie, verfehlte aber – wie auch Leon Radosevic und Levon Kendall – jeweils den ersten Versuch.

„Manchmal triffst du, manchmal nicht“, sagt Redding, wissend, dass auch am Donnerstag der Ball in entscheidenden Situationen wohl oft bei ihm landen wird. „Der Coach und die Mannschaft vertrauen mir. Ich denke, ich habe gegen Ende oft die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Auch in München: „Ich habe die Fouls der Bayern erzwungen, war an der Freiwurflinie, hab dann aber nicht getroffen. Nicht jeder Wurf ist drin, das muss ich ganz einfach abhaken. Wir müssen das Positive in das Spiel am Donnerstag mitnehmen.“

Von einer Minute zur nächsten war die Luft raus

Wozu ganz ohne Zweifel das erste Viertel zählt, in dem Alba die Bayern in eigener Halle klar dominierte. Dann allerdings war die Luft von einer Minute zur nächsten bei den Berlinern raus. „Als sie stärker wurden, haben wir etwas von unserer Aggressivität verloren und zugelassen, dass ihr Selbstbewusstsein wuchs“, erklärt Redding, „wenn sich eine Mannschaft wie die Bayern erst mal wohl fühlt, ist sie nur schwer zu stoppen.“

Auch Albas Mann für die kniffligen Momente erwähnt den sonderbaren Umstand, dass den Bayern 50 Freiwürfe und seinem Team nur 22 zugesprochen wurden. Ein Trend, der Ende des ersten Viertels begann und vielleicht durch eine Bewegung von Kapitän Sven Schultze verstärkt wurde. Dessen Ellenbogen ging ohne Not und abseits des Balles in Richtung des Kopfes von Bayern-Spielmacher Malcolm Delaney.

„Darüber ärgere ich mich immer noch“, sagt Schultze, der Glück hatte, dass die Aktion ihm nur als Unsportlichkeit ausgelegt wurde und nicht als Tätlichkeit. Die hätte nämlich eine Sperre nach sich gezogen. „Dass ich für ein hartes Foul gut bin, ist ja bekannt. Aber damit habe ich meiner Mannschaft eher geschadet als geholfen.“ Er habe sich vorher schon „mit Savovic gekabbelt“. Dann stieß ihn Delaney an, da habe er gedacht: „So nicht, Freundchen!“

Top-Referee Lottermoser soll in Berlin pfeifen

Mit „So nicht!“ lässt sich auch die Reaktion Obradovics zusammenfassen, denn Aktionen wie die seines Kapitäns zeigten, dass „man den Fokus auf das eigene Spiel verliert. Das darf nicht passieren“. Taktisch müsse sein Team „auf einer Wellenlänge bleiben“, und zwar von der ersten bis zur letzten Sekunde. „So große Schwankungen wie im zweiten und dritten Viertel darf sich ein Team, das Champion werden will, nicht leisten.“ Beide Teams spielten extrem physisch, keiner dürfe „sich provozieren lassen“ oder „auf irgendeine Hilfe hoffen, schon gar nicht auf die der Schiedsrichter“.

Dass es ein ähnlich wirres Gepfeife geben wird wie im ersten Spiel, ist allerdings nicht zu erwarten. Die Liga dürfte wohl kaum ihrem mit Abstand besten Referee, Robert Lottermoser, am Donnerstag erneut frei geben. Obradovic fordert dessen Einsatz: „Robert Lottermoser hat die Spiele immer gut im Griff. Im Finale sollte der Beste pfeifen.“ Hinzu kommt der Heimvorteil. Zur Erinnerung: Alba hat in dieser Saison erst zwei seiner insgesamt 35 Heimspiele verloren. Zwei Niederlagen in Folge gab es auch erst zweimal. In Rom und Bonn Ende Oktober, in Saragossa und zu Hause gegen Bremerhaven Ende November – das ist lange her.

Schlüssel-Duell zwischen Hammonds und Delaney

Eines der Schlüssel-Duelle dürfte sicherlich das der beiden Spielmacher werden: Albas Clifford Hammonds, bester Verteidiger der Liga, gegen Malcolm Delaney, den „wertvollsten Spieler“ (MVP) der BBL. „Delaney ist sehr explosiv und ein kompletter Spieler. Deshalb ist er auch zum MVP gewählt worden“, sagt Hammonds. Am Sonntag habe er ja nicht so viel geworfen, sondern „seine Punkte mehr von der Freiwurflinie gemacht“, erzählt Albas-Top-Verteidiger. „Wir müssen einen Weg finden, ihn auch ohne Foul zu stoppen. Er punktet, er verteilt den Ball, wir müssen seine Kreise noch weiter einschränken. Und zwar als Team, wie schon die ganze Saison.“

Was Alba zur besten Defensiv-Mannschaft der Liga machte. Als solche will sich Alba in der wohl ausverkauften O2 World präsentieren. „Wir wollen den Heimvorteil nutzen“, sagt Schultze, „und uns nicht abledern lassen. Die Bayern sind zu schlagen, das haben wir in dieser Saison schon zweimal geschafft.“ Und aller guten Dinge sind drei – erst einmal ...