Für die meisten Alba-Spieler sind Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson oder auch der verletzte Nihad Djedovic Basketballer in roten Trikots, deren Schwächen sie nutzen und deren Stärken sie nicht zur Entfaltung kommen lassen dürfen. Nur einer kennt auch die Typen, die in den Bayern-Farben stecken. Noch in der vergangenen Saison spielten die vier zusammen mit Sven Schultze für Alba. Dann verpflichtete die Bayern in einer Art Massentransfer das Quartett, was in Berlin nicht besonders gut ankam.
Jetzt treffen sich Albas Kapitän und die Ehemaligen, zu denen auch Bryce Taylor, Lucca Staiger, Steffen Hamann, Demond Greene sowie die Coaches Svetislav Pesic und Emir Mutapcic im Finale um die Deutsche Meisterschaft wieder. Gespielt wird nach dem Modus „Best-of-five“. „Für den deutschen Basketball ist diese Paarung sehr interessant“, sagt Kapitän Schultze, 35, vor dem ersten Duell am Sonntag im München (16.15 Uhr, Sport1) nicht ohne ein leichtes Schmunzeln.
Berliner Morgenpost: Alle reden vom Traumfinale. Auch Sie, Herr Schultze?
Sven Schultze: Na, irgendwie schon. Auf jeden Fall steckt in den Duellen mit den Bayern einiges an Brisanz, das hat sich auch schon während Saison gezeigt. Das liegt eindeutig daran, dass Svetislav Pesic hier Trainer und sein Sohn Marko hier Spieler war, aber vor allem an den Jungs, die letztes Jahr noch hier waren. Sie sind ja im Prinzip nach München gegangen, um einen Titel zu holen und wir wollen ihnen den jetzt vielleicht wegschnappen.
Sie sind bis auf Trainer Sasa Obradovic der Einzige im Alba-Team, der die Ehemaligen besser kennt. Ist das ein Vorteil, dass der Rest der Mannschaft da völlig unbedarft rangehen kann?
Das weiß ich nicht. In den Spielen in der Hauptrunde haben Heiko und die anderen das gut außen vor lassen können. Da war die Sache mit Heikos Trikot, aber das wurde ja auch aufgebauscht. Und außerdem ist das doch alles sehr lange her und jetzt geht es um ganz etwas anderes. Das wird eine heiße Serie.
Haben Sie noch zu den ehemaligen Mitspielern und Neu-Bayern denn noch Kontakt?
Nein, hier und da mal eine SMS an Yassin, mit Bryce habe ich ab und an mal geredet, zuletzt aber beim Pokal-Top-4, das ist ja auch nun auch schon länger her. Das war es schon. Die sind so viel unterwegs, wir sind so viel unterwegs – da kommuniziert man eher weniger.
Haben Sie den entscheidenden Sieg der Bayern im fünften Halbfinale gegen Oldenburg gesehen?
Ja, ein paar von uns sind nach dem Training noch spontan zu Alex King, haben fern gesehen und etwas gegessen.
Und? Gab es für Sie oder die anderen bahnbrechende Erkenntnisse?
Hm. Wenn die Oldenburger es länger hätten knapp halten können, hätten die Bayern vielleicht Probleme bekommen. Aber sie waren ganz offensichtlich doch müde, weil die beiden Spiele, die sie gewonnen hatten, doch sehr intensiv und sie am Limit gewesen waren. Dann haben sich die Bayern mit dem Heimvorteil im Rücken im dritten Viertel in einen Rausch gespielt und, ich denke, verdient gewonnen. Auffällig war, wieviele Offensiv-Rebounds die Bayern geholt und sich dadurch zweite Wurfchancen erarbeitet haben. Das müssen wir natürlich unterbinden.
Die Bayern haben auch gegen Sie im ersten, dritten und möglichen fünften Spiel Heimvorteil.
Stimmt, aber wir haben da während der Saison schon gewonnen und Oldenburg hat dort jetzt im Halbfinale auch gewonnen. Also, eine Festung ist der Audi-Dome nicht wirklich.
Die Bayern brauchten fünf Spiele, um sich für das Finale zu qualifizieren, Alba nur vier, was Ihnen zwei Tage mehr Zeit zur Regeneration brachte. Ein Vorteil?
Ich denke schon, gerade weil wir von einer sehr intensiven Verteidigung leben und die Serie gegen Quakenbrück schon anstrengend war. Beim ersten Training am Donnerstagabend war es ein wenig schwierig, weil wir noch nicht wussten, wer der Finalgegner wird, aber da haben wir an unserer Offensive gearbeitet. Aber beide Mannschaften kennen sich ja mittlerweile ohnehin gut, wir wissen, dass die Bayern gern schnell nach vorn spielen und dann den freien Wurf nehmen, wenn sie ihn haben.
Auf wem liegt jetzt der größere Druck?
Na ganz klar bei den Bayern. Sie haben ja mit dieser Mannschaft, diesem Trainer und diesem Etat die Meisterschaft von Beginn an als ihr Saisonziel ausgegeben.

