Sollte in Berlin ein Fanklub für die Artland Dragons in Planung sein, könnten sich die Initiatoren ohne weiteres trauen, Marco Baldi zu fragen, ob er nicht beitreten wolle. Albas Geschäftsführer schwärmte jedenfalls vom Halbfinalgegner, den sein Team im ersten Spiel der „Best-of-five“-Serie des Halbfinales zur Deutschen Meisterschaft erst mit 81:79 in der Verlängerung niederringen konnte, in den höchsten Tönen.

„Die bleiben als Team zusammen und immer in der Spur, unabhängig vom Spielstand“, erklärt Baldi, der schon oft mit Stolz von der „Unbeugsamkeit, der Charakter- und Willensstärke“ seiner eigenen Mannschaft gesprochen hat. Nach dem ersten Spiel gegen die Drachen sagt er: „Vom Charakter her nehmen sich beide Mannschaften nicht viel.“

Schon im Viertelfinale hätten die Artländer mit genau diesen Tugenden, mehrfach deutlich in Rückstand, Meister Bamberg entthront. Auch in Berlin lagen sie mit elf Punkten zurück (49:60) und führten drei Sekunden vor Schluss dann doch mit drei Zählern, ehe ihnen Reggie Redding den Sieg entriss.

Was Baldi so beeindruckte, war auch für die knapp 10.000 Zuschauer in der O2 World sichtbar. Beide Mannschaften verteidigten, als gäbe es kein Morgen, smart und mit letztem Einsatz, aber ohne dass es fies oder dass geholzt wurde. Und durch die größten Krisen (Alba blieb 6:20 Minuten ohne Punkt) bissen sich beide ebenfalls als Team. In Momenten, in den die Versuchung groß ist, das Heft in die eigenen, eitlen Hände zu nehmen.

Der unumstrittene Dirigent

Artlands 1,68 Meter großer Spielmacher David Holston macht nicht selten Spiele zum Ende hin zu einer One-Man-Show. Zumindest sieht es so aus. „Die Mannschaft vertraut ihm und ist permanent in Bewegung, wenn er die Lücken reißt“, erklärt Baldi. Und stehe einer frei, bekäme er auch den Ball. In dieser Serie hat Holston mit Albas Clifford Hammonds oder Akeem Vargas zwei der besten Verteidiger der Liga gegen sich. Dennoch wird Baldi wohl auch im zweiten Spiel am Mittwoch in Quakenbrück (21 Uhr) damit leben müssen, dass Holston nicht auszuschalten ist. Aber das wird er schaffen – als Fast-Dragons-Fan.