Basketball

Pokalsieger Alba Berlin im Play-off-Finale der Bundesliga

Nach dem 69:61-Erfolg bei den Artland Dragons können die Berliner jetzt vom Meistertitel in der Bundesliga träumen. Alba trifft am Sonntag auf den Sieger aus der Partie zwischen München und Oldenburg.

Foto: Ingo Wagner / dpa

Als zehn Sekunden vor Schluss Albas Center Levon Kendall mit einem Freiwurf den 69. Punkt für seine Mannschaft erzielt hatte, herrschte in der „Artland-Arena“ für einen kurzen Moment Stille. Man hörte nur die etwa 50 Berliner Fans, die jubelten.

Geschafft: Kendall hatte den Schlusspunkt zum 69:61 (36:29) von Alba Berlin bei den Artland Dragons gesetzt. „Finaaaaale!“, schallte es aus der kleinen Berliner Kolonie. Albas Basketballteam hatte durch diesen Erfolg den notwendigen dritten Sieg in der Halbfinalserie „Best of five“ errungen und steht erstmals seit 2011 wieder im Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi war als Erster bei Trainer Sasa Obradovic und herzte ihn innig. Wer hätte das gedacht? Die im Sommer 2013 völlig neu zusammengestellte Mannschaft setzte einer schon bis dahin sehr guten Saison noch das vorläufige Sahnehäubchen auf. Erst das Erreichen des Viertelfinales im Eurocup, dann der Pokalsieg, jetzt der Finaleinzug: „Ich bin so stolz auf meine Mannschaft“, sagte Obradovic. „Wir haben bisher eine gigantische Saison gespielt.“

Fünftes Spiel zwischen Oldenburg und München am Donnerstag

„Diese Mannschaft ist der Wahnsinn“, sagte Jan Jagla strahlend. „Dieser Teamgeist ist etwas ganz Besonderes.“ Die Spieler jubelten allerdings nicht überschwänglich. Vielleicht, weil sie zu müde zum Feiern waren. Vielleicht aber auch, weil sie bei aller Freude dachten: Das muss es doch noch nicht gewesen sein...

Nach dem 3:1 im Halbfinale treffen die Berliner in der Endspielserie jetzt auf den Sieger der Auseinandersetzung zwischen Bayern München und den Baskets Oldenburg. Hier steht es 2:2, nachdem die Oldenburger am Dienstag zu einem 70:60 (29:31) gegen München kamen. Am Donnerstag muss in München im fünften Spiel die Entscheidung fallen.

Klar ist nur, dass Finale Nummer eins der Serie „Best of five“ am Sonntag stattfinden wird. Heißt Albas Gegner München, wird dort gespielt, sollte sich Oldenburg durchsetzen, würde Alba mit einem Heimspiel einsteigen.

Aufgeladene Atmosphäre in der „Drachenhölle“

Es war klar, dass das Ganze auch eine Frage von Willen und Kraft sein würde. Am Ende hatten die Berliner von beidem mehr. „Wir haben den Sieg verdient“, stellte Obradovic fest. Zumindest psychologisch hatte sich Alba im Vorteil gesehen. Die Quakenbrücker mussten unbedingt gewinnen. Eine Niederlage – und die Saison wäre für die Mannschaft von Coach Tyron McCoy beendet gewesen. „Die Dragons stehen mit den Rücken zur Wand“, hatte Baldi schon direkt nach dem Heimsieg der Berliner am Sonntag festgestellt. Alba hingegen war in der eigentlich komfortablen Situation, selbst bei einer Niederlage noch einen weiteren Matchball in eigener Halle zu haben.

In der Defensive hatten die Berliner am Sonntag ein überragendes Spiel abgeliefert. „So müssen wir auch in Quakenbrück auftreten“, hatte Obradovic gefordert. Das erste Viertel stand dann allerdings auf beiden Seiten gleich unter dem Motto: Nervosität, wenig Punkte, viel Intensität in der Defensive. Es dauerte vier Minuten und sechs Sekunden, bis der erste Korb erzielt wurde. Den erfolgreichen Dreier der Drachen beantwortete David Logan ebenfalls mit einem Distanzwurf sogar erst nach viereinhalb Minuten.

Die Gastgeber waren anfangs beim Rebound klar besser, holten sich so immer wieder zweite Chancen. Bei jedem Rebound, den sich die Quakenbrücker schnappten, ging ein Jubelsturm durch die Arena. Höchstens vielleicht in Bamberg ist die Atmosphäre so aufgeladen wie in der sogenannten „Drachenhölle“. Nur 3000 Zuschauer fasst diese enge Arena, entsprechend waren für das vierte Halbfinalspiel auch innerhalb von 20 Minuten alle Tickets vergriffen. Aber Alba blieb kühl. 10:6 hieß es nach sieben Minuten, mit einem 12:12 ging es in die erste Pause.

Halbzeitpause tat Berlin nicht gut

Alba kam wie aufgedreht zurück. Drei Distanzwürfe, drei Treffer – erst durch Sven Schultze, dann zweimal durch Jagla. Nach zwölf Minuten hieß es 21:14 für Alba. Und die Berliner, die jetzt auch bei den Rebounds konsequenter zupackten, bauten die Führung sogar durch Center Jonas Wohlfarth-Bottermann auf elf Punkte Differenz (35:24/17. Minute) aus. Während Alba Artland-Spielmacher David Holston lange gut im Griff hatte, fand man gegen Brandon Thomas (14 Punkte in Hälfte eins, insgesamt 26) kein Mittel.

Die Halbzeitpause tat Berlin nicht gut. Ballverluste und falsche Entscheidungen in der Offensive nahmen zu. Auch in der Defensive war man nicht mehr so konsequent. Die Drachen waren am Drücker – und immer wieder traf Thomas. Nach 27 Minuten hieß es nur noch 42:40. Doch Alba ließ sich nicht von der Hektik anstecken. Ein eiskalter Dreier von Logan zum 50:42 (30.) war die richtige Antwort.

Radosevic ist mit 11 Punkten bester Werfer bei Alba

Acht Zähler Vorsprung (52:44) für Berlin – und noch zehn Minuten zu spielen: Der Geräuschpegel in der Arena ging noch einmal nach oben. Bei den Berlinern war zuletzt auffällig gewesen, dass sie immer wieder in der Schlussphase der Spiele in Bedrängnis gerieten. Und es war wieder so, auch wenn man mit 54:44 in Front lag (32.). Aber diese Drachen geben eben nie auf. Zwei Dreier – nur noch 58:56. Alle Zuschauer in der Halle standen.

Die Berliner behielten die Nerven. Reggie Redding (10) schaffte mit einem „Wahnsinns-Dreier“ 34 Sekunden vor Ende das 65:59. Die Drachen wurden hektisch, Alba blieb an der Freiwurflinie mit Leon Radosevic (bester Werfer mit 11 Punkten) eiskalt. Und Kendall (10) besorgte den Rest. Ob diese Mannschaft auch Meister werden könne, wurde Obradovic anschließend gefragt. Der Serbe grinste und strich sich über den kahlen Schädel: „Mal sehen...“