Was für ein erstes Finale. Alba Berlin verlor Spiel eins der „Best of five“-Serie zur Deutschen Meisterschaft bei den Basketballern von Bayern München mit 81:88 (39:44). Und die Frage, warum die Berliner nur mit sieben Punkten Differenz verloren haben, stellt sich genauso wie die, warum sie den Auftakt der Endspielserie eigentlich nicht gewonnen haben.
Sie starteten nämlich überragend, führten bald mit 21:9 (7.), trafen dann aber in der Folge überhaupt nicht mehr. Besonders eklatant war das Scheitern an der Freiwurflinie, mit der in der Schlussphase gegen sichtlich desorientierte Bayern der Versuch misslang, die Partie doch noch zu drehen.
Wie auch immer: Verloren ist verloren. Unter dem Strich bleibt, dass das Team von Sasa Obradovic jetzt gut beraten ist, das zweite Spiel am Donnerstag in der O2 World (18.15 Uhr) zu gewinnen, um die Chancen auf Albas neunten Meistertitel der Vereinsgeschichte nicht gen Null gehen zu lassen.
Bayern anfangs überrascht
Die Gäste legten im Audi Dome, in dem irreguläre Temperaturen von 32 Grad und mehr gemessen wurden, einen Start hin, dass Bayern völlig überrumpelt wurde. Center Yassin Idbihi, in der vergangenen Saison noch Publikumsliebling in Berlin, sprach sogar anerkennend von „absolutem europäischem Spitzenniveau“. Welches dann allerdings, nach 30 Punkten im ersten Viertel, nicht annähernd gehalten wurde.
Bayern-Coach Svetislav Pesic, bekanntermaßen wie so viele bei den Münchnern ebenfalls ein ehemaliger Berliner, sogar einer mit Helden-Status, gestand im Nachhinein ein: „Obwohl wir auf Albas Druck vorbereitet waren, hat es doch gedauert, bis wir uns auf ihre Defense eingestellt haben. Glücklicherweise ist uns das rechtzeitig gelungen, und wir haben im Verlauf des Spiels begonnen, zu agieren statt zu reagieren.“
Was nur möglich war, weil die Bayern sich der Aggressivität und der Intensität ihrer Gäste erst anpassten und sie in den Vierteln zwei (9:20) und drei (18:26) dann sogar toppten. Vor diesem Hintergrund fällt beim Betrachten der Statistik ins Auge, dass den Gastgebern in den 40 Minuten Kampf auf Biegen und Brechen 50 Freiwürfe und Alba nur 22 zugesprochen wurden.
Obradovic wirft Delaney „Flopping“ vor
„Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Gegner so viele Freiwürfe zugesprochen kriegt“, sagte Coach Obradovic. Was auch schwer genug gewesen wäre: Seit Beginn der digitalen Datenerfassung zur Saison 1998/99 gab es Liga-Sprecher Dirk Kaiser zur Folge nur neun Bundesliga-Partien, in denen ein Team mehr Freiwürfe werfen durfte. Während sich sein Trainer noch halbwegs diplomatisch gab, machte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi seiner Verärgerung bereits zur Halbzeit Luft, sagte: „Bei manchen Entscheidungen hat man das Gefühl, da wird gewürfelt.“
Der Zorn bezog sich natürlich auf das, was gepfiffen wurde, aber auch auf Szenen, in denen die Pfiffe absurderweise ausblieben. Einige davon hätten Bayern-Star Malcolm Delaney gelten sollen, findet Obradovic, der dem „Wertvollsten Spieler“ der Liga (MVP) „Flopping“ vorwirft – im Fußball hätte er wohl „Schwalben-König“ gesagt. „Delaney floppt ununterbrochen. Das können doch alle sehen. Auch wenn es Teil des Spiels ist, es muss geahndet werden“, forderte Albas Coach, wohl aber auch in dem Wissen, dass seitens der Referees nicht zum ersten Mal in diesem Play-off wesentlich weniger komplexe Situationen nicht adäquat beurteilt werden konnten.
„Kein Beinbruch, weiter geht‘s“
„Delaney provoziert halt die ganze Zeit“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel, dem da ohne weiteres ein Urteil zusteht. Er war auf gleicher Position in seiner aktiven Zeit auch kein Kind von Traurigkeit. „Man kennt solche Heimspiele ja vom Balkan, und damit meine ich nicht nur die Temperatur“, kommentierte auch Demirel indirekt die Schiedsrichter-Leistung. „Bei uns in der Arena ist es ja etwas kühler, vielleicht ist das besser für alle Beteiligten“, sagte Demirel mit Blick auf das Reglement der Liga, dass Spiele eigentlich bei Temperaturen über 26 Grad gar nicht angepfiffen werden dürfen. Eine Verlegung der Partie stand dennoch nie zur Diskussion.
Albas Sportdirektor weiß aber auch, dass seine Mannschaft in den Vierteln zwei und drei gerade mal 27 Punkte erzielte und es mit einer Freiwurfquote von 59 Prozent versäumte, die Partie doch noch zu kippen. „Wir haben noch nie Alibis gesucht und werden uns an der eigenen Nase packen“, sagte er. „Wir werden die Sachen ändern, die wir auch ändern können.“
„Ärgerlich“ sei die Niederlage schon, gab Jan-Hendrik Jagla zu. „Aber was soll’s?“ Das sei „nicht das Ende der Welt. Wir stehen unter Druck, das ist klar. Aber dass wir zu Hause gewinnen müssen und auswärts eins klauen, war schon vorher klar. Kein Beinbruch, also, weiter geht’s.“

