„6 down, 3 to go!“ – sechs sind abgehakt, drei Siege fehlen noch. Anfang Oktober vergangenen Jahres hätte kaum einer gedacht, dass das die Marschroute der Basketballer von Alba Berlin vor dem ersten Spiel der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern München sein würde.
Der Emporkömmling von der Isar war drei Jahre nach dem Aufstieg schon Endspielkandidat Nummer eins. Aber Alba? Wurden nicht gleich vier Berliner Leistungsträger von den Münchnern abgeworben? Wird der Klub, der keine halben Sachen macht, nicht vom großen Svetislav Pesic und Bundestrainer Emir Mutapcic trainiert?
Schon. Aber Alba ist auch auf die Zielgerade der Saison eingebogen – und zwar souverän. Am Sonntag läuft das Berliner Team zum ersten Spiel der „Best-of-five“-Serie in München (16.15 Uhr, Sport1 live) auf. Die Mannschaft hat sich nach dem Neuanfang im vorigen Sommer selbst überrascht, „alle Erwartungen übertroffen, auch die eigenen“, wie Sportdirektor Mithat Demirel zugibt. Sie hat Rekord-Siegesserien hingelegt, nur zwei Heimspiele und „nur einmal in der ganzen Saison zwei Partien hintereinander verloren“ (Demirel), den Champions Cup und den Pokal gewonnen. Klar, dass das Team von Sasa Obradovic diese Erfolgsstory zu Ende schreiben will. „6 down, 3 to go!“
Es gibt kaum Geheimnisse
Obradovic steht in dieser Finalserie vor einer „besonders großen Herausforderung“, denn sein Gegenüber Svetislav Pesic „einer der besten Coaches überhaupt“, dürfte ihn geprägt haben wie kaum ein anderer. „Große Geheimnisse“ hätten weder er noch sein ehemaliger Mentor auf Lager, glaubt Albas Trainer. „Ich kenne fast alles, was er tun wird“, sagt Obradovic und zieht dann schmunzelnd die Schultern hoch: „Aber was du vorher weißt, kann sich im Spiel sehr schnell ändern.“
Sicherlich nicht ändern wird sich die Rolle von Malcolm Delaney im Spiel der Bayern. Der „wertvollste Spieler der Liga“ (MVP) ist für Obradovic „der Schlüsselspieler“, ohne ihn seien die Bayern schon etwas „limitiert, was nicht als Respektlosigkeit den anderen gegenüber verstanden werden soll“. Dass sich Clifford Hammonds, jüngst als bester Verteidiger der Liga geehrt, um Delaney kümmern wird, ist auch kein Geheimnis. Gerade noch hatte er Quakenbrücks David Holston vor der Brust, jetzt ist es MVP Delaney. Die Aufgabe werde noch anspruchsvoller, mutmaßt Hammonds, denn Delenay sei sowohl „bei den Distanzwürfen als auch beim Zug zum Korb noch gefährlicher“, sagt Albas „Berliner Mauer“, wie Obradovic seinen Spielmacher nennt. Zudem sei Verteidigung ohnehin „eine Mannschaftsleistung“, sagt er, ohne zu erwähnen, dass Alba das beste Defensivteam der Liga ist.
Beide Teams vor dem Höhepunkt einer erfolgreichen Saison
Auch auf den zweiten Spielmacher der Bayern, Heiko Schaffartzik, der im vergangenen Sommer im Unfrieden von Alba schied, wird zu achten sein. Er schockte Oldenburg im Halbfinale mit einigen unglaublichen Dreier-Würfen. Für ihn seien „die Duelle unterm Korb fast noch wichtiger“, sagt Schaffartzik. „Die Rebound-Hoheit ist fast immer ein entscheidender Faktor.“ Bezüglich seines Abschieds, dem ihm vor allem die Berliner Fans übel nahmen, rühren sich bei ihm „keine Gefühle mehr“. Das sei alles „weit weg und lange her“. Die Entscheidung, zu den Bayern zu gehen, sei „auf jeden Fall die richtige gewesen“. Jetzt stünden die Teams im Finale, „die die beste Saison gespielt haben“. Oder wie es sein Gegenspieler Hammonds formuliert: „Jetzt spielen die Besten gegen die Besten.“
Es scheint, als habe die grandiose Saison, mit der Alba auf den Großeinkauf des Krösus reagierte, vieles von der Schärfe genommen, mit der beide Klubs noch zu Saisonbeginn miteinander verkehrten. Womöglich liegt es auch an Strafvollzug von Uli Hoeneß. „Natürlich lässt sich das Duell unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten, aber all das sollten wir ausblenden“, sagt Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic. „Diese Finalserie gehört den Spielern, das haben sich die Spieler beider Vereine verdient, auch Berlin hat eine grandiose Saison gespielt.“
„6 down, 3 to go!“ - aber Vorsicht, das gilt auch für die Bayern.

