Als der Tross von Alba Berlin am Mittwochvormittag auf den Rückflug nach Berlin wartete, sprach Kapitän Sven Schultze auf dem Stuttgarter Flughafen das aus, was alle dachten: „Wir möchten nicht mehr zurück nach Ulm.“
Kein Flug mehr nach Stuttgart, keine Busfahrt mehr nach Ulm, der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt (161,53 Meter). Kein Spiel mehr im Play-off-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft in der „Ratiopharm-Arena“ gegen das Ulmer Basketballteam. „Es liegt jetzt an uns“, stellte Schultze zu Recht fest.
Nach dem 90:89 in Partie zwei fehlt Berlin jetzt noch ein Sieg, um die „Best of five“-Serie zu beenden und im Schnelldurchgang ins Halbfinale einzuziehen.
Matchball Alba. Dieser noch fehlende Erfolg soll bereits am Donnerstag in der O2 World (Beginn 20 Uhr) geschafft werden. „Schön, dass wir wieder dort spielen können“, sagte Schultze.
In der Halle am Ostbahnhof genießt Alba dann wieder einen echten Heimvorteil, nachdem man das erste Spiel (86:66) in der Schmeling-Halle hatte austragen müssen. Egal in welcher Halle: „Die Ulmer haben noch lange nicht aufgegeben“, warnte Albas Sportdirektor Mithat Demirel. Cheftrainer Sasa Obradovic forderte eine Steigerung. Denn zufrieden war er mit der Leistung seines Teams nicht.
„Das Wichtigste ist, dass wir gewonnen haben“, schickte er zwar voran, fügte aber gleich hinzu: „Unsere Defensive war nicht play-off-würdig.“ Ausgerechnet das Paradestück von Alba 2013/2014 war diesmal nicht der Trumpf. „Erst am Ende hat mir das besser gefallen“, so der Trainer. Alba ist die in der Defensive stärkste Mannschaft der Liga, in der Hauptrunde kassierte man im Schnitt nur 69,9 Punkte der Gegner. Da sind 89 Zähler eine Menge Holz. 59 Pflichtspiele (Liga, Pokal, Eurocup) hat Alba in dieser Saison bisher absolviert, nur einmal – beim 77:89 in Ludwigsburg – kassierte man so viele Punkte.
Kendall erzielte mit 23 Punkten seine Saisonbestleistung
„Vielleicht haben wir doch ein bisschen unterschätzt, wie schwer es wird“, überlegte Schultze. „Aber am Ende haben wir die wichtigen Dinge gemacht.“ Demirel stellte fest, „dass die Ulmer im letzten Viertel müde geworden sind“. Lange hatte sich Alba auf das kraftraubende Spiel der Schwaben eingelassen. Es wurde selten kontrolliert gespielt, sondern nach vorne gerannt und auf den Korb geworfen. Demirel: „Das ist eigentlich nicht unsere Spielweise.“ Als Alba vor allem in den letzten zehn Minuten geduldiger spielte, kippte die Partie zugunsten der Berliner Mannschaft, die teilweise mit sieben Punkten Differenz in Rückstand gelegen hatte.
Ein Schlüssel zum Erfolg war wieder einmal die Ausgeglichenheit im Team, die Alba kaum ausrechenbar macht. „Wer heiß ist, wird gefunden“, sagte Demirel. Mal war dies im ersten Spiel Jan Jagla, am Dienstag in Ulm drehte Levon Kendall auf und erzielte mit 23 Punkten seine höchste Punktzahl, seit er in Berlin ist. „Keine Mannschaft kann sich auf uns einstellen“, freute sich Schultze.
Zehn Spieler kamen länger als zehn Minuten zum Einsatz
Hinzu kommt noch der immense Druck, den die Berliner normalerweise in der Defensive aufbauen. Die Intensität kann hochgehalten werden, weil viel gewechselt wird. In Ulm standen zehn Spieler länger als zehn Minuten auf dem Parkett.
Gute Aussichten für den Sprung ins Halbfinale also. Alles scheint bei Alba möglich. Auch der Titel? Demirel drückte es diplomatisch aus: „Wir haben intern immer gesagt und auch schon mehrfach gezeigt, dass wir jeden schlagen können, insofern sind wir natürlich ein Kandidat.“





